Nach dem Belinda Carlisle auf dem Vorgängeralbum "Real" (1993) im Alternative Rock Genre fast ausschließlich Eigenkompositionen zum Besten gab, mit denen sie zwar die Kritiker hoch erfreute, aber nicht in den internationalen Charts überzeugte, schließt sie auf diesem 1996er Album "A Woman & A Man" eher an ihre hymnischen Poprocksongs von Ende der 80er Jahre an. Das bedeutet aber keinesfalls einen stilistischen Rückwärtsgang, sondern die perfekte Mischung aus dem hymnischen Charakter und der Hitqualität aus alten Zeiten verknüpft mit einem erwachseneren, weiterentwickelten und auch abwechslungsreicherem Sound. Dabei ist unter Anderem auch Produzent Rick Nowels wieder mit von der Partie, der ja bereits Belindas große Hits Ender der 80er und Anfang der 90er betreute.
Er komponierte auch den Opener des Albums, "In too deep", eine unwiderstehliche Midtempohymne in einem Soundgewand aus Piano, Gitarren und Mandolinen. Neben Rick Nowels lesen sich auch die weiteren Mitwirkenden an diesem Album wie ein Gästebuch des "Who is Who" der Popmusik: Der Ex-Beach Boys Sänger Brian Wilson, die Bangles Frontfrau Susanna Hoffs und der Roxette Gitarrist und Sänger Per Gessle komponierten nicht nur weitere Songs, sondern waren auch im Backgroundchor zu hören.
So stammt die energiegeladene Powerpopnummer "Always breaking my heart" mit krachenden Gitarren so unverkennbar aus der Feder von Gessle, dass man ihn sich auch als Roxette Hit hätte vorstellen können, was Belindas Interpretation aber keinesfalls in den Schatten stellen soll. Wie schon auf sämtlichen Vorgängeralben schrieb Belinda auch für dieses Album einen Song mit Charlotte Caffey, ihrer Freundin und Bandkollegin aus den "Go-Go's" Zeiten. "Kneel at your feet" heißt die ungewöhnlich arrangierte Ballade, die eine sehr dichte Atmosphäre schafft.
Etwas mystisch und dunkel kommt "Remember September" daher, Rockelemente stecken dann eher in der folgenden Nummer "Listen to love". Herausragend ist des weiteren der Song "California", der sehr bassbetont ist und statt des typischen E-Gitarrensounds eher das Keyboard im Vordergrund hat. Noch dazu ist es textlich die authentischste Nummer des Albums, da Belinda kritisch über ihr gerade erst verlassenes Heimatland Kalifornien referiert. Die weiteren Nummern sind eher ruhig gehalten, so die basslastige Gänsehautballade "Love doesn't live here", dann "He Goes on", eine softe Popnummer mit einem Schuss Country und schließlich der Abschlusssong "My Heart goes out to you", eine fast schon akustische Ballade, die ganz den charismatischen Gesang von Belinda Carlisle in den Vordergrund hebt.
Insgesamt ist mit "A Woman & A Man" ein sehr abwechslungsreiches Album entstanden, dass zwar nicht mehr durchweg die Ohrwurmqualitäten der früheren Alben hat, dafür aber durch die Produzentenvielfalt auch mehr Abwechslung bietet.