'Call of Duty' - inzwischen ein großer, wenn nicht, neben 'Brothers in Arms' und 'Medal of Honor', DER große Name im Bereich der WW II-thematisierten SHooter. Und das zurecht: 'Call of Duty' begeisterte Spieler weltweit auf PC und Konsole mit bombastischer Präsentation, flüssigem Gameplay und epischen Massenschlachten, die einen das Chaos des Krieges erahnen lassen. Als ein Ableger für Sonys tragbares Wunder angekündigt wurde, war ich skeptisch: ließ sich das 'CoD-Prinzip' auf einen Handheld portieren? Inzwischen kenne ich die Antwort auf diese Frage...
'Roads to Victory' erzählt die Geschichte von Soldaten in 3 Alliierten Regimentern auf Seiten der Amerikaner, Kanadier und Briten. Zu meiner Enttäuschung ist die Story - oder, sagen wir, das Storytelling - bei weitem nicht so plastisch und ausgefeilt, wie bei den 'großen Brüdern'. Die Charaktere erhalten einfach nicht die Farbe, die Kenner von 'Call of Duty' gewohnt sind. Sie sind völlig austauschbar. Für ein WW II-Game ein schwerer atmosphärischer Schlag. Die Atmosphäre des Spiels wird allerdings durch ganz andere Probleme getrübt...
Unter anderem leidet auch 'Roads of Victory' an den typischen 'CoD'-Krankheiten: Gegner respawnen endlos, bis man einen gescripteten Punkt erreicht - dann ist plötzlich Totenstille. Die feindliche (und freundliche) KI ist, wie in den Vorgängern, lächerlich und brilliert einzig durch Masse statt Klasse - was das Respawning-Problem relativiert. Hinzu kommen die Schwierigkeiten, die aus dem Versuch resultieren, 'Call of Duty' 1:1 auf die PSP zu bringen.
Diese äußern sich speziell im Bereich der Steuerung. Die PSP hat einfach zu wenig Buttons, sodass die Steuerung sehr überladen ist und viele Tasten doppelt oder gar dreifach belegt wurden und es von Zeit zu Zeit zu unerwünschten Aktionen kommt (will man beispielsweise die Waffen wechseln, steht aber neben einer Waffe, die am Boden liegt, wirft man automatisch seine aktuelle Waffe weg und nimmt die neue auf, statt einfach zur eigenen Zweitwaffe zu wechseln, was nervt). Zwar kann der Spieler aus 4 Kontrollschemen wählen, wirklich angenehm spielt es sich aber mit keinem davon. Auch war es, aufgrund der (im Vergleich zum PC und den Konsolen) schwachen PSP-Hardware, nicht möglich, die Massenschlachten der PC- und Konsolentitel, in denen 10 oder 20 Soldaten gleichzeitig on Screen kämpfen, auf der PSP umzusetzen. Stattdessen 'tummeln' sich nun zumeist 3 Freunde und 3-6 Feinde auf dem Display - ein etwas trauriger Anblick. Um dieses Manko auszugleichen, wurden die Areale scheinbar ebenso verkleinert, was dem Titel ein gewisses 'Tunnelgefühl' verleiht: 'Call of Duty' war immer schon linear, doch 'Roads to Victory' ist in dieser Beziehung wirklich grausam. Manchmal sind Maps so linear, dass es nicht einmal einen Weg gibt, Gegner zu flankieren - man muss zwangsläufig mitten in feindliches Sperrfeuer laufen, da es keine Alternativroute gibt.
Auch technisch sticht 'Roads to Victory' in keinster Weise hervor. Die Grafik ist OK, aber vor allem die Models sind nicht sehr schön. Da gab es Anno 2006 bereits wesentlich besseres. Der Synchronisation merkt man die Kompression für die 'kleine' UMD stark an, was aber letztlich egal ist; lästiger ist nämlich, dass Freunde und Feinde ihre (wenigen - 2-3 Stück, mehr 'Standard-Lines' gibt's nicht) Sätze dauernd wiederholen - im 5 Sekunden-Takt. Die musikalische Untermalung hingegen ist in Ordnung.
'Call of Duty: Roads to Victory' kann das Spielgefühl seiner PC- und Konsolebrüder leider nicht in adäquater Form auf die PSP bringen. Zu viel liegt bei der Umsetzung im Argen, von der Steuerung, bei der man auf höheren Schwierigkeitsgraden ohne das standardisiert aktive 'Auto-Aim' aufgeschmissen ist, bis zur, wohl aus Leistungs- und Speichergründen, mangelhaften Präsentation. Am Multiplaye-Modus habe ich mich noch nicht versucht, aufgrund der verkorksten Sateuerung wird eine der üblichen Stärken der 'CoD'-Reihe auf der PSP vermutlich ebenso wenig brillieren können. Andere Shooter, wie 'Syphon Filter: Dark Mirror' oder der direkte Konkurrent aus dem Hause EA, 'Medal of Honor: Heroes', zeigen, wie's geht. Selbst hartgesottene 'Call of Duty'-Fans sollten sich den Kauf zweimal überlegen.