Ich hatte 2009 das Vergnügen Katzenjammer auf ihrem ersten Deutschlandkonzert sehen zu dürfen und meine Heimatstadt erhob zum ersten Mal die Hände gen Himmel, klatsche, johlte und schrie. Ein unbeschreiblicher Augenblick und ein Indiz dafür, dass Katzenjammer eine einzigartige Live-Band ist. Das Album Le Pop ist an Abwechslungsreichtum und Kreativität nicht zu überbieten, wie ein Zirkusprogramm, bunt und verspielt.
Zwei Jahre und einige Tourneen später erscheint 2011 das neue Katzenjammer-Album und muss sich an Le Pop messen lassen, an einer Messlatte, die die Band selbst gesetzt hat. Klingt unfair, ist aber so. Den Vergleich mit dem Vorgänger-Album müssen die vier Norwegerinnen aber nicht scheuen, es klingt fast so, als hätten sie das Zelt des Zirkus verlassen, wären aufs Land gefahren und würden dort in irgendeiner schmutzigen Hafenkneipe Chansons, Rock und Folk zum besten geben. Ihre neuen Stücke sind zitatereich und zeugen davon, dass die Musikerinnen sich gut in der Historie ihrer Genres auskennen. Der Abwechslungsreichtum ist ihnen nicht abhanden gekommen, die Komplexität der einzelnen Stücke und die Freude am Experimentieren haben um nichts eingebüßt. Der geneigte Hörer darf sich auf eine musikalische Achterbahnfahrt freuen. Alle Befürchtungen die Mädels würden ihre Einzigartigkeit mit wachsendem Bekanntheitsgrad einbüßen waren umsonst.
Kritik kann man - wenn überhaupt - einzig an der Aufmachung der CD machen. Im ohnehin schon recht dünnen Booklet sind keine Liedtexte enthalten und nur zwei größere Fotos. Das Cover des Booklet ist schlicht, aber auch etwas lieblos gestaltet und leider gibt es keine limitierte Edition, in der z.B. ein paar Liveaufnahmen zu hören wären.
Meine Anspieltipps sind: Great Dust Storm: ein fast schon epischer Song, den der vierstimmig umgesetzt ist und nahezu ohne instrumentale Begleitung funktioniert; Rock Paper Scissors: ein nahezu klassischer Irish-Folk-Song, gemixt mit einer Prise Individualität und poppiger Interpretation; Soviet Trumpeter: entführt uns in eine düstere, verrauchte Hafenkneipe, verrucht und verspielt; Lady Marlene: ein schöner Chanson, wunderbar mehrstimmig gesungen, dezent im Rhytmus eines Walzers begleitet; Cocktails And Ruby Slippers: Klingt irgendwie nach 90er Jahre Teenie-Klamotte, sehr verkitscht und ironisch gewendet.
Bei den Anspieltipps fällt mir gerade auf, dass ich liebend gerne alle neuen Titel aufführen könnte, jeder Song hat seinen eigenen Charme und dieser wird auch bei mehrmaligem Hören nicht abgenutzt, dazu sind die Stücke zu komplex.
Fazit: Unbedingte Kaufempfehlung!