Wir gehören zu 12köpfigen Spielgruppe (ca. 40 - 55 Jahre) die sich regelmäßig trifft. Aus Termingründen sind wir selten vollzählig - wenn aber doch, stellt sich immer wieder das Problem, dass es kaum Spiele für solch große Gruppen gibt.
Als ich vor etwa 5 Jahren bei Amazon auf "Anno Domini" stieß, war mein Interesse sofort geweckt und die Spielboxen "Lifestyle" und "Sex & Crime" wurden bestellt. Denn diese Titel versprachen den meisten Spielspass und setzten nach meiner Vermutung kein Spezialwissen voraus. Letzteres war wichtig, da innerhalb der Gruppe ein hohes (Aus)Bildungsgefälle besteht.
Spielbeschreibung (anhand von 3 Spielern):
--- Jeder Spieler erhält 9 Karten, auf deren einen Seite in Schwarz diverse Ereignisse stehen.
--- Eine Karte wird aufgedeckt, z. B. "Patent für die Anti-Peinlichkeits-Vorrichtung für stillende Mütter, den BH mit Zapfröhre"
--- Der erste Spieler muss nun erst mal überlegen, wann das gewesen sein könnte und dann eine seiner Karten oberhalb (zeitlich früher), oder unterhalb (zeitlich später) neben die 1. Karte ablegen.
--- Er entscheidet sich für "Das Spiel Mah Jong wir im der westlichen Welt zum Modespiel" und legt die Karte unterhalb ab.
--- Spieler 2 legt die Karte "Die englische Automobilfabrik Rolls-Royce wird gegründet" oberhalb der ersten beiden ab.
--- Spieler 3 legt "Der Kurierdienst -Fleurop- ermöglicht Blumengeschenke aus der Ferne" an die unterste Stelle der entstandenen Reihe.
--- Spieler 1 legt nun "Japan verbietet wegen moralischer Bedenken den Hula-Hoop-Reifen" wiederum an die unterste Stelle der Reihe.
Das gefällt Spieler 2 nicht und er fordert das Aufdecken der Kartenrückseiten, auf denen die Jahreszahl und gelegentlich Erläuterungen abgedruckt sind. Die Reihe sieht nun so aus:
1904 - "Die englische Automobilfabrik Rolls-Royce wird gegründet"
1910 - "Patent für die Anti-Peinlichkeits-Vorrichtung für stillende Mütter, den BH mit Zapfröhre"
1924 - "Das Spiel Mah Jong wir im der westlichen Welt zum Modespiel"
1927 - "Der Kurierdienst -Fleurop- ermöglicht Blumengeschenke aus der Ferne"
1958 - "Japan verbietet wegen moralischer Bedenken den Hula-Hoop-Reifen"
--- Spieler 1 hatte also die Zeittafel korrekt bedient. Zur Strafe wegen der falschen Anschuldigung muss nun Spieler 2 drei Strafkarten ziehen, hätte Spieler 2 aber zu Recht Spieler 1 beschuldigt, würde dieser mit Strafkarten "belohnt".
--- Es beginnt eine neue Runde, eine neue Anfangskarte wird vom Stapel in die Mitte gelegt, usw.
--- Das Spiel endet, wenn ein Spieler seine letzte Karte korrekt in die Zeittafel ablegt.
Anmerkung: Unsere Gruppe hatte schnell raus, dass es (für uns) bessere als die oben beschriebene vom Hersteller vorgegebene Spielweise gibt, aber alle Vielspieler werden da schnell eigene Ideen entwickeln. Alternativen sind z. B.:
--- Teambildung
--- Jeder erhält 10 Karten. Eine weitere wird vom Stapel offen in die Mitte gelegt. Alle Spieler legen nun jeweils eine ihrer 10 dazu, nämlich die, von der sie denken, dass sie am nächsten dran ist.
--- Oder das Gleiche variiert: Es werden 2 Karten hinzugelegt, nämlich die, welche in der Zeittafel auf beiden Seiten je am nächsten dran sind.
--- Eine weitere Möglichkeit ist, alle Karten, von denen man denkt, dass sie aus dem gleichen Jahrtausend, Jahrhundert, oder Jahrzehnt stammen, hinzuzufügen. Diese Variante hat aber den Nachteil (oder den Vorteil), dass es eine Weile dauert, bis jeder seine 10 Karten hat, denn Eindeutiges muss aussortiert werden. Über die Eindeutigkeit stimmen natürlich die Mitspieler. Und schon das bringt viel Diskussionen und entsprechenden Spielspaß!
Verpackung/Haltbarkeit/Spielbeschreibung:
Das Spiel befindet sich in einer handlichen 6,5 x 11 x 4,5cm großen Box. Diese ist nicht sonderlich stabil, daher nicht in Kinderhände fallen lassen.
Die Karten (336) messen 4,1 x 6,3cm, sind ausreichend stabil für lange Spielfreude (inzwischen immerhin über 5 Jahre hinweg).
Die Spielbeschreibung ist kurz, prägnant und klar verständlich
Vorteile:
--- Geringes Gewicht, geringe Größe - gut zum mitnehmen auf Reisen und zu Spielabenden
--- vielfältige Regeländerungen möglich, was Bildungsunterschiede ausgleichen hilft.
--- Auch mit 12 Personen (lt. Hersteller höchstens 10) noch gut spielbar.
--- Regeländerungen führen auch (zumindest bei uns) zu mehr Spielspass, da die Herstellervorgabe doch recht "trocken" ist.
--- Lässt sich mit anderen "Anno Domini" Spielboxen mischen, was zu längerem Spielspass führt.
--- Nebenbei werden Geschichtskenntnisse vermittelt (, aber s. u.).
--- Teils interessante Anekdoten, die zu allgemeiner Heiterkeit am Tisch führen
--- Zu meiner Überraschung fand auch meine Tochter (damals 10) Gefallen an dem Spiel. Kinder sollten es aber m. E. nur gemeinsam mit Erwachsenen spielen, deren Aufgabe dabei hauptsächlich geduldige Lenkung und Motivierung ist.
Nachteile:
--- Die Anmerkungen auf der Kartenrückseite sind leider wegen des beschränkten Platzes sehr dürftig geraten, beschränken sich häufig sogar nur auf die Jahreszahl.
--- Bei vielen Spielern braucht man trotz der geringen Kartengröße einen ziemlich großen Tisch zum auslegen der Kartenreihe.
--- Wegen der geringen Kartengröße ist es dann nur den Mittig sitzenden möglich nach dem herumdrehen alle Karten zu lesen.
--- Leider musste ich zwei der Karten wegen falscher Datierung wegwerfen.
--- Innerhalb der Spieler sollte kein zu großes Bildungsgefälle bestehen, da ein großer Teil der Fragen annährend korrekt nur mit Geschichtswissen oder zumindest guter Allgemeinbildung zu beantworten ist.