Die Geschichte besteht aus drei Teilen; zuerst lernen Sherlock Holmes und Watson einander kennen und werden mit Holmes erstem Fall betraut, der einige Rätsel birgt, anschließend erfolgt die Rückblende zu den eine Generation zurückliegenden Ereignissen in Utah, die scheinbar nichts mit der blutigen Realität in London zu tun haben, und am Ende erläutert Holmes, wie er den Täter gefunden hat.
"A Study in Scarlet" ist zweifellos eine skurrile Geschichte, die vielleicht ein bisschen konstruiert wirkt, jedoch durch die Dramaturgie fesselt. Religiöser Terror und repressive Regimes allgemein dürften modernen Lesern sehr präsent sein, und dieses Buch thematisiert nichts anderes, fallen doch Lucy Ferrier und ihr Adoptivvater genau dieser politischen Ausrichtung zum Opfer.
Niemand kann die Auflösung erraten, man muss sich als Leser beziehungsweise Hörer überraschen lassen. Am Ende wird der Leser und Hörer zwar nicht unbedingt zum Befürworter der Lynchjustiz, dürfte aber verstehen, dass es zwischen Recht und Unrecht manchmal eine nicht unbeträchtliche Grauzone gibt, vor allem aus moralischer Sicht.
Derek Partridge spricht den Text trotz der enormen Länge so gut und abwechslungsreich, dass der Hörer sich nicht langweilt. Der Sprecher schlüpft bei direkter Rede in die Rollen und imitiert schon einmal Cockney-Englisch oder Amerikanisch. Grundsätzlich spricht Partridge gepflegtes "British English"; nichts anderes würde man bei Sherlock Holmes vermuten.
Die vorliegende ungekürzte Ausgabe in der Originalsprache enthält manchmal im Grunde unnötige Längen aus dem Urtext, an den man eventuell das Lektorat hätte ansetzen können. Wirklich langweilig wird das Buch jedoch nicht, auch nicht an emotionsbeladenen Stellen. Im Gegenteil, der Sprecher gestaltet das Hörbuch sehr spannend. Was englische Aussprache und Satzmelodie betrifft, so kann man als Fremdsprachler von Partridge viel lernen. Wer lieber liest, kann sich die PDF-Datei zum Buch vornehmen und alles Notwendige auslesen. Verweise auf die jeweiligen CD-Tracks, die im Übrigen immer nur kurze Spannen umfassen und daher ein "Blättern" ermöglichen, existieren ebenfalls. Übrigens handelt es sich um ein Hörbuch im MP3-Format.
Dieses Hörbuch gehört zu den großen Krimiklassikern, und das zu Recht. Die vorliegende Hörbuchfassung macht nicht nur mit der Betonung und Satzmelodie des Mutterspachlers vertraut, sondern gibt auch weniger Sprachbegabten die Möglichkeit, einen anspruchsvollen Originaltext gut zu verstehen und die Sprache zu vertiefen.