,A Momentary Lapse Of Reason' ist das erste Werk nach dem Ausstieg von Waters, bei dem Gilmour ganz auf sich selbst gestellt ist und er auch auf die kontinuierliche Unterstützung von Mitkomponist Wright verzichtet. Aufs erste Hinhören gibt es da wenig Neues: dröhnende Keyboard-Sounds, die altbekannten Akkordwechsel, Geräuscheffekte (die bei Pink Floyd so schon öfter da waren), das Thema Krieg und Zerstörung (wie in den Platten vorher). Die Gesangsmelodien klingen nichtssagend und einfallslos, der Rote Faden (der offenbar vorhanden ist) ist nicht wirklich greifbar. Zeichnet sich dafür wirklich der verantwortlich, der so tolle Songs wie ,Wish You Were Here' und ,Comfortably Numb' mitgeschrieben hat? In weiten Teilen klingt AMLOR nicht einmal so originell wie Gilmours Soloplatten, die ungleich erfolgloser blieben - wahrscheinlich weil dort nicht der Firmenname ,Pink Floyd' auf dem Cover stand. Für einen langjährigen Fan (wie mich) ist die Platte zunächst enttäuschend, trotz einiger toller Momente. Sicher, Gilmour spielt göttlich Gitarre, er war für viele seiner Zunft Vorbild in Reduktion, Sensibilität und Ausdruck - doch kann das reichen?
Nachdem ich mich einigermaßen mit den kreativen Einbußen versöhnt hatte, fand ich doch noch einiges, was mir AMLOR attraktiv erscheinen ließ: die elektronische Perkussion etwa, der Ruderschlag am Anfang, der Einsatz des Vocoders in ,The New Machine'. Allerdings bleiben das alles nur Einzelheiten, die wie Zitate aus früheren Alben der Gruppe wirken. Wie eine kreative Rückschau auf die Zeit mit Waters mutet das an, nicht ohne Wehmut und das Wissen um den Verlust. Würde vielleicht noch das ,Echoes'-Tropfen auftauchen, könnte Gilmour mich davon überzeugen, dass das alles absichtlich und bewusst geschah, etwa als Resümee der Vergangenheit. So bleibt doch alles seltsam unentschieden, irgendwie leer und flach. Entsprechend muss meine Bewertung ausfallen: Ganz nett, doch es reicht irgendwie nicht.