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A Long Way Down: Roman [Gebundene Ausgabe]

Nick Hornby , Clara Drechsler , Harald Hellmann
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (181 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

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Vier Menschen, vier Lebenswege, die ganz tief hinab führten. Am bitteren Ende -- und hier setzt der Roman ein -- geht es allerdings noch einmal hoch hinauf. Auf dem Dach eines Londoner Hochhauses treffen in der Silvesternacht vier Gestalten zufällig aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Was sie eint, ist der Wunsch, durch einen Sprung in die Tiefe ihrem Leben ein Ende zu setzen. Da jedoch keiner willens ist, den intimen Finalsatz unter den Augen Fremder zu vollziehen, wird der Versuch fürs erste abgebrochen. Unversehens bildet sich auf dem Dach eine skurrile Selbsterfahrungsgruppe -- und wir sind im Hornby-Land angekommen. Lesen Sie einen Textauszug.

Erzähler sind die Sprungkandidaten selbst. Martin, der populäre Frühstücksfernsehmoderator, dessen Ausflug ins Bett einer 15-Jährigen dazu führte, dass die Scheinwerfer für ihn endgültig ausgingen. Die altjüngferliche Katholikin Maureen, die beim einzigen „Fehltritt“ ihres Lebens ein Kind zur Welt brachte, dass seitdem im Wachkoma dämmert. Die rotzfreche Jess, für die der Selbstmord wegen eines Kerls einfach nur ein geiler Abgang zu sein scheint. Schließlich JJ, der Rockmusiker mit Karriereknick (in dem sich Hornby neben Maureen und ihrem kranken Kind, ein Schicksal, das der Autor teilt, wohl am deutlichsten verkörperte). Dieses Unglücksquartett dient Hornby als menschliche Jongliermasse, ein wahres Satirefeuerwerk über die letzten Fragen um Leben und (Frei)tod abzufackeln.

Der Autor zaubert alles aus dem Hut, was wir an ihm lieben: Dylan-Verse, Weisheiten von Oscar Wilde, Pop-Zitate und bitterlustiges Lifestyle-Gemäkel. Kritiker sahen darin die Crux des Romans. Der Suizid dürfe nicht Gegenstand ironischer Betrachtung werden. Tiefe Seelenqualen auszuloten, sei Hornbys Sache nicht. „Eine leichte, amüsante Lektüre, aber kaum geeignet, Licht auf das wirkliche Leid von Menschen zu werfen“, merkte ein britischer Amazon-Leser an. Hornby konterte, ein depressives Buch über Depressionen hätte wohl niemanden sonderlich angemacht. Richtig so! Kein psychiatrisches Gutachten in Romanform, kein Lebensratgeber für verdüsterte Gemüter -- und trotzdem verdammt lebensklug. Hornby besitzt eindeutig die bessere Medizin. -–Ravi Unger

Der Verlag über das Buch

Hornby at his best – Leser, freut Euch!

Über den Autor

Nick Hornby, 1957 geboren, studierte in Cambridge und arbeitete zunächst als Lehrer. Er ist Autor zahlreicher Bestseller: »High Fidelity«, verfilmt mit John Cusack und Iben Hjejle, »About a Boy«, verfilmt mit Hugh Grant, »How to be Good«, »A Long Way Down«, »Slam«, »Juliet Naked«, sowie einiger Bücher über das Lesen und die Musik. Nick Hornby lebt in London.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

