Sichere Schlösser sind schwer. Und teuer. Und unpraktisch. Und sperrig. Ich suchte ein Bügelschloss unter 1kg, das flexibel genug ist, um nicht jedes Mal nach einer Anschließmöglichkeit suchen zu müssen. Für diesen Zweck ist das Schloss ausreichend.
Es gibt Alternativen, die eine deutlich höhere Sicherheit versprechen: Schwere Bügelschlösser sind Kryptonite New York Lock Standard Bügelschloss sowie
Abus Granit X-Plus 54 Bügelschloss. Alternativen zum Bügelschloss sind etwa
ABUS Faltschloss Bordo 6000/90, 90 cm und Fahrrad-Schlosskette ABUS City Chain 1010. Bügelschlösser gelten als sehr stabil und schwer zu knacken, sind jedoch unflexibel, weil sie für Bäume oder große Laternen zu eng sind. Engere Bügel machen den Angriff mit schwerem Werkzeug schwieriger, kleine Schlösser erlauben dickere Rohre, die der Flex länger widerstehen können. Große Schlösser sind also praktisch, aber unsicher oder >2.5kg schwer.
Dieses Schloss ist kein solch extremes Exemplar, sondern ein harmloser Kompromiss aus Alltagstauglichkeit und Sicherheit. Ich finde immer einen Zaun, Pfosten, Geländer oder ein Verkehrsschild, muss also (in der Stadt) nicht erst suchen. Natürlich könnte man immer nur das Hinterrad an den Rahmen schließen, ohne Wegtragsperre finde ich ein Schloss aber sinnlos. Ich lege das Schloss meistens durch das hintere Rahmendreieck und umschließe die Speichen des Hinterrades. Das Vorderrad kann man natürlich nicht gleichzeitig sichern.
Für unterwegs liefert Abus verschiedene Anbringungsmöglichkeiten mit, die ich nicht getestet habe. Ich hänge das Schloss auf Kurzstrecken an meine Umhängetasche, auf längeren Strecken hänge ich es um den Lenker. Das reicht.
Der Schließzylinder hakelt manchmal, nach einer Weile hat man den Dreh aber raus und es geht problemlos. Im Gegensatz zu einem (gefälschten?) Supermarkt-Abus-Bügelschloss der gleichen Preisklasse, das ich davor ausprobiert hatte, ist der Schlüssel auch nicht aus weichem Blech und bricht nicht im zweiten Versuch ab.
Über die Sicherheit des Schlosses kann ich keine Aussagen machen. Mein Fahrrad wurde noch nicht geklaut :-) Jedenfalls ist das Rad nie das am schlechtesten gesicherte Rad, wenn es in einer Gruppe am Straßenrand steht. Das reicht mir, um mich sicher zu fühlen.
Interessanter Punkt: Es gibt für diese Schloss-Serie keine Generalschlüssel und keine Aufbrechanleitung wie für manches Premiumschloss. Offenbar scheut man bisher den Aufwand, oder hält es geheim. Ich empfinde das als Pluspunkt gegenüber den teuren Schlössern.
Das vorliegende Schloss empfinde ich als vernünftigen Kompromiss aus Sicherheit, Komfort und niedrigem Preis. Die Richtlinie, man solle 10% des Fahrrad-Kaufpreises in ein Schloss investieren, unterschreite ich allerdings. Ob das eine gute Idee ist, muss jeder für sich entscheiden.