"Jethro Tull" waren immer relativ vielseitig und Anderson hat es verstanden immer die eine oder andere Seite der Band bis ins Extrem herauszufordern. Mit "A Passion Play" aus dem Jahre 1973 erleben wir den exzessiven Höhepunkt der komplexen Progressiv-Rock-Phase der Band. Nach dem allseits als genial anerkannten "Thick as a brick", ebenfalls einem sehr komplexen, aber im Vergleich noch eingängigen, Progressiv-Rock Album, nun der Exzess. "A Passion Play" ist sehr pompös, mit Hörspiel-Passagen bestückt, mit jazzigen Ausbrüchen, die man von Tull so nie mehr gehört hat, komplex, voller Rhythmus- und Tempowechsel...und deshalb das Meisterwerk der komplex-progressiven Seite der Band.
Natürlich fehlen Andersons eindringlicher Gesang, sein intensives Flötenspiel und die akustisch getragenen, leiseren Töne auch auf "A Passion Play" nicht - aber alles in allem würde ich das Album doch nur den wirklichen Proggies da draußen empfehlen. Für die wird es, wie für mich auch, wohl immer ein geniales Stück Musik bleiben. Nicht zuletzt hört man auf "A Passion Play" wer, neben den anderen Ur-Vätern, den Prog auf den Weg geschickt hat. Jeder aber, der mehr die eingängige, leichter verdauliche Folk-Rock Seite der Band bevorzugt, sollte sich vielleicht eher an spätere Veröffentlichungen halten.
Die einzige Kritik, die man üben könnte, beträfe vielleicht die Tatsache, dass Anderson kein angemessenes Ende des Ganzen findet. "A Passion Play" endet irgendwie mitten drin...wenn man es nur einmal hört. Beginnt man das Ganze aber wieder von neuem, dann verflüchtigt sich dieser Eindruck und man entdeckt, dass es sich um einen Endlos-Track handelt, für den das Ende nur eine kurzer Kunstpause bedeutete. Ein Moment der Stille der im Prinzip genauso zur Komposition gehört, wie alles andere.
Also: Ran an dieses zeitlose Kunstwerk!
5 Sterne!