Mit den Klassikern Version 2.4 und 5.0 war ich immer sehr zufrieden. Die neue Kamera hat nun EXIF-Daten - die werden aber nur von neueren Versionen unterstützt. Also habe ich die aktuelle Version erstanden.
In dem Glauben, ich kenne ja ACDSee im Grunde, habe ich nicht schlecht gestaunt. Die Oberfläche ist viel gefälliger und viele Einstellungen liegen näher als bisher, beispielsweise der Zoom-Schieber für die Miniatur-Größe. Allerdings bedeutet das zunächst auch etwas Einarbeitungszeit. Wie eben in jedem (neuen) Programm. Man denke nur an die Umstellung auf MS-Office 2007! Ich kann nur raten, sich zu Beginn einen Nachmittag/Abend lang einzuarbeiten und dann hin und wieder eine viertel oder halbe Stunde zu vertiefen. Es gibt sooo viele elegante, hilfreiche oder auch nur witzige Funktionen zu entdecken.
Der Workflow ist eine der Eigenschaften, die man zu Beginn einfach akzeptieren und verinnerlichen muss. Die Reiter "Verwalten - Ansicht - Berarbeiten - Online" sollen der besseren Orientierung dienen. Dafür muss man eben manchmal einen Klick mehr machen. Aber das ist kein Qualitätsmerkmal, wie ein Rezensent suggeriert sondern Geschmacksache. Manch andere vergleichen die intuitive Bedienbarkeit anscheinend mit einfachen Programmen wie IrfanView. Das sind Äpfel und Birnen - die Daumenregel "Je umfassender die Software, desto mehr muss man sich damit auseinander setzen" gilt natürlich auch für Bildbetrachter.
Richtig beeindruckt bin ich von den neuen Möglichkeiten, die Bilder nachzubearbeiten. Als Photoshop-Elements-User darf ich erfreut feststellen, dass ich 97% inzwischen mit ACDSee machen kann. Wenn es um Ebenen oder Freistellen geht, muss natürlich der Spezialist her - aber als Normaluser ist das sicher selten der Fall.
Die Rote-Augen-Korrektur ist ja inzwischen eher normal. Aber Belichtung, Weichzeichnen oder Tonwertkorrektur und letzteres sogar automatisch - ich bin beeindruckt!
Auch der Filmstreifen am unteren Fensterrand (in "Ansicht" und "Bearbeitung") ist eine sehr hilfreiche Neuerung.
Das automatische Drehen beim Einlesen ist nichts Außergewöhnliches, doch genial.
Eine große Hilfe beim Einlesen von der Speicherkarte: Da sich die Bilder noch vor dem Import nach Datumsbereichen sortieren lassen, kann ich mit ein, zwei Mausklicks gleich festlegen, dass nur die Fotos vom letzten Urlaub übertragen werden - und muss nicht erst lange sortieren, die Datumsangaben checken, markieren und kopieren.
- Exkurs Bilddaten -
Nicht gut gelöst ist das Eintragen von Daten zum Bild. Zum einen gibt die Hilfe nicht viel her, zum anderen braucht man erst mal ein kleines Studium um Folgendes zu unterscheiden: EXIF-Daten, IPTC-Daten, ACDSee-Daten und jene, die man über die Dateieigenschaften in Windows angezeigt bekommt.
Ein Beispiel: angenommen, ich will meinen Namen mit dem Bild verbinden, damit jeder nachlesen kann, wer es aufgenommen hat. Ich kann in EXIF "Künstler" angeben, in IPTC gar "Verfasser" oder "Fotograf", in ACDSEE "Autor" und in den Windows-Eigenschaften ebenfalls "Autor" - aber der erscheint nur hier im Windows-Dateiexplorer (bzw. Arbeitsplatz), nicht aber in ACDSee oder anderen Programmen. Bis ich nun noch weiß, welche Angaben nur auf meinem PC gespeichert sind und welche mit dem Foto fest verbunden werden - es ist ein Grauen. O.k., zum größten Teil hat das gar nichts mit ACDSee selbst zu tun - aber eine gute Erläuterung in der Hilfe täte doch Not. So musste ich Wikipedia usw. bemühen.
Wer sich das alles gar nicht antun will, kann die einfache Lösung mit dem Dateinamen anwenden: In "Stapelverarbeitung - Umbenennen" kann man in jeden Dateinamen z.B. Datum, Ort oder Fotograf einfügen. Über "Suchen und Ersetzen" sind noch raffiniertere Umbenennungen möglich.
- Ende Exkurs -
Was ich mir noch wünschen würde: Ich brauche immer wieder mal Bildgrößen mit bestimmten Maßen, z.B. für die Homepage, den Bildschirmhintergrund von PC, Handy usw. Da wäre es unheimlich hilfreich, wenn beim Ziehen einer Auswahl gleich die Pixelgrößen und das Seitenverhältnis angegeben würden. Programmiertechnisch ist das nichts Aufwändiges.
Wer viel mit dem Programm arbeitet, dem sei die Hilfeseite "Tastaturbefehle" wärmstens empfohlen. Mit den Tastenkürzeln lässt sich der Workflow nochmal deutlich beschleunigen.
Die Konfigurierbarkeit des Programmes ist m.E. vorbildlich: Leisten, Miniaturen, Symbole, angezeigte Spalten, selbst Tastaturkürzel - alles lässt sich sehr differenziert einstellen.
Das Wichtigste: die Betrachtungsgeschwindigkeit hat sich trotz vielfachem Funktionsumfang des Programmes nicht verschlechtert. Dafür liebe ich dieses Programm. Da ist es mit Abstand und im wahrsten Sinne des Wortes "der Renner".
Fazit: wer sich etwas Zeit für das Programm nimmt, wird viel Freude haben und immer wieder neue nützliche Funktionen entdecken. Doch alleine für die rasante Betrachtungsgeschwindigkeit lohnt sich die Investition. Eine klare Kaufempfehlung!