Ich war schon seit dem überragenden "A Murder of Crows" Album ein Anhänger dieser Truppe, aber ich hätte ihnen nicht zugetraut die Qualität dieses Überwerks noch einmal zu erreichen. Schon gar nicht, nachdem der Vorgänger "The Dead Word" doch etwas geschwächelt hat. Aber Mainman Devon Graves hat sich zusammengerissen und ein Album rausgehauen, dass sich auch hinter All-Time-Klassikern der Progressive Metal Szene nicht zu verstecken braucht.
Dead Soul Tribe präsentieren sich mit "A Lullaby for the Devil" um einen ganzen Zacken härter als gewohnt. Schon der wütende Opener "Psychosphere" bläst dem Hörer einmal kräftig die Rübe um, die nachfolgenden Songs gehen zumindest passagenweise in eine ähnliche Richtung. Wütend ist ein gutes Stichwort, denn Devon Graves scheint während des Songwritings auf irgendetwas/-jemanden mächtig angefressen gewesen zu sein. Auch textlich gehen einige Songs in eine eher ungewohnt agressive Richtung (Lost in you, Here Come the Pigs). Aber keine Angst, auch der Sound, den man bisher von Dead Soul Tribe gewohnt war, taucht auf diese Album auf. Vor allem das gefühlvoll-geniale "A Stairway to Nowhere" scheint eine Art Zusammenfassung des bereits angesprochenen "A Murder of Crows"-Albums zu sein: hypnotischer Gesang, schwebende Melodien in den ruhigen Passagen, unterbrochen von kräftigen Riffs. Devon Graves Stimme windet sich mal säuselnd-betörend, mal leidend, mal schreiend durch den Song. Kurzum: es gibt mächtig Gänsehautalarm. Psychotic Waltz Freunde wird es begeistern, dass Graves Querflöte wieder häufiger erklingt und zB im sechsminütigen Instrumental "The Gossamer Strand" fast permanent im Einsatz ist.
"A Lullaby for the Devil" entführt den Hörer in eine unglaubliche Achterbahn der Gefühle, packt bereits bei den ersten Tönen des Openers zu und entlässt ihn erst mit dem letzten, titelgebenden Song wieder in die Realität. Bezaubernd, wunderschön, aber auch extrem düster und heavy ist es ausgefallen, die neueste Kreation des Musikgenies Devon Graves, ein Best Of der bisher besten Momente von Dead Soul Tribe mit einer großen Portion Neuorientierung. Einzigartigkeit wird aber nach wie vor groß geschrieben, denn die Band lässt sich nach wie vor mit keinem der gängigen Namen im Progressive Metal Zirkus (=Dream Theater, Fates Warning, ...) vergleichen. Wenn überhaupt eine Band zum Vergleich genannt werden muss, dann wäre das wohl Tool, denn mich persönlich hat seit deren letzten Album "10,000 Days" kein Album so sehr mitgerissen und das über die gesamte Spielzeit. Bis jetzt!
Ein großartiges Album eines Mannes, der schon so lange dabei ist (das erste Psychotic Waltz Album liegt auch schon 17 Jahre zurück), aber uns noch immer jederzeit überraschen kann. Mehr kann man aber von einem Musiker auch nicht erwarten, glaube ich. Ganz groß! Pflichtkauf, die Scheibe könnte sogar für Leute interessant sein, die sonst eher einen Bogen um Progressive-Sachen machen. Gefrickelt wird nämlich woanders.
Anspieltipps: Psychsphere, Here Come the Pigs, A Stairway to Nowhere und eigentlich alle anderen Tracks auch :-).