Auf so einige Alben hat man sich dieses Jar aus dem Bereich Elektro-Synthi-Rock-Bereich freuen dürfen. Doch so richtig begeistern konnte dieses Jahr bisher eigentlich niemand.
Und jetzt kommen Mesh nach über drei Jahren daher, zunächst ohne Plattenfirma und wie Sie selbst sagen, war dies vielleicht der Grund, dass Sie etwas gutes, aus meiner Sicht gar grandioses, großes geschaffen haben. Mesh mußten keine Kompromisse eingehen und konnten in Ruhe die Musik machen, die Sie selbst erschaffen wollten. Ein Album, dass wie ein Mix aller Stärken der bisherigen Alben von Mesh klingt. Ohrwürmer ohne Ende, mal poppig, mal club-tauglich und richtig druckvoll. Wenn man denn Vergleiche anstellen will, dann hat man das Gefühl die Power der ersten Alben (Fragile etc.) gepaart mit der Stimmung des bisher stärksten Albums "The Point At Which.." zu erkennen. Die Stimmung des Albums ist bitter-süss, und passt sich den Herbsttagen perfekt an. Dass auch die Texte fast ausnahmslos wieder taugen und sich selten in Plattitüden verlieren, ist eine weitere Stärke Meshs und das obwohl die Thematik "Beziehungsprobleme/Ende einer Beziehung" nicht allzu viel hergibt.
Dass Mesh nur noch zu zweit weitermachen, ist der Platte an keiner Stelle anzuhören.
Los geht's mit dem Opener "If We Stay Here". Der Song ist eine Up-Tempo-Nummer, die aber äußerst druckvoll beginnt und gleich die Stärken der Band hervorhebt. Ein vermeintlicher Refrain, der den Zuhörer sofort einnimmt, bis dann plötzlich klar wird, dass dies noch gar nicht der Refrain war. Selten hab ich einen solch grandioses Stück Musik gleich zu Beginn eines Albums gehört. Auf diese Hymne darf man auf den Konzerten gespannt sein. Songwriting, dass sich von dem einfachen Strophe/Refrain-Zyklus abhebt. Textlich einer der besten Tracks. Und nach gut 5 Minuten geht das Stück zum ersten Übergangsinstrumental über. Dies erlebt man übrigens fast nach jedem Track. Sehr schön gemacht.
Danach folgt "Only Better", die erste Single. Da brauch ich nicht viel zu sagen. Gute Nummer.
Es folgt "Everything I Made", das bereits auf der Single als Club-Smasher-Remix vertreten war. Die Album Version ist nicht ganz so flott, aber hat dann sehr viel mehr Mesh-Seele. Wer sich in diesen Song als Synthipop-Fan nicht verliebt, dem ist nicht mehr zu helfen. Da kann man nur die Repeat-Taste drücken. Absolutes Suchtpotenzial. Und wieder mal ein grandioser Text!! Irgendwie typisch für Mesh, dass Sie einen Song, der großes Potenzial als Single hätte, als B-Seite veröffentlichen (z.B. "From This Height")
"Is It So Hard" erinnert mich dann von den Sounds extrem an "The Point At Which It Falls Apart", zumindest was die Strophen angeht. Der Refrain ist mir persönlich etwas zu glatt und poppig ausgefallen. Aber zum Verschnaufen passt der Song ganz gut.
"Hold It Together" kommt dann wieder etwas druckvoller daher und überrascht mit einer Stimme von Sänger Mark (in der Strophe), wie ich sie bisher nicht gehört habe. Klingt irgendwie etwas erkältet, nasal, aber nicht schlecht. Guter Song, wäre eine gute B-Seite.
"It's Gone" ist eine Up-Tempo-Ballade, die textlich etwas abfällt von den anderen Songs. Ansonsten gut arrangierter Track, der sicher den Damen gut gefallen wird. Schöne Melodie...
Mit "How Long" geht's dann wieder in Richtung absolute Spitzenklasse. Eine absolute Partynummer, die einen nicht still sitzen läßt, einen zum mitsingen annimiert und auf Konzerten begeistern wird. Da vergißt man gerne mal, dass der Text herrlich kontrovers zur Musik steht. Nach knapp 5 Minuten dann das fast obligatorische Outro.
Wer glaubt, danach wäre Zeit, zu verschnaufen, irrt. Sogleich wird man von "Who Says" attackiert, der gar nicht so druckvoll beginnt, dann aber mit Hilfe der Gitarren richtig Power entwickelt, obwohl er eher Midtempo ist. Erstmalig bedienen sich Mesh auch eines Gastsängers, genauer gesagt, einer Gastsängerin, Julia Beyer. Textlich wirken die Strophen etwas einfallslos, obwohl gerade bei der Theamtik gerade dies gewollt sein mag. Mark und Julia besingen jeweils abwechselnd dasselbe. Der Refrain widerrum kann überzeugen. Gehört insgesamt auch klar zu meinen Favouriten. Der Song war übrigens auch schon auf einem Sampler als Remix vertreten.
Puhh, noch sind wir nicht durch. "Hopes.Dreams" heißt das nächste Stück. Wieder mal Uptempo, aber das Stück hat es in sich. Der Mix aus Synth, Gitarren und Drums schafft ein Werk, das richtig rockt (natürlich nicht im eigentlichen Sinne). Klasse!
Nach dem Outro folgt der Endspurt. "Want You" beginnt jazzig entspannt, mit leicht schräger Melodie. Sounds klingen wieder sehr nach "The Point At Which...". Vielleicht die einzige richtige Ballade des Albums. Ist nicht ganz so mein Fall. Musikalisch ein wenig langweilig.
Zum Schluß gibt es das bittere Ende "The Bitter End" das sich aber Gott sei Dank nicht als solches erweist. Der Beginn läßt einen vermuten, es folge ein Techno-Track. Aber das bleibt einem erspart, auch wenn noch ein letztes Mal das Tempo richtig angezogen wird. Treibende Beats, Synths und Gitarren verschmelzen zu einem Club-Smasher per Excellance. einfach gestrickter Song, aber genial zum abtanzen.
Dann ist Schluß und es bleibt nur ein Gedanke...sofort noch einmal von Beginn an die Platte zu hören. Für alle die Mesh kennen, ein Muss und all diejenigen, die Mesh noch nicht kennen, aber elektronische Musik mögen, sei angeraten, das Album mal anzuhören. Ein chart-Einstieg wird Mesh sicher sein, mehr leider auch nicht. Und dies wirklich zu Unrecht!! Kaum eine Band schafft es so perfekt eingängig und doch Indie zu sein.