Ein Grisham-Roman einmal ohne Anwälte, Staatsanwälte und Richter, nicht aber ohne Leichen! Luke Chandler, ein sieben Jahre altes Kind einer armen Farmer-Familie, schildert einen Spätsommer, anfangs 50er Jahre im ländlichen und rückständigen Arkansas, wo der Autor ebenfalls aufgewachsen ist. Die Baumwoll-Ernte steht vor der Tür und deren Erfolg oder Misserfolg entscheidet über das finanzielle Wohlergehen der Farmerfamilie während eines ganzen Jahres. Der kleine Luke beobachtet das Zusammenleben seiner Familie mit den eingestellten mexikanischen Hilfsarbeitern und den Erntearbeitern der "Hill-People". Diese Symbiose ist konfliktträchtig und es geschieht vieles im verschlafenen Black Oak, das den kleinen Luke in schwere Gewissensnöte versetzt; denn seine Welt ist auf den Hof mit dem ungetünchten Farmerhaus und dem Radio beschränkt, wo er die Live-Übertragungen der Baseball-Spiele seiner "Cardinals" mithört.
Grisham spricht durch Luke im Ich-Erzähler-Stil, was zuweilen vergessen lässt, dass der Junge erst sieben ist. Luke sieht Hank, einen gewalttätigen Erntearbeiter, der im Streit einen dorfbekannten Ganoven tötet, beobachtet Hanks halbwüchsige Schwester beim Nackt-Baden und erlebt zusammen mit ihr hautnah, wie ein Nachbarsmädchen ein Kind zur Welt bringt, das sein Onkel, der in Korea kämpft, gezeugt haben soll. Es stürzt so viel Fremdes und Beklemmendes auf den siebenjährigen Luke ein, das er fast daran zerbricht.
Grisham lässt uns an den Leiden, aber auch den Freuden des Luke, durch den er als Ich-Erzähler spricht, unmittelbar teilhaben. Dabei wirkt er allerdings oft so altklug, dass es einem schwer fällt zu glauben, hier spreche ein siebenjähriges Kind. Aber auch andere Personen, bis auf Lukes Eltern, die erstaunlich konturlos bleiben, sind farbig geschildert. Ein buntes Kaleidoskop der bigotten Welt einer kleinen Baptistengemeinde im mittleren Westen der USA! Während diese heile Welt bleibt und das Familienoberhaupt, Lukes Grossvater (Pappy) um die Ernte und die Farm kämpft, zerbricht die Familie. Luke sieht in einem der vereinzelten Fernseher im Dorf zum ersten Mal ein richtiges Baseball-Spiel. Das ist eine Schlüsselszene. Was er erfahren hat, hat ihn einerseits überfordert und andererseits gereift. Er wird sein Leben nicht als Farmer im rückständigen Arkansas führen.
Das Buch erreicht nicht die Spannung und Dichte der besten Action-Romane Grishams, aber lohnenswert ist es allemal, den Autor einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.