Warum existiert noch keine Rezension hierzu ? Dann werde ich wohl den Anfang machen müssen:
Nektar klingen wie eine härtere Variante von Pink Floyd. Oft
wurden ihre Alben dem Genre des psychedelischen Space Rock zugeordnet. A TAB IN THE OCEAN (dt."EINE SCHLEIFE IM OZEAN"; welch herrlich surrealer Titel) ist meines Erachtens nach ihr bestes Werk, denn es ist eher ProgRock mit starken Jazz- aber auch HeavyRock-Einflüssen. Das rhythmische Grundgerüst ihrer Songs ist für den ProgRock ungewöhnlich flüssig und stringent, nicht so "zerklüftet" und exotisch wie beispielsweise Yes. Im Gegensatz zu Yes wird der Anteil an klassischer Musik eher klein gehalten, dafür sind hier allerdings auch Funk- und Blueseinflüsse herauszuhören, was für das Genre des ProgRocks doch eher ungewöhnlich ist. Nektar zählen daher zu den am leichtesten zugänglichen ProgRock-Bands. A TAB IN THE OCEAN ist ein Meisterstück aus dem Lehrbuch. Die Texte und das Coverartwork sind in der Tat psychedelisch, die Songs sind lang und voller ausladender Solopassagen für Hammondorgel und E-Gitarre. Synthesiser und Mellotron werden kaum verwendet, dafür klingen die Gitarrenpassagen ungewöhnlich stark nach Iron Maiden. Kein Wunder, dass Maiden den Song KING OF TWILIGHT auf ihrer 1984er Hitsingle ACES HIGH coverten, denn er ist für sie zurechtgeschnitten. Von den fünf Songs am gelungensten finde ich u.a. DESOLATION VALLEY mit seinem bluesigem Grundtenor, aber auch WAVES und das besagte, treibende KING OF TWILIGHT. Leichte Einflüsse von Emerson, Lake & Palmer sind hier auch herauszuhören, insbesondere in den Orgelpassagen und dem Gesang, der verdächtig nach Greg Lake klingt. Bei dem späteren Werk REMEMBER THE FUTURE sollte der Blues- und Funkanteil noch ansteigen, was NEKTAR dann endgültig von allen anderen ProgRock-Formationen unterschied. An Yes reichen sie nur knapp heran, doch NEKTAR sind für mich vor allem wegen A TAB IN THE OCEAN die besseren Pink Floyd. Daher erteile ich für dieses gelungene und abwechslungsreiche Album den KAUFBEFEHL ! CHEERS!