ACDSee benutzte ich seit der Version 2.1, die vor fast 15 Jahren erschien, als reinen Bildbetrachter/Thumbnail-Viewer. Als später Bildbearbeitungs- und Datenbankfunktionen hinzukamen, ignorierte ich die weitgehend, da ich mich inzwischen schon in Photoshop eingearbeitet hatte und meine Bilder so sortiere, dass ich alles ordnerbasiert finde.
Das galt auch für die Bearbeitung von RAWs, die ich bislang mied, weil ich die Digitalfotografie ähnlich wie die Diafotografie handhabe, d.h. um richtige Belichtung und Farbtemperatur macht man sich vor dem Schuss Gedanken und in schwierigen Lichtverhältnissen macht man eine Belichtungsreihe oder in der Digitalfotografie Probeschüsse zur Beurteilung am Kameramonitor und korrigiert nach deren Prüfung. Die RAW-Konverter, die ich ausprobierte, erschienen mir zu unübersichtlich/umständlich und gewöhnungsbedürftig und an Adobe Lightroom störte mich das rein datenbankbasierte Konzept und der Preis.
Ganz anders nun mit ACDSee 4 Pro. Diese Version öffnet RAWs ebenso schnell wie JPGs und merkt sich bei nicht bildschirmangepasster Originalauflösung auch die Position des Ausschnitts, sodass man Ausschnitte zwischen RAW und parallel kameraerzeugtem JPG durch Hin- und Herblättern vergleichen kann. Und da stellte sich bei den wenigen RAWs, die ich bei grenzwertigen Lichtverhältnissen zusammen mit JPGs gemacht hatte, schnell heraus, dass die RAWs in den Schatten noch weit mehr Details als die gleichen JPGs haben. Das ist schon bei den Bildern aus zwei verschiedenen DSLRs (Pentax) markant, aber noch deutlicher bei den RAWs+JPGs einer Canon S90. Die mit ACDSee "entwickelten" JPGs sehen tatsächlich ein bis zwei Klassen besser aus als die Kamera-JPGs. Mit anderen RAW-Konvertern habe ich das nicht so hinbekommen oder mich hatte die Benutzerführung abgeschreckt. ACDSee Pro 4 kann ich also JPG-auf-RAW-Umsteigern nur empfehlen.
Die Alternative wäre Lightroom: Lightroom ist weit verbreitet und im Web und in Fachzeitschriften finden sich unzählige Tutorials, während für ACDSee 4 Pro keinerlei Anleitungen zu finden sind. Brauche ich auch nicht und bislang brauchte ich nicht einmal die Hilfe-Datei, weil das Programm in meinen Augen selbsterklärend ist. Ein Anfänger wird sich möglicherweise mit beiden Programmen schwer tun und bekommt für Lightroom mehr "open support" in diversen Foren, für ACDSee Pro 4 in deutscher Sprache nur hier: http://de.community.acdsee.com/forums/forum/acdsee-pro-4, in Englisch hier: http://community.acdsee.com/forums/forum/acdsee-pro-4. Dass auf beiden Seiten nicht sehr viele Anfragen sind, liegt möglicherweise daran, dass ACDSee in der Version Pro 4 wenig Fragen aufwirft und wenig Probleme macht (bei mir gar keine).
Eine aus einer Vorversion vorhandene Datenbank wurde problemlos konvertiert. Das Programm läuft als Bildbetrachter auch auf einem alten Dualcore und selbst auf einem Pentium 4, jeweils mit 2 GB RAM unter XP flüssig. Die RAW-Konvertierung ist auf dieser Hardware noch akzeptabel, aber sehr zäh und schreit nach einem deutlich kräftigeren Prozessor.
Einige Funktionen der Bildbearbeitung gehen über die Fähigkeit einfacher Grafikprogramme hinaus: Schatten-/Lichterkorrektur, Fill Light, Entrauschung (Luminiszenz und Farbe), Beseitigung chromatischer Aberration (Red/Cyan und Blue/Yellow getrennt), Farbtemperaturkorrektur (gibt's bei Photoshop nur über Umwege oder Drehen an den Farbkanälen), Korrektur der perspektivischen Verzeichnung, Verzerrungskorrektur (der tonnen- oder kissenförmigen Verzeichnung von Objektiven), Vignettierungskorrektur und einiges mehr.
Photoshop bekommt bei mir seit einigen Wochen dank ACDSee deutlich weniger CPU-Time.