Erstmal sollte man wohl allen Verbotsbefürwortern und Zensurfaschisten aus allen Ländern gratulieren. Gratulieren dazu, dass sie aus 'A Serbian Film' mehr gemacht haben als es eigentlich ist und verdient und letzendlich zu dessen Erfolg maßgeblich beigetragen haben.
Nach Verboten in Spanien, Norwegen, Australien und gewisserweise auch Deutschland und der Zensur in England, Amerika und anderen Ländern, dürfte dieser Film wohl DER Skandalfilm des Jahrzehnts sein. Der Pseudo-Aktivismus aller Möchtegern-Weltenverbesserer war nämlich ein klassisches Eigentor, wie es nur allzu oft in der Zensurgeschichte vorkam und auch immer vorkommen wird. Dumme Menschen lernen eben leider nie.
Wie schon Mel Gibson über seinen Film 'The Passion of the Christ' sagte, die Negativ-Kritiken und die Aufschreie zur Zensur und Verboten waren die beste Werbekampagne. Und dazu noch die billigste.
Dabei geht es auch viel einfacher: Die selbsternannten Skandalfilme 'Baise-moi' und 'Killer Bitch' wurden nahezu (bis auf ein paar wenige Ausnahmen) von Zensurbehörden und solchen Aufschreiern ignoriert. Das Resultat: heute erinnert sich kaum noch jemand an diese 'Werke', auch die Absatzzahlen dürften sich in Grenzen halten.
Nun zum Film. Alle Personen die lautstark 'Kinderpornographie' rufen (auch in Reviews hier bei Amazon) haben den Film wohl noch nie gesehen ' weder in der um satte 13 Minuten verstümmelten, hier angepriesenen FSK 18 Version, noch in der um 3 ' Minuten zensierten UK-Version und schon gar nicht in der unzensierten Version ' ansonsten könnten sie wohl kaum so einen Unsinn verfassen. Hätte der Film in der Tat kinderpornographische Inhalte, wäre er in jedem nicht-islamischen Land strengstens verboten und jeder der sich damit brüstete, den Film gesehen zu haben oder zu besitzen würde sich im Gefängnis wiederfinden.
Auch wenn der Regisseur mehrfach beteuert sein Film sei eine anspruchsvolle Parabel auf Serbien, wie so viele Regiesseure meinen, ihre Schockfilme seien anspruchsvoll (Lucio Fulci und George Romero zum Beispiel), so ist dies ebenfalls total übertrieben. 'A Serbian Film' ist ein handwerklich gut gemachter aber total über-hypter kleiner Schocker, nicht mehr und auch nicht weniger. Darüber, daß ein solcher Film nicht eine so große Zielgruppe hat wie der 100. debile 'American Pie'- Clone braucht man nicht streiten. Mainstream-tauglich ist 'A Serbian Film' wohl nicht, für 'Ottonormalverbraucher' dürfte er wohl etwas zu stark zu verdauen sein. Ich persönlich fand ihn maßlos überhypt und eher weniger schockierend. Das allerdings ist eine subjektive Meinung, außerdem schwebte mir schon vor was ich zu erwarten hatte.
Für die UNZENSIERTE Version würde ich 3 Sterne von 5 vergeben, für diese vollkommen verstümmelte Fassung ist selbst ein Stern zu viel: dadurch, daß ganze Handlungsblöcke rausgeschnitten wurden, ist die Handlung gegen Ende nicht mehr nachzuvollziehen ' ein typisches Beilspiel für deutsche Zensur'kunst' ' auf Kosten des deutschen Konsumenten. Die amerikanische Version ist wohl im Moment die beste Version auf dem Markt, da sie über englische Untertitel verfügt und um lediglich ca. 30 SEKUNDEN geschnitten ist. Ebenfalls ansehbar ist die britische Version (rund 3 ' Fehlminuten, allerdings lässt sich die Handlung problemlos nachverfolgen und die Schnitte fallen gar nicht auf). Wer in den Genuß der ungekürzten Version kommen will sollte des Serbischen oder Schwedischen mächtig sein.
Zur UNZENSIERTEN Version, bzw. Amerikanischen und britischen Version (3 von 5 Sterne):
Gerade das letzte Drittel des Filmes überzeugt durch Spannung und beklemmende Atmosphäre, was zum Teil auch an den Darstellern liegt, die gerade in der Hauptrollen ziemlich überzeugend und glaubwürdig sind, aber auch an der Musik, obwohl ich normalerweise kein Fan von Elektromusik bin. Auch das schockierende Ende weiß zu gefallen. Fernab jeder Hollywood-Mainstream-Produktion bricht der Film durchaus das ein oder andere Tabu, jedoch hält sich dies in Grenzen.
Was am Ende bleibt ist ein Film, der zwar erfrischend 'anders' war, aber nicht wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ohne den Hype hätte er sich sicher in 2, 3 Monaten zu 'Baise-moi' & Co. ins Regal der Vergessenen gesellt, um dort einzustauben. Muß man diesen Film gesehen haben? Sicher nicht.