Hier haben wir mal einen Irving mit Anlauf-Schwierigkeiten: ungefähr das erste Viertel des Buches kommt überhaupt nicht in die Gänge. Kein Vergleich mit z. B. "Widow for a year", das ich einfach nur verschlungen habe. Aber wenn man den Anfang, in dem alle Hauptfiguren irgendwie nur so vor sich hin dümpeln, überstanden hat, wird das Buch plötzlich richtig, richtig gut. Es werden allmählich die Zusammenhänge deutlich, Handlungsstränge werden zusammengeführt, und Lesen macht auf einmal wieder richtig Spaß, weil Irving phantasiemäßig wieder mal aus den Vollen schöpft.
Aber kaum hat man sich über diese Wendung gefreut, da flacht das Buch auch schon wieder ab- die Handlung döst wieder völlig orientierungslos vor sich hin, und es gibt für das vorherrschende Gefühl nur ein Wort: Langeweile. Zumindest bei mir. Und zwar bis zum Ende, das zwar wieder etwas unterhaltsamer wird, aber den Gesamteindruck des Buches nicht mehr retten kann. Schade, schade, schade.
Noch ein Wort zu Irving's Darstellung von Indien: ich habe von Indien zugegebenermaßen gar keine Ahnung. Aber ich weiß mittlerweile, daß keiner von Irving's Charakteren ein Durchschnittsmensch ist; sie sind alle verschroben und/oder exzentrisch- oder würde irgendjemand Garp oder Owen Meany als Vorzeigeamerikaner sehen? Insofern denke ich mir: nicht alles so eng sehen. Irving hat mit Sicherheit nicht den Anspruch, ein Land detailgetreu darzustellen, wahrscheinlich brauchte er einfach nur einen Hintergrund für die bunte und phantasievolle Geschichte, die ihm vorgeschwebt hatte.