MARTIN
Keine Frage, hätte sie nicht versucht, mich umzubringen, wäre ich jetzt tot. Aber wir alle haben so was wie einen Selbsterhaltungstrieb, oder? Auch wenn er anspringt, während wir gerade versuchen, uns umzubringen. Ich weiß nur, dass ich diesen Stoß im Rücken verspürte, und ich drehte mich um, packte das Geländer hinter mir und fing an zu brüllen. Zu dem Zeitpunkt war ich schon betrunken. Ich hatte eine Zeit lang immer wieder aus dem Flachmann getrunken, und auch schon ganz schön einen sitzen gehabt, bevor ich hergefahren war. (Ich weiß, ich weiß, ich hätte nicht fahren sollen. Aber ich wollte die gottverdammte Leiter nicht im Bus mitnehmen.) Und darum, ja, ich hab ihr so einiges an den Kopf geworfen. Hätte ich gewusst, dass es Maureen war, wie Maureen war, hätte ich mich wahrscheinlich etwas zurückgehalten, aber ich tat es nicht; womöglich habe ich sogar das böse F-Wort benutzt, wofür ich mich entschuldigt habe. Aber Sie müssen zugeben, es war schon eine beispiellose Situation.
Ich stand auf und drehte mich vorsichtig um, denn ich wollte nicht runterstürzen, bevor ich mich selbst dazu entschlossen hatte, und brüllte sie an, und sie glotzte nur.
»Ich kenne Sie«, sagte sie.
»Was?« Ich war nicht ganz bei der Sache. Leute treten in Restaurants, Shops, Theatern, an Tankstellen und in öffentlichen Bedürfnisanstalten in ganz England an mich heran und sagen: »Ich kenne Sie«, und sie meinen damit stets genau das Gegenteil; sie meinen: »Ich kenne Sie nicht. Aber ich habe Sie im Fernsehen gesehen.« Und dann wollen sie ein Autogramm oder darüber reden, wie Penny Chambers privat ist, im wirklichen Leben. Aber an dem Abend rechnete ich einfach nicht damit. Das erschien mir alles ein bisschen irrelevant, diese Seite meines Lebens.
»Aus dem Fernsehen.«
»Du lieber Himmel. Eigentlich wollte ich mich gerade umbringen, aber kein Problem, für ein Autogramm ist immer Zeit. Haben Sie einen Stift? Oder ein Stück Papier? Und bevor Sie fragen, sie ist ein abgefeimtes Miststück, das sich alles reinzieht und mit jedem fickt. Aber was machen Sie eigentlich hier oben?«
»Ich wollte … ich wollte auch runterspringen. Ich wollte mir Ihre Leiter borgen.«
Darauf läuft es letztendlich immer hinaus: Leitern. Na schön, nicht im Wortsinn; der Friedensprozess im Nahen Osten läuft nicht letztendlich auf Leitern hinaus und die Geldmärkte auch nicht. Aber durch meine Sendung und die Interviews habe ich gelernt, dass sich auch die größten und kompliziertesten Themen auf kleinste Kleinigkeiten reduzieren lassen, als wäre das Leben ein Airfixmodell. Ich habe gehört, dass ein religiöser Führer seine Erweckung auf einen defekten Riegel an einem Gartenschuppen zurückführte (er hatte sich als Kind für eine Nacht darin eingesperrt, und Gott stand ihm in der Finsternis bei); ich habe eine Geisel schildern hören, dass er überlebte, weil einer der Geiselnehmer so fasziniert von seiner ermäßigten Familienkarte für den Londoner Zoo war, die der Mann im Portemonnaie bei sich trug. Man will über die wichtigen Dinge reden, aber es sind die Riegel am Gartenschuppen und die Eintrittskarten für den Londoner Zoo, die einem Anknüpfungspunkte geben, ohne sie wüsste man nicht, wo man anfangen sollte. Jedenfalls nicht als Moderator von Guten Morgen mit Martin und Penny. Maureen und ich konnten nicht darüber reden, warum wir so unglücklich waren, dass wir wollten, dass unser Gehirn wie ein Milkshake von McDonald’s über den Asphalt spritzte, und deshalb redeten wir über die Leiter.
»Bedienen Sie sich.«
»Ich warte, bis Sie … Gut, ich warte.«
»Sie wollen also einfach dastehen und zugucken?«
»Nein. Natürlich nicht. Ich könnte mir denken, dass Sie gerne ungestört dabei wären.«
»Da denken Sie richtig.«
»Ich werd dahinten rüber gehen.« Sie zeigte auf die andere Seite des Daches.
»Ich rufe dann, wenn ich auf dem Weg nach unten bin.«
Ich lachte, sie jedoch nicht.
»Kommen Sie. Der Witz war nicht schlecht. Unter den gegebenen Umständen.«
