Der wichtigste Satz dieses Reiseführers findet sich am Anfang - quasi im Kleingedruckten. "Rom ist kein Museum, sondern eine Millionenstadt". Gerade das könnte man beim Lesen dieses Bandes vergessen, schwelgt der Autor Herbert Rosendorfer (!) doch so sehr im historischen Pomp der Stadt Rom und bringt die Geschichte der Stadt und des Kirchenstaats so exakt auf den Punkt, dass man bei der Ankunft nur noch darauf wartet, dass einen die kaiserlichen Legionen um die Ecke erwarten.
Wenn man dann aber abends die Stadt erreicht oder gar versuchen sollte, an einem Werktag nach Ende der Geschäftszeit mit einem öffentlichen Verkehrsmittel das Zentrum zu verlassen, wird man diesen Reiseführer eher schnell verfluchen. Sollte man nicht vor solchen Fallen gewarnt werden?
Tatsächlich ist Rom ein ein Verkehrschaos, dessen Straßenbahnen an Werktagen zwischen 17.00 und 20.00 Uhr nur unter Einsatz von körperlicher Gewalt zu verlassen sind. Zu jeder Kirche gehört mindestens ein Bettler, in den Bussen residieren Stumpen rauchende Penner und wer den Parcours längs der Mauer des Vatikans zu den Museen durch ein Spalier von hunderten Prospektverteilern, Bettlern, "Prada"-Taschen-Verkäufern geschafft hat, um dann vor der Sixtinischen Kapelle eine Sicherheitskontrolle anzutreffen, die den römischen Flughafen alt aussehen lässt, der kann schnell von der Stadt genug haben. Aber solche Eindrücke sind dem Reiseführer fremd - und auch der Rom-Reisende sollte sich davon nicht beeindrucken lassen.
Wie alle ADAC-Bände dieser Reihe begibt sich auch dieser nicht in die Niederungen des Alltags herab - und was seine historische und kunstgeschichtliche Relevanz angeht, übertrifft er fast alle Bände dieser Reihe, die ich gelesen habe. Wer den Reiseführer als Vorbereitung auf den Rom-Besuch benutzt, erhält für diesen Preis einzigartige und tiefgreifende Einblicke in die Geschichte und die Bedeutung Roms. Allein die Geschichte des Kirchenstaats ist das Geld wert. Die vorzügliche Bebilderung und das Kartenmaterial tun ein übriges. Allerdings ist die Kombination der Stadtpläne diesmal nicht optimal gelungen - für Kurzaufenthalte braucht man u. U. zu lange, bis man die Karten effizient nutzen kann und bisweilen muss man auch mit mehreren Karten hantieren, um zum Ziel zu kommen. Auf die ADAC-Karten allein sollte man sich auch bei einem Wochenendaufenthalt nicht verlassen - sie dienen nur als Überblick.
Aber insgesamt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis dieses Reiseführers sicher nicht zu toppen.