A Scarcity of Miracles (CD+DVD)
Ein neues Projekt von und mit Robert Fripp, der wie gewohnt seiner Arbeit als Gitarrist nachgeht und die Kompositionen vorrangig mit seinen typischen Soundscapes verziert.
Mit dabei Jakko M. Jaksyk (Level 42, The Lodge, 21st Century Schizoid Band). Der Allroundmusiker hat sich hier auf Gesang, Gitarre, Keyboards und Gu Zheng (eine chinesische Zither) konzentriert, ansonsten spielt er aber auch noch Bass, Piano, Saxofon, Clarinette und Flöte.
Für die Bläsersounds (Saxofon, Klarinette und Querflöte) ist auf Scarcity Mel Collins zuständig. Er war bereits Mitglied bei King Crimson und Alan Parsons Project und spielte besonders in der englischen Popmusik-Szene zusammen mit Musikern wie Peter Gabriel, Rolling Stones, Eric Clapton, Mike Batt, Eric Burdon, Roger Waters usw. Bemerkenswert: Zwischendurch war er auch jahrelang Mitglied in der Harald-Schmidt-Band.
Tony Levin an Bass und Stick ist fester Bassist bei Peter Gabriel, immer wieder bei King Crimson, spielte aber auch bei David Bowie, Pink Floyd, Seal, Paul Simon, John Lennon usw.
Gavin Harrison (von 2007 bis 2010) "best progressive drummer of the year" (Zeitschrift Modern Drummer) ist Mitglied bei Porcupine Tree und spielte mit in Formationen wie King Crimson, Blackfield, No-Man, usw.
Die fünf Musiker bescheren uns ein vorwiegend ruhiges und atmosphärisches Album. Fripp konzentriert sich auf seine Soundscapes, die sich oft mit dem Saxofon Collins überlagern. Hin und wieder ein langsames Gitarrensolo, das wars dann auch. Fripp verzichtet gänzlich auf schnelles, technisches Gitarrenspiel. Jaksyk tritt natürlich vor allem mit seinem Gesang in den Vordergrund. Seine warme Stimme ist ausdrucksstark, aber auch nur wenig variabel und klingt stets sehr kontrolliert. Wie zu erwarten liefern Levin und Harrison das passende Fundament zu der Musik. Sie musizieren stets auf hohem Niveau, ohne aber jemals aufdringlich sich in den Vordergrund zu spielen.
Neben den sphärischen Ambient-Sounds klingt die CD teilweise sehr jazzbetont. Eine neue Facette, die man sich so von Fripp und seinen Mitstreitern nicht unbedingt erwartet hätte.
Herausgekommen ist ein überzeugendes hochmusikalisches Album, dem man allenfalls ankreiden kann, dass sich die Titel mitunter zu wenig voneinander unterscheiden. Etwas mehr Abwechslung wäre wünschenswert gewesen und etwas weniger "Frippertronics". Zwischendurch kann das Soundgewaber schon mal langweilig bis nervig werden. Besonders den letzten Titel (The light of day) kann man fast als "Rausschmeisser" bezeichnen.
Die DVD bringt die Titel im 5.1 Surroundmix und im Stereomix. Außerdem findet man das Video zu A Scarcity of Miracles und zwei weitere improvisierte Bonustracks, die man aber nicht unbedingt haben will. Ist man kein 5.1 Fan, dann ist die Anschaffung der Box eher fraglich. Die normale CD reicht sicher auch.
Nachtrag vom 12.06.2011
Von King Crimson (oder dessen Querprojekten) bin ich es gewöhnt, dass die Musik bei öfterem Anhören sich immer mehr erschließt und dadurch zusätzlich gewinnt. Leider kann ich das bei dieser CD nicht bestätigen. Was schon beim anfänglichen Anhören nervt, wird auf die Dauer immer langweiliger. Die Stimmung der Titel ist einfach zu gleichförmig, der Gesang zu beliebig, Fripp zu wenig kreativ und Collins dudelt zu oft als bloße ornamentale Verzierung. Da kommt dann doch der Wunsch auf, dass Bass und Schlagzeug mehr Freiraum bekommen.
Da die CD nach so kurzer Zeit schon keinen richtigen Spass mehr macht, gibt es nun einen Punkt weniger.
Leider zu wenig Substanz und zu viel Langeweile.