Johnny Flynn, ein 23jähriger Brite, der in Südafrika geboren wurde, ist nicht nur auf der Musikbühne zu Hause. Der junge Mann ist auch noch Theater- und Fernsehschauspieler. Weiterhin bezeichnet er sich selbst als Dichter. Was läge da näher, als Musik zu machen? Und wenn schon reichlich poetischer Tiefgang vorhanden ist, dann sollte die gespielte Musik auch Folk, oder besser gesagt Indie-Folk, sein. Das beherrscht Johnny Flynn mit minimalem Einsatz und erzielt dabei maximale Musikalität. Wer Folkproduktionen liebt, die nicht absolut perfekt klingen, hier und da von Trompeten oder stilbrechenden Rhythmen durchbrochen werden, und bei denen weniger oft mehr ist, der wird Johnny Flynn mögen.
Das 2008 produzierte Album -A larum- lebt vor allem von Flynns Gesang. Der klingt manchmal wie ein mittelalterlicher Minnesänger und beim nächsten Song verdächtig nach Ringo Starr. Da nistet sich im Hintergrund schon mal ein(absichtlich) schiefer Ton ein oder die Melodie verwandelt sich von scheinbarem Stillstand in Sekundenschnelle in ein Stakkato. Genau diese Bandbreite macht -A larum- so hörenswert.
Meine Anspieltipps: -Leftover- mein Lieblingsstück auf der CD. Das geht mit treibendem Rhythmus nach vorn und ist purer Folk. Auf -The box- klingt Johnny Flynn wie Ringo Starr und es gibt ein paar Klasse Fiedeln, die den Song tragen. -Wayne Rooney- besticht durch schmale Instrumentierung und einen ziemlich schrägen Text. Für -Tunnels- benötigt Johnny Flynn nur die Gitarre, die Mundharmonika und seine Stimme, aber das reicht völlig aus für einen guten Song.
Wer Folk auch gern einmal ein wenig abseits der eingetretenen Pfade hört, dem kann ich Johnny Flynns -A larum- in jedem Fall wärmstens ans Herz legen.