Was soll ich sagen, meine Vorrezensenten haben die Meßlatte schon ordentlich hoch gelegt.
Zunächst die Hardfacts:
Bild: ist ok, oft grieselig, aber das Rohmaterial stammte ja aus dem Jahr 1979, dafür ist es wiederum sehr gut. Der Aufpreis zum Blue Ray lohnt nicht wirklich, die DVD bietet in etwa die selbe Performance. Einen kleinen Vorteil bietet aber die BR dann doch, nämlich die Möglichkeit, eine individuelle Playlist zusammenzustellen, immerhin. 3 Sterne
Ton: auch ziemlich gut, natürlich weit weg von 2000er tontechnischer Präzession, aber der Sound kommt gut rüber. Die Tonspur "Englisch (Dolby Digital 2.0)" hat mir persönlich besser gefallen als die Version "Englisch (Dolby Digital 5.1)", das kann aber auch an meiner Yamaha Anlage liegen. Aber die Tontechniker haben sich redlich bemüht. 3 Sterne "+", sehr ordentlich
Extras auf BR:
Doku mit Diskussionen zu folgenden Themen:
- Laut, geladen & entsichert: Die Rituale des Rocks
- AC/DC: Urgestein des Gitarrenriffs
- Angus Young: Ein wahres Gitarren-Monster
- Bon Scott: Der Rock'n'Roll-Pirat
- AC/DC: Ein felsenfestes Vermächtis
- Größen der Rockmusik diskutieren 6 AC/DC-Songs
Für die angebotenen sehr aufschlussreichen Extras gerne 5 Sterne!
Nun aber zum Eigentlichen: Der Gig!!!
Wow, wie lange musste man als Fan darauf warten, endlich das ultimative 79er Pariskonzert als DVD und sogar als Blu-Ray. Ich bin hin und weg.
Wie schrieb einer der anderen User, noch ohne große "Hells Bells" Glocke und Showeffekte! Ja genau, einfach und simpel herrlich: ein paar Funzeln an der Decke, Türme von Analogverstärkern und natürlich die Jungs von AC/DC auf der Höhe ihrer Zeit, allen voran Bon Scott, charismatisch, animalisch, schrill, das wars. Mit schlichten Jeans am Wanst und die E-Gitarre in der Hand und schon geht das Rock-Erdbeben los. Unglaublich wie hart und wild AC/DC damals aufspielte. Mit brachialer Energie rotzt Bon die Texte in den Raum. Angus scheint völlig mit seiner Gitarre zu verschmelzen. In Ekstase bis zur völligen Selbstaufgabe rupft er die Saiten durch. Völlig in Schweiß aufgelöst findet das Konzert sein Finale beim Titelsong "Let there be Rock" - ein Orkan wäre wohl treffender. Das der Drummer noch auf seinem Stuhl sitzt, grenzt an ein Wunder. Und das Angus überhaupt noch steht, kann man eigentlich nicht wirklich erklären?! Unsereins, wäre auch damals schon vor totaler Erschöpfung gleich auf der Bühne verstorben. Amen. Was für ein Konzert...schön, das man es nun endlich auch zu Hause genießen kann.
Interessant ist insoweit, dass das Konzert als eine Art "Spielfilm" arrangiert wurde. So erfährt der geneigte Zuschauer, wie sich die Young Brüder samt ihrer Crew akribisch auf ihren Gig vorbereiteten. Man glaubte ja als Fan fast, die saufen sich solange die Hütte zu, bis sie die Lieder von selbst spielen, weit - weit gefehlt.
Die Härte, die hier auf einfachste tontechnische Art und Weise zelebriert wird, ganz ohne aufgeblähte Sounds und Synthies, bunter Kostüme oder operettenhafter Show, wie sie seinerzeit bei Sweet, Uriah Heep u.a. schon üblich war, fasziniert, und das auch gut 30 Jahre danach. Kein Glamrock, Nein, einfach nur schnöder, dreckiger Hard Rock! Und das vom Allerfeinsten, in seiner Ur-Essenz, rein, unverwässert, wie scharfer klarer Scotch Whisky, unverschnitten, direkt aus der Destille. Der kratzt nämlich auch, wenn er langsam die Kehle runterrinnt, und so brennt sich die Musik der besten Hard Rocker unseres blauen Planeten in die gemeine menschliche Großhirnrinde. Bei Songs wie "Girls Got Rythm" und "Whole Lotta Rosie" krieg ich immer noch Gänsehaut im Stahlnadeldesign! Zumindest bei dieser Aufnahme. Erinnerungen an die eigene Jugend werden lebendig.
Für die gebotene Performance, 5 Sterne und ein dickes fettes Extra-Plus!
Erlebniswert, manche würde auch Spaßfaktor sagen, ebenfalls 5 Sterne-Plus!
Fans werden sich an diesen Silberlingen ergötzen und in Tränen ausbrechen. Unsere Kinder oder Neuzugänge werden erstaunt sein, was damals, im fernen Jahre anno 1979, noch vor der Neuen Deutschen Welle, auch noch vor dem Hype der 80iger Jahre, an mega-fetten Rock der Hörerschaft feilgeboten wurde. Ein Zeitdokument der besonderen Art, wir werden Dich nie vergessen Bon!!! Sorry Brain, auch Dich lieben wir!
In der Summe, trotz der kleinen Abstriche, ganz klar 5 Sterne, kaufen und glücklich werden.
Bon "Voyage" mit dieser Blu-Ray!
DANKE AC/DC