Schön, dass das Warp-Label in Zeiten zunehmender musikalischer Einfallslosigkeit kreativen Wanderern vom Schlage eines Gonjasufi alias Sumach Ecks mit einer gesunden Portion Mut zum Experiment künstlerisches Asyl gewährt. Der etwas abgedrehte Yogalehrer aus der Mojave-Desert begibt sich auf "A Sufi & A Killer" mitsamt seinen Dreadlocks auf eine akustische Expedition, die sich abseits ausgetretener Pfade vollzieht und in unentdeckte Landschaften führt, die noch nie zuvor von eines Menschen Fuß betreten worden sind. Sagenumwobene Legenden der kalifornischen Wüste lässt er in seiner typisch beschwörenden Art mit einer mysteriösen Note auf diesem Werk auferstehen. Eine gewisse Stillosigkeit, die an der Grenze zur Überladung alle Korsette sprengt, wird es Schubladendenkern schwer machen, seine Musik in vorgefertigte Genre-Kategorien zu pressen. Archaisch anmutende, mystische Klänge verbindet er in einer zauberhaften Melange mit Elementen von verschleppten Electro-Hop-Beats, Psychedelic Folk, Weirdo-Pop, Verve-Dub-Jazz, Soul, Funk, übersteuerten Desert-Blues und afrikanischen Ritualgesängen. Angereichert wird dieser Mix mit mythischen Ethno-Motiven und Soundtrackfragmenten aus 60er-Jahre-Filmen. Das krautige Intro hat noch etwas von einer zugedröhnten Kifferhymne, die direkt von einer Animal Collective-Platte stammen könnte. Mit "Kobwebz" folgt dann aber schon eine diffus wabernde Downbeat-Nummer, deren brütend heißen, meditierenden Charme man sich kaum entziehen kann. Siedende Wüstenhitze ist auf "Kowboyz & Indians" zu spüren, das mit einem einzigartigen rhythmischen Groove unterlegt wird. Schweißtreibende Funky-Sounds gibt es auf "Candylane" zu hören. Ungeahnte Elevationsgefühle entfaltet das hitverdächtige "She Gone". Der smoothe Soul von "Change" bringt Entschleunigung und bietet eine dankbare Gelegenheit für eine kurze Atempause, während mit "Suzie Q" kurze Zeit zuvor eine richtig dreckige Punkorgie für vollkommene Orientierungslosigkeit beim Hörer sorgt. Fast alle Stücke machen einen bewusst erzeugten unfertigen Eindruck. Sie werden ähnlich wie Probeskizzen kurz angerissen und dann wieder verworfen. Unterlegt werden die einzelnen Tracks mit Wänden aus LA-typischem Zero-Fi-Noise. Der gesamte Album-Zyklus wirkt beim ersten Hinhören etwas inhomogen. Die einzelnen Tracks quillen in ihrer Vielfältigkeit vor Ideen fast über. Manche Hörer werden aufgrund der hohen Diversität der Stücke einen roten Faden vermissen, der allerdings in der Stimme Gonjasufis zu finden ist, die trotz ihrer Unvollkommenheit sehr charakteristisch ist. In seiner vollen prosperierenden Pracht wirkt das Album wie ein grenzenloser universaler Headtrip, bei dem jede einzelne Facette durch die Produktion von The Gaslamp Killer und Flying Lotus zu einem durchdacht konstruierten organischen Gerüst verschmolzen wird und den Sog in eine hypnotisierende experimentelle Schattenwelt entfacht, welche den Relikten reanimierter Musik mit einem modernen Anstrich neues Leben einhaucht.