Da liegt er also: der Notfallpatient. Ab jetzt zählen die Sekunden und nichts darf schief gehen... Egal ob Ersthelfer, Sanitäter, Rettungssanitäter, Rettungsassistent oder Notarzt - jeder steht unter Stress, wenn er zu einer Einsatzstelle kommt. Schließlich möchten alle ihr Bestes tun, um dem Patienten zu helfen. Doch das ist kein einfaches Unterfangen. Zunächst gilt es, einen Überblick über die Situation zu gewinnen: Wie viele Leute sind verletzt? Was ist genau passiert? Besteht eine Gefahr für die Helfer? Müssen weitere Kräfte nachalarmiert werden? Und so weiter.
Dann endlich steht der Patient im Mittelpunkt. Hier ist es von besonderer Wichtigkeit, schnell und akkurat den Zustand des Patienten zu beurteilen. Egal ob Traumapatient oder internistischer Notfall - schnell muss entschieden werden, ob man den Patienten soweit möglich vor Ort behandelt, oder ihn gemäß "load & go" auf schnellstem Wege in eine Klinik bringt. Bei der Beurteilung der Patienten verlassen wir uns auf viele hoch entwickelte Geräte, doch die wichtigsten Instrumente haben wir stets dabei: unsere Sinne. Die menschlichen Sinne sind hochempfindlich und sehr flexibel - und damit hervorragend geeignet, um rasch die typischen Symptome des Verletzten zu erkennen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Und genau das ist die wichtigste Kompetenz, die jeder Helfer erlernen muss. Hier setzt Thomas Semmel mit seinem Buch "ABC - Die Beurteilung von Notfallpatienten" an. Auf erfrischend kurzweiligen und mit Informationen gespickten 160 Seiten gibt er dem Leser einen Leitfaden an die Hand, um diese Kompetenz zu perfektionieren. Dabei bringt er seine langjährige Erfahrung als Ausbildungsleiter Rettungsdienst und Autor ein, was dem Lese- und Lerngenuss sehr zugutekommt.
Das Buch beginnt ganz am Anfang: mit der Beurteilung der Einsatzstelle. Hier werden u.a. die wichtigsten Gefahrentypen erklärt und die persönliche Schutzausrüstung der Helfer thematisiert. Im Anschluss stellt der Autor das ABCDE-Schema vor, das für "Airway - Breathing - Circulation - Disabilities - Exposure" steht. Dieses Schema ermöglicht eine rasche und systematische Patientenbeurteilung. Die nächsten beiden Kapitel gehen auf die Beurteilung von Trauma- und Nicht-Trauma-Patienten ein. Auch hier findet der Leser eine schrittweise Anleitung, damit alle wichtigen Punkte berücksichtigt werden. Auch das SAMPLE-Schema zur Anamneseerhebung wird hier behandelt. In den nächsten beiden Kapiteln geht der Autor dann umfassend auf die Vitalparameter und die regelmäßige Verlaufskontrolle ein, die sicherstellen soll, dass sich der Zustand des Patienten nicht plötzlich unbemerkt verschlechtert. Der letzte Teil des Buches demonstriert schließlich die korrekte Anwendung der wichtigsten Diagnosetechniken. Auf der Website des Verlags finden sich zudem noch Zusatzkapitel zu den Themen "Freimachen der Atemwege" und "Sauerstoffapplikation".
Das Buch ist durchgehend farbig und ansprechend gestaltet. Die gut strukturierten Inhalte ermöglichen auch später ein schnelles Nachschlagen. Eine Vielzahl von Bildern und Fotos trägt gleichermaßen zum Lesevergnügen und zum Verständnis bei. Die Kapitel enden durchgehend mit einem kleinen Quiz, um das Gelernte zu vertiefen. Die ausführlichen Lösungen dazu finden sich im Anhang. Zusammenfassend lässt sich nur eine klare Kaufempfehlung zu diesem Buch geben. Ein schmales Büchlein, das es in sich hat. Jede Seite bietet eine riesige Menge an Informationen, die zudem auf kurzweilige Art und Weise vermittelt werden. Prädikat: uneingeschränkt empfehlenswert!