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Der Solitary Man, wie Jonathan Jeremiah sich selbst betitelt, macht seinem Namen alle Ehre. Wie aus dem Nichts taucht dieser Mann auf und singt wie ein großer als wären die letzten 40 Jahre nicht vergangen. Neben seiner wie schweizer Schokolade schmelzenden Baritonstimme hat er Streicher im Schlepptau, die die Gehörgänge ähnlich gut ölen wie Brillantine die Frisuren seiner Vorbilder. Dort wo klangliche Geschmeidigkeit noch nicht in letzter Vollendung erreicht ist, schleichen die zartesten Bläser um die Ecke, die die Unterhaltungskunst seit langem hervorgebracht hat und geben den Harmonien den endgültigen Gleitfaktor direkt in den Schmelztiegel der Gefühle.
Es geht nicht umhin, als an die großen strahlenden Unterhalter der 60/70er Jahre zu denken, Bilder geleckter Typen in körpernahen Glitzeranzügen kommen wieder hoch und haften auch über die gut 37 Minuten Zeitreise hinaus, auf die das Album entführt.
Ohne die Bilder zerstören zu wollen - aber das Coverbild drängt es ja auf - haben wir es hier natürlich nicht mit dem reiferen Brillantine-Polyester-Mann zu tun, vielmehr mit einem jungen Typen, der natürlich den einsamen Wolf mimt, dabei aber auf dem Weg dahin, irgendwo zwischen Jesus und Cowboy, bei einem begossenen großen Pudel mit den dazu passenden treuen Hundeaugen stehengeblieben ist. Großartig. So süß für die Damenwelt, aber derb genug, dass sich echte Männer an der Kasse nicht wortlos schämen oder jedem in der Schlange aufdrängen müssen, die Platte für die Freundin zu kaufen ...
Für klangliche Vergleiche, die immer unheilvoll sind, sich hier aber aufdrängen, muss nur in die Plattenkiste der Eltern gegriffen werden, die der kleine Jeremiah bereits als sechsjähriger, hoch und runter hörte, als er mit dem Gitarrenspiel begann. Darin müssen sich Scheiben von Tom Jones, Burt Bacharach, den Walkers, Bill Withers, Cat Stevens, Al Green, Marvin Gaye und vielen anderen befunden haben. Zu betonen ist allerdings, das Jeremiah keinen der genannten auch nur ansatzweise kopiert. Seine Stimme hat schon etwas einzigartiges. Das Volumen und auch die Standfestigkeit vom Tom erreicht sie mitnichten, aber ein wenig das Timbre und beim Vergleich mit Marvin ist seine Stimme schon von der Lage her erheblich voller, hier geht der Vergleich auch eher in Richtung des musikalischen Begleitwerks.
Freilich kommt bei einer Sache, die so rund ist wie diese Produktion, und damit ist weniger das Speichermidium als sein Inhalt gemeint, schnell der Eindruck auf, hier war ein alter Hase am Werk. Da dies aber nun mal nicht so ist und da er auch noch das Album so ziemlich im Alleingang aufnahm (abgesehen von den Anteilen des londoner "The Heritage Orchestra"), wird schnell klar, was für ein Liebhaber Herr Jeremiah sein muss. Wie er in Interviews eindrucksvoll erzählt, musste er sich jede Kleinigkeit, wie beispielsweise das passende Mikrofon zu jedem Instrument, Schritt für Schritt über fast zehn Jahre erarbeiten.
Das ist es letztlich auch, was das Album ausmacht. Hier stimmt so ziemlich jeder Ton und trotzdem erstickt nicht todernster Ehrgeiz und künstlerischer Anspruch den Spaß an der Unterhaltung. Dementsprechend überdurchschnittlich ist auch die Klangqualität der Produktion insgesamt gelungen.
Der einzige Kritikpunkt könnte sein, dass bei all der Arbeit die in Instrumentierung, Aufnahme und Abmischung steckt, vielleicht der Gesang auch noch hier und da ein klein wenig Übung hätte vertragen können. Nach dem ersten Hören bleibt daher auch für einen kurzen Moment die Frage im Raum, wieviel Ironie der Künstler denn da vielleicht doch unter der scheinbar so sauberen perfekten Oberfläche versteckt. Kurze Erinnerungen an einen Adam Green werden wach. - Aber der Mann ist jung und die Sicherheit in der Stimme wird im Zuge einer vielversprechenden Karriere, die gerade erst begonnen hat, reifen. Vielleicht wird er dann sogar so mutig, die Instrumente klanglich hier und da etwas zu brechen, denn so schön das Album ist, noch viele solcher Schmalztuben verträgt ein gut sortiertes Plattenregal auf die Dauer nicht.
Ein in mancher Hinsicht vielversprechendes Debüt.