Die Überschriften in diesem handlichen Reiseführer, der auch nach 2 oder 3 Wochen intensiver Nutzung noch nicht auseinanderfällt, ähneln sehr den Stationen der klassischen Rundfahrten, die inzwischen von vielen Veranstaltern für Arizona und die angrenzenden Gegenden angeboten werden. Da sind die Canyons im Norden, Städte wie Phoenix, Tucson und Las Vegas mit ihren Attraktionen und einige Kuriositäten wie der 'unsterbliche' Schauplatz großer Gunfights Tombstone; die Informationen zu Hotels und Restaurants sind gewohnt zuverlässig, der Indivudualreisende bekommt auch sonst was er an notwendiger Orientierung braucht, zumindest fast immer.
Auffällig ist jedoch zweierlei: In einem so großen Land wie Arizona ist man mindestens ebenso viel "on the road" wie mit Essen, Schlafen und Besichtigen beschäftigt. Dazu aber, wie man etwa am sinnvollsten von Nogales an der mexikanischen Grenze nach Flagstaff an der Route 66 kommt, gibt es wenig Anhaltspunkte im ADAC-Führer USA-Südwest. Dabei existieren nicht nur hier interessante und von (Zeit-)Aufwand sehr unterschiedliche Varianten, im konkreten Fall etwa die Freeway-Route direkt nach Norden oder die abenteuerliche Fahrt über waldreiche und kurvige Pässe auf der Straße 191. Ebenso wenig wie Hofbräuhaus und Olympiastadion eine Stadt wie München ausmachen, ebenso wenig ergeben die touristischen Highlights des Südwestens der USA ein zutreffendes Bild vom Leben dort, noch nicht einmal von der Vielfalt und dem ständigen Wechsel der Landschaften.
Zum zweiten erscheint auch die vorliegende offenbar aktualisierte Ausgabe ein wenig antiquiert: Wer seine Reise von Deutschland aus vorbereitet, für den wären nicht nur Telefonnummern von Hotels von Interesse, sondern auch eine wertende Charakterisierung von Suchmaschinen im Internet, über die man in praktisch jedem Ort zu vergleichsweise günstigen Konditionen vorab buchen kann. Angebracht wäre vielleicht auch ein Hinweis darauf, wo man vor Ort Zugang zum Internet finden kann um die mails auf dem heimischen Server abzurufen; Intenet-Cafes gibt es nur in den wenigen Großstädten, aber dafür besitzen viele der kommunalen Bibliotheken PCs, die man gegen geringe Gebühren nutzen kann. Ähnlich wichtig wären Hinweise auf die preislich höchst unterschiedlichen Möglichkeiten, nach Hause zu telefonieren: für 5 $ können dies im einen Fall 7 Minuten sein, mit der geeigneten PrePaid-Karte aber auch 4 Stunden.
Schließlich noch ein Wort zur Genauigkeit der Information. Bei manchen Angaben lohnt sich Präzision kaum, etwa wenn es um die Anfangszeiten von Gunfight-Shows geht, denn diese ändern sich ganz nach Bedarf und Besucherstrom; ärgerlich wird es aber dann, wenn ein Museum, hier das für moderne Kunst in Phoenix, durch die Präsenz von Werken Picassos und Frida Kahlo charakterisiert wird - tatsächlich steuern diese beiden Künstler zusammen gerade einmal 5 Exponate bei, dafür ist der Eindruck der 'American Collection' umso tiefer und die in diesen Bildern und Plastiken zum Ausdruck kommende Such nach amerikanischer Identität. Nicht nur an dieser Stelle hat man den Eindruck, dass Informationen wenig geprüft aus staatlichen oder privaten Faltblättern übernommen worden sind.
Trotzdem, ein brauchbarer Führer - wenn man nicht allzu weit von den breiten Wegen der Busrouten abweicht.