»Ich vermute, ich bin nicht in der Stimmung, Mr Sharp.«
Ich glaube nicht, dass es witzig gemeint war, aber was sie sagte, brachte mich noch mehr zum lachen.
Maureen ging auf die andere Seite des Daches und setzte sich mit dem Rücken an die Mauer gelehnt hin. Ich drehte mich um und setzte mich wieder auf den Sims. Aber ich konnte mich nicht konzentrieren. Ich hatte den richtigen Moment verpasst. Sie denken wahrscheinlich, wie viel Konzentration braucht man schon, um sich vom Dach eines hohen Gebäudes zu stürzen? Tja, da wären Sie überrascht. Bevor Maureen kam, war ich vollkommen losgelöst; ich war an dem Punkt, an dem es ein Leichtes gewesen wäre, runterzuspringen. Ich war völlig auf die Gründe konzentriert, aus denen ich eigentlich dort oben war; ich verstand mit schrecklicher Klarheit, dass ich gar nicht erst zu versuchen brauchte, mein Leben da unten wieder aufzunehmen. Aber der Wortwechsel mit ihr hatte mich abgelenkt, mich wieder in die Welt zurückgeholt, in die Kälte und den Wind und den Klang der wummernden Bässe sieben Stockwerke tiefer. Ich kam nicht mehr in Stimmung; es war so, als wäre eins der Kinder genau in dem Moment wach geworden, als Cindy und ich miteinander schlafen wollten. Für mich hatte es nichts geändert, und ich wusste immer noch, dass ich es irgendwann würde tun müssen. Aber ich wusste, dass ich in den nächsten fünf Minuten nicht dazu kommen würde.
Ich rief Maureen zu: »He! Möchten Sie Plätze tauschen? Sehen, ob Sie es schaffen?« Und ich lachte wieder. Ich fühlte mich wie der geborene Komiker, betrunken und wohl auch geistig zerrüttet genug, um zu glauben, einfach alles, was ich sagte, wäre zum Brüllen komisch.
Maureen trat aus dem Schatten und näherte sich vorsichtig der Lücke im Draht.
»Ich möchte auch alleine dabei sein«, sagte sie.
»Das werden Sie. Ich gebe Ihnen zwanzig Minuten. Danach will ich meinen Platz wiederhaben.«
»Wie wollen Sie wieder zurück auf diese Seite kommen?«
Daran hatte ich nicht gedacht. Die Trittleiter funktionierte tatsächlich nur in eine Richtung: Auf meiner Seite des Gitters war nicht genug Platz, um sie auszuklappen.
»Sie müssen sie wohl festhalten.«
»Wie meinen Sie das?«
»Sie reichen sie mir oben rüber. Ich lehne sie direkt ans Gitter. Und Sie halten sie von Ihrer Seite aus.«
»Die kann ich unmöglich festhalten. Sie sind zu schwer.«
Und sie war zu leicht. Sie war klein, und sie hatte überhaupt nichts auf den Rippen. Ich fragte mich, ob sie sich vielleicht umbringen wollte, weil sie langsam und qualvoll an irgendeiner Krankheit starb.
»Dann werden Sie sich damit abfinden müssen, dass ich hier bin.«
Ich war mir sowieso nicht sicher, dass ich wieder auf die andere Seite klettern wollte. Das Gitter markierte nun eine Grenze: Vom Dach aus konnte man ins Treppenhaus und vom Treppenhaus auf die Straße und von der Straße zu Cindy und den Kindern und Tina und ihrem Dad und all dem anderen, das mich hier hochgewirbelt hatte wie eine leere Chipstüte im Sturm. Der Sims gab Sicherheit. Dort gab es keine Erniedrigung und Scham – abgesehen von dem Gefühl der Erniedrigung und Scham, das sich zwangsläufig einstellt, wenn man am letzten Tag des Jahres allein auf einem Dachsims sitzt.
»Warum können Sie nicht ums Dach herum auf die andere Seite gehen?«
»Das Gleiche gilt für Sie. Es ist meine Leiter.«
»Sie sind nicht gerade ein Gentleman.«
»Scheiße, das bin ich wahrhaftig nicht. Das ist mit einer der Gründe, warum ich hier oben bin. Lesen Sie denn keine Zeitung?«
»Ich überfliege manchmal die Lokalzeitung.«
»Und was wissen Sie über mich?«
»Sie waren immer im Fernsehen.«
»Mehr nicht?«
»Ich glaub nicht.« Sie sann einen Moment nach. »Waren Sie mit einer von Abba verheiratet?«
»Nein.«
»Oder einer anderen Sängerin?«
»Nein.«
»Ach ja. Sie mögen Pilze, das weiß ich.«
»Pilze?«
»Sagten Sie. Das weiß ich noch. Da war einer von diesen Fernsehköchen im Studio, und der hat Ihnen was zum Probieren gegeben, und Sie haben gesagt:...
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