Auch ich habe in der Vergangenheit oft den Fehler gemacht, Sepultura immer wieder mit Max Cavalera zu verbinden. Und es ist und bleibt ein unumstößlicher Fakt, dass vergangene Prachtstücke wie "Beneath the Remains", "Arise" oder "Chaos AD" zum absolut Besten gehören was je in der Metalwelt produziert wurde. Und trotzdem ist diese ständige Verknüpfung mit den "alten" Tagen grundlegend falsch.
Sepultura gründeten sich 1998 mit "Against" praktisch neu ohne jemals ihre eigenen Wurzeln zu verleugnen. Auch ich war ein Skeptiker von Derrick Green und dem "Neuanfang". Doch betrachtet man das Ganze Schaffen dieser Band seit 1998 mit einer anderen Wahrnehmung, die Max Cavalera vollständig ausblendet und lässt sich ein auf die "neuen" Sepultura, so bekommt man eine nicht minder schlechtere Band als vor 1998. Im Gegenteil, es ist eine absolut ebenbürtige Angelegenheit. Derrick Green ist schlichtweg ein großartiger Sänger und die Band drumherum macht einfach einen brillianten, fein ausgeklügelten Sound der nach wie vor zur Oberliga im Metalbereich zählt (mittlerweile auch ohne Igor).
Das Ganze gipfelt meiner Meinung nach im aktuellen Werk "A-Lex". Diese ins Mark dringende Intensität, dieses perfekte Einfangen der dunklen, abgrundtief hässlichen Welt aus der Romanvorlage von Anthony Burgess ist schon fast beängstigend. Sogar dem einzigartigen Charme der Verfilmung wird mit grandiosen Interludes Tribut gezollt. Für mich ist es die perfekte Vertonung eines derart schwierigen Stoffes wie "A Clockwork Orange". Das Album lebt von wirklich authentischer Wut, von grässlichen Abziehbildern der menschlichen Seele. Es atmet förmlich die gesellschaftliche Kritik eines A. Burgess. Derrick Green bildet hierbei das I-Tüpfelchen, er lenkt und bestimmt mit seinem variablen Organ den roten Faden dieses Konzeptalbums.
Auch ich hatte beim ersten, auch noch beim zweiten Durchhören kleine Schwierigkeiten den richtigen Zugang zu dieser Scheibe zu finden. Doch sind erstmal Hirnwindungen für dieses Meisterwerk angelegt, lässt es einen nicht mehr los. Von vorne bis hinten stimmt bei diesem Album einfach alles. Dazu noch die unglaublich intelligent geschriebenen Lyrics und die Aufmachung des Booklets sind echt eine wahre Freude.
Zum Abschluss kann ich sagen...ich hasse heute nichts mehr als diese ständigen Floskeln â la "Sepultura sind zurück"..."bestes Album seit der Trennung von Max" und bla bla bla...Sepultura sind immer noch genau da, wo sie schon seit nunmehr 25 Jahren sind. Sie haben eine absoluten Ausnahmeposten im Genre Metal inne und den wird ihnen auch niemand mehr streitig machen. Diese Band folge nie irgendwelchen Trends, gebar sich immer wieder selbst (man vergleiche nur mal "Beneath..." und "Roots") und stellt eine unzerstörbare Speerspitze im harten Metalsektor dar.
"Das hier bin ich, Alex, und meine drei Droogs: Pete, Georgie und Dim. Wir hockten in der Korova-Milchbar und zerbrachen uns die Rasoodocks, was wir mit diesem Abend anfangen sollten. In der Korova-Milchbar konnte man Moloko-Plus kriegen... Das heizt einen an und ist genau richtig, wenn man Bock hat auf ein wenig Ultrabrutale."
Danke Sepultura für diesen großartigen Output. Definitiv heute schon eines der besten Alben 2009! Kaufempfehlung ohne Ende
PS: Und wer jetzt diese und meine Rezension zu Cavalera Conspiracy in Relation stellt: Spart euch eure Kommentare. Zwischen beiden Bands gibt es KEINE Relation. Beide Rezensionen sind völlig voneinander unabhängige subjektive Meinungen (auch wenn der Vergleich Green/Cavalera angeführt ist!) und sprechen einzeln für sich. Und zu meiner Aussage dass D. Green nicht an Max heranreicht, stehe ich trotzdem. Genausowenig reicht nämlich auch Max an Derrick heran :-) Beide sind auf ihre Art und Weise unnachahmlich! Basta. Aus. Punkt