Man weiß alles über ihn, denkt man, aber viel mehr noch erfährt man erst in diesem wunderbaren Buch über ihn. Es gibt wohl keinen weltweit zur Zeit anerkannteren, wirkungsvolleren Vertreter des deutschen Films. Der sich zugleich hartnäckig ud auf zutiefst sympathische Weise weigert, zur Ikone zu erstarren. Dabei ist Wenders, und das ist das Verblüffende an SENSE OF PLACE, alles andere als ein ehrgeiziger "Filmemacher". Es gibt nichts Willkürliches an seinen Leinwandgeschichten, er ist ihnen zielsicher begegnet, hat sie aus seinen Lebenskrisen herausdestilliert, mit seiner bis heute ungebrochenen Sehnsucht nach großen, stehenden Bildern, die ihren Rahmen verlassen und sprengen, erfüllt.
SENSE OF PLACE ist viel mehr als ein Buch über Wenders. Es ist eine gekonnte Kombination von persönlichen Texten, Bekenntnissen und Gesprächen, die dem großen Stoff des Regisseurs folgen: Er erzählt bis heute von tröstlichen Überlebensräumen einer zerstörten, bereits verlassenen Zivilisation, ihren wortkargen letzten Bewohnern und ihrem ursprünglichen Drama von Verlust, Suche und Versöhnung. SENSE OF PLACE hat vielleicht einen etwas ambitiös anmutenden Titel, dahinter verbirgt sich aber ein sehr menschliches, geradezu tröstliches Dokument, das nicht nur für Cineasten und unbeirrte Wenders-Fans, sondern auch für alle Neugierigen geeignet ist, die ihn bisher als deutschen Filmtitan kaum wahrgenommen haben.