Dieses Album zählt trotz seines mäßigen Erfolges zu meinen absoluten Top-Favoriten von Elton John. Nicht zuletzt deswegen, weil es die typische Endsiebziger-Athmosphäre verbreitet, die für Elton John damals nicht immer typisch war. Kein Album ist so ähnlich wie dieses, was wohl auch daran liegen mag, dass die Texte diesmal nicht aus der Feder von Bernie Taupin stammen, sondern überwiegend von Gary Osborne. Diese Abwechslung tat Elton aber später hörbar gut. Der Opener "Shine On Through" geht sogleich richtig ins Ohr und ist für mich eine Ballade zum Dahinschmelzen. Eltons Klavier-Einleitung ist mehr als typisch, hier zeigt er, was er am besten kann. "Return To Paradise" ist eine hinreißende, träumerische Klangmalerei von urlaubserweckenden Gefühlen auf der Karibik. "I Don't Care" geht schon wieder flotter zur Sache und verführt zu einer Tanz-Party. "Big Dipper" ist wohl Geschmackssache und für mich eher nicht der Renner. Es wirkt vergleichsweise langweilig, und das anschließende "It Ain't Gonna Be Easy" zieht sich unnötig in die Länge. Mit über acht Minuten fällt es deutlich aus dem Rahmen. An sich gut aufgebaut, verfällt es allmählich ebenfalls in Langeweile. Dafür entschädigt allerdings der nachfolgende Song "Part-Time Love", welcher ja auch ein riesen Hit war und ist. Bei dem Song wird es auch weniger eingefleischte Elton-Fans nicht mehr auf den Stühlen halten... einfach köstlich. "Georgia" ist auch wieder ganz nach meinem Geschmack, eine typische Elton-Ballade, die sich in der Manier von "Border Song" (1970) ruhig aufbaut, immer kräftiger wird und im Refrain von Gesangschören begleitet wird. Ein kleines Meisterwerk. "Shooting Star" ist ein weiters heimliches Filetstück auf dieser Platte. Es ist kurz und knapp gehalten, aber dennoch sehr ruhig und langsam. Ein wahrer Genuss, sehr zum Entspannen nach einem harten Tag geeignet. "Madness" ist ein komplexer und gewaltiger Song, der die Welt mit ihrem Wahnsinn anklagt. Eindringliche Lyrik, eindringlicher Gesang... aber Elton jammert mir wieder mal etwas zu nervig bei diesem Lied, und es klingt teilweise so, als würde man einer Katze auf den Schwanz treten. :-) Wer davon absieht, wird mit dem Song dennoch seine Freude finden. "Reverie" ist ein sehr sehr kurzes Klavierstück, welches von dem viel längeren "Song For Guy" fast nahtlos abgelöst wird. Es wirkt daher wie eine Einleitung zu diesem. Über "Song For Guy" muss man wohl nicht mehr viele Worte machen. Das erfolgreichste und bekannteste Instrumentalstück, das Elton je produziert hat - und das mit Recht! Die anschließenden Bonustitel unterstreichen nur noch mehr die Einzigartigkeit dieses Albums. "Ego", eine weitere Single aus dem Jahr 1978, wirkt sehr ungewöhnlich und exzentrisch - genau wie es der Sinn des Titels sein soll. Es ist der Abgesang auf die unnachgiebige Egozentrik, die in manchen Menschen vorherrscht. Sehr hörenswert und eine echte Abwechslung. "Flintstone Boy", die B-Seite von "Ego", wirkt ein wenig in der Manier von "Shooting Star" und ist daher für meinen Geschmack ein weiterer Geheimtipp. Wenn Elton im Refrain sich selbst begleitet, klingt das einfach genial, nicht nur bei diesem Song. "Mona Lisas And Mad Hatters" vom "Honky Chateau" Album war ein Paradebeispiel dafür, wie das wirkt. "I Cry At Night" (B-Seite von "Part Time Love") ist ein etwas depressiv angehauchter Song, was wohl auch an der Lyrik von Bernie liegen mag, der hier die Trennung von seiner Ehefrau verarbeiten will. "Lovesick" (B-Seite von "Song For Guy") ist ein weiterer flotter Renner, der sich als typischer Elton-Ohrwurm entpuppen könnte, wäre er als Single heraus gekommen. Es macht einfach Spaß, der unglaublichen Dynamik dieses Titels zu lauschen und sogar dazu zu tanzen. "Strangers" (B-Seite von "Victim Of Love") ist eine Ballade, die nicht sonderlich ins Ohr geht, weil der Refrain für meinen Geschmack etwas träge wirkt. Dennoch kann man als Elton-Fan auch diesem Titel die Endsiebziger-Stimmung abgewinnen, von der das gesamte Album lebt. Insgesamt verdient das Album für mich ganze vier Sterne und ist eigentlich ein Meilenstein in Eltons Karriere. Mein Tipp: Elton-Fans sollten sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Aber auch alle anderen könnten ein echtes Aha-Erlebnis haben, was guten Siebziger-Pop betrifft. Kaufen!