... und sie sind so stark wie sie es seit dem Ausstieg ihres ersten Sängers Jan Barnett nicht mehr waren. Nach den völlig ungerechtfertigten Verrissen in den zwei führenden Genre Magazinen, kann ich nicht anders und muss hier mal meinen Senf dazugeben. Die dortigen Redakteure scheinen Tomaten auf den Ohren zu haben, denn nach angeblichem süßlichen Gesangsmelodien sucht man auf A New Beginning vergebens. Im Gegenteil die CD ist stellenweise ziemlich hart ausgefallen. Hier wird eindeutig erstklassiger Powermetal der Hamburger Schule prakiziert, der mit einem enormen Rockanteil à la Accept bzw. UDO garniert ist. Allerdings wären Rough Silk auch nicht Rough Silk wenn zu diesen Einflüssen nicht auch noch die progressiven Keyboardelemente des Bandchefs Ferdy Doernberg hinzukommen würden.
Dies alles ergibt ein in sich homogenes Gesamtkunstwerk, dass zu 95% mehr als überzeugen kann. Da Doernberg als einziger von der orginalen Band übrig geblieben ist und auf A New Beginning drei junge Musiker um sich geschart hat, kann man bei der neuen Rough Silk ja fast von einem Debütwerk einer neuen Band sprechen. Und dafür klingt die CD einfach nur hochprofessionel und alles andere als nach einem lauen Aufguß der alten Meisterwerke. Nicht ohne Grund hat man in den neunzigern Rough Silk als die Band Queen des Metal abgefeiert.
Gut, Doernberg singt nun selbst, und er hat auf jeden Fall nicht das gleiche Stimmvolumen wie sein Ausnahmesänger Jan Barnett. Aber dennoch vollbringt Doernberg hier eine ziemlich ordentliche Gesamtleistung. Besonders die klaren Vocalparts wissen zu überzeugen und wenn man seine Stimme mit der 2003er Veröffentlichung vergleicht, kann man ihm attestieren, dass er seine Stimme enorm weiter entwickelt hat. Er klingt jedenfalls nicht, wie einer der unzähligen Kiske Klone, die krampfhaft versuchen, 4 Oktaven wie ihr Vorbild zu singen, und schon nach der zweiten Oktave die ersten Gläser zerspringen, grins.
Zu den Songs: Schon der Opener Temple of Evil macht deutlich wohin die Reise geht: melodischer Powermetal vom Feinsten wird hier dargeboten. Besonders der Mitgröhl komplatible Refrain und das relativ lange Solo lassen das Lied zu einem Schmankerl gleich zu Beginn der CD werden. Mit Home is where the Pain is folgt ein Midtemporockstampfer, der stellenweise atark an Accept bzw. UDO erinnert. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der nächste Song, wobei der Refrain ein absoluter Ohrwurm ist. Spätestens bei Lied 4 wid klar das Rough Silk zurück sind. Der Song beginnt ruhig und Doernberg wird lediglich von seinem Keyboard begleitet, und im nächsten Augenblick mutiert das Lied zu einem doomlastigen Metalstampfer. Dieses Lied unterstreicht einmal mehr für was Rough Silk bekannt geworden sind, rauhe Metal Parts treffen auf seidige Melodiebögen. Mit When the circus is coming to town folgt ein weiterer Keyboardlastiger Midtemporocksong. Sierra Madra beginnt dann mit einer spanischen Gitarre und epischen Keyboardflächen, der Refrain ist ein typischer Rough Silk Ohrwurm. Bei dem Titelsong überrascht uns Ferdy mit New Metal mäßigen Gesangslinien, nur um im Refrain erneut zu den melodischen Trademarks zurückzufinden. Warpaint erinnert dann besonders im Refrain stark an die Hamburger Powermetal Veteranen Gamma Ray. Episch aber nicht kitschig vorgetragener Stoff, alle Achtung. Mit Black Leather folgt ein Metal Midtempo Stampfer, der wohl mit einem Augenzwinkern in Richtung Manowar entstanden ist. Bei We´ve got a file on you lassen sich Doernbergs Liebe zu Punkrock heraushören. Dennoch enthällt dieser punklastige Song genug melodiöse Elemente um nicht aus der Reihe zu tanzen. Bei Deadline hat man schliesslich endgültig das Gefühl das Udo Dirkschneider stellenweise den Leadgesang übernommen hätte. Alle Achtung Ferdy, stolze Leistung. Mit We all need something to hold on to in this life folgt dann noch eine Mitsingkompatible Halbballade, bevor mit dem Gedächtnissong für den Ur Rough Silk Gitarristen Hilmer Staacke ein klasse Metal Album ruhig und bedächtig seinen Ausklang findet.
Zusammenfassend kann man hier jedem Powermetal Fan der Marke Savatage, Gamma Ray bis hin zu Accept eine klare Kaufempfehlung aussprechen.
Rough Silk sind zurück und sie sind so stark wie sie es seit Jahren nicht mehr waren.
Einen besonderen Auftritt hat übrigens auch der bekannte Konspirologen Autor Mark Brauneis. Nachdem er vor einigen Jahren dem Hamburger Kleeblatt Gamma Ray sein erstes Buch zur Verfügung gestellt hat, um daraus das Konzeptalbum No World Order zu verfassen, gibt Brauneis sein Debüt als Metalmusiker auf A New Beginning. Er singt auf A New Beginning die Chöre mit.
Mal sehen, was da die Illuminaten zu sagen, grins.