Den meisten ist kubanische Musik seit Wim Wenders Buena Vista Social Club ein Begriff. Wer allerdings glaubt, damit einen repräsentativen Überblick über die kubanische Musikszene erhalten zu haben, ist weit gefehlt. Da sind zum Beispiel die Orishas. Man nehme das Klavier von Ruben Gonzalez, lege eine luftig leichte Rhythmus-Section darüber und füge die Rapper von Amanza, den berühmtesten Hiphoppern Kubas hinzu, und schon hat man ein Konzept, das überraschenderweise aufgeht: Kubanischer Hiphop. Damit ist die Charakterisierung der Orishas auch schon abgeschlossen, denn von Son und Rap, von Salsa und Jazz reicht die Bandbreite der Orishas. Im Gegensatz zu ihren US-amerikanischen Kollegen sind bei ihnen die vorherrschenden Themen nicht Sexismus oder Gewalt, sondern Liebe, Armut und politische Freiheit. Allein die Interpretation des Compay Segundos All-time Klassikers Chanchan ist in meinen Augen die perfekte Vermischung der "alten Schule" des Social Clubs mit dem "neuen Trend" des Hiphop. Kein Wunder, dass die CD monatelang die Spitzen der kubanischen Radio-Charts eingenommen hat.