"A Kiss Before Dying" war im Ursprung der allererste Roman, den Autor Ira Levin ("Rosemary's Baby", "Sliver", "Die Frauen Von Stepford") 1953 veröffentlicht hatte und wofür er im Folgejahr auch eine Auszeichnung für den "Besten Erstlingsroman" erhielt. 1956 wurde er erstmals verfilmt, mit Robert Wagner in der Hauptrolle.
1991 erschien dann das in den USA, wie in England gedrehte Remake von "A Kiss Before Dying", in den Hauptrollen: Matt Dillon, Sean Young und Max von Sydow.
Zur Handlung:
Jonathan Corliss (Matt Dillon) studiert an der Uni in Pennsylvania, wo er Dorothy Carlsson (Sean Young) kennen lernt. Bereits als Junge (der in eher bescheidenen Verhältnissen aufwuchs) sah er die Frachtzüge mit dem 'Carlsson Copper' Firmen-Emblaim auf den Bahngleisen hinter seinem Elternhaus vorbei fahren und heute, als junger Mann, sieht er in der Begegnung mit der Tochter des Großindustriellen Thor Carlsson (Max von Sydow) seine große Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Die beiden Studenten treffen sich regelmäßig und heimlich, doch dann wird Dorothy schwanger und da Jonathan fürchten muß, daß ihr Vater sie, aufgrund des Skandals eines unehelichen Kindes, womöglich enterben könnte, tötet Jonathan Dorothy und entwirft einen Plan B für sein Leben: Er geht nach New York und nimmt eine neue Identität an, jetzt nennt er sich Jay. In NYC macht er sich an Dorothy's Zwillingsschwester Ellen (ebenfalls Sean Young) heran, die nicht die geringste Ahnung davon hat, wer Jonathan wirklich ist und den Tod ihrer Schwester auch noch nicht überwunden hat. Sie pflegt noch losen Kontakt zu dem damals ermittelndem Polizeibeamten Dan Corelli (James Russo), den sie über ihre Verdachte in Kenntnis setzt. Denn sie recherchiert weiter, obwohl sie und Jay jetzt verheiratet sind. Jay hat sich hervorragend eingeführt in die Familie Carlsson und geht nicht nur mit Vater Thor angeln, sondern erhält auch noch einen Job im Unternehmen, als dessen persönlicher Assistent ... Jay hat erreicht, was er immer wollte! Doch hat er nicht vergessen, wie er sich den Weg dorthin geebnet hat und er muß auch weiterhin auf der Hut sein: Er verwischt alle Spuren seiner Vergangenheit, d.h. er schreckt auch vor weiteren Morden nicht zurück, wenn sich die Situation anbahnt, in der Menschen 'aus der Vergangenheit' Ellen Informationen über ihre Schwester und ihren damaligen Lover zukommen lassen könnten - Jay ist auf Zack. Er ist jetzt allerdings auch heftig eingespannt in Daddy's Unternehmen, die Eheleute verbringen weniger Zeit mit einander ... Zeit, die Ellen nutzt, ihren Intuitionen sowie neuen Erkenntnissen im Mordfall ihrer Schwester nachzugehen. Und so führt die Spur eines Tages nach Pennsylvania, zu dem Haus an den Bahngleisen ... und, wie nicht zum ersten Mal in diesem Film, taucht auch hier plötzlich Jay/Jonathan auf ... wird hier, wo für für Jonathan alles begann, auch alles enden ... ?
Ich habe den Roman von Ira Levin nicht gelesen, kenne aber sowohl Buch, wie Film im Falle von "Sliver" und "Rosemary's Baby". Wenngleich mir letzterer besser gefiel, so fand ich in beiden Fällen, daß die Spannung des Buches erfolgreich auch auf die Leinwand übertragen wurde - das liegt offenkundig an Levin's Erzählstruktur. Folglich müßte man "A Kiss Before Dying" eigentlich auch lesen, denn ich finde, der Film ist spannend inszeniert, transparent und schlüssig strukturiert. Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache, so weiß man z.B. bereits nach den AnfangsCredits alles wesentliche über Jonathan's Innenleben und nachdem diese vorüber sind, vergeht nicht viel Zeit bis zum ersten Mord. Und in ähnlichem Tempo (soverän, dabei zielgerichtet) verläuft der Film die gesamten 1 1/2 Stunden auch bis zu seinem Ende, langweilig wird's zu keiner Zeit. Ich bin nicht Matt Dillon's größter Fan, habe aber natürlich einige Filme mit ihm gesehen, doch - vielleicht mit Ausnahme von L.A. Crash - war er nie besser als in diesem. Sean Young soll seinerzeit für zuviel Distanziertheit in der Rollenverkörperung kritisiert worden sein, aus Gründen der optischen Präsenz (sowie dem Klang der Stimme!) hätte ich mir auch eine andere Hauptdarstellerin gewünscht, in ihrem Spiel finde ich sie dennoch überzeugend (als Dorothy gefällt sie mir besser). Max von Sydow verkörpert ebenfalls glaubhaft den gleichermaßen erfolgreichen, wie gebrochenen Mann (zuvor schon: Trennung von seiner Frau & Tod seines Sohnes). Das Persönlichkeitsprofil von Jonathan in punkto Kalkulation und Skrupellosigkeit weist gewisse Parallelen zu dem von 'Mr. Ripley' auf (welcher allerdings professioneller ist) und unter diesem Aspekt hat Regisseur James Dearden ("High Speed Money/Rogue Trader") den Charakter großartig in Szene gesetzt, der entsprechend von Dillon auch angemessen verkörpert wurde. Was die Story an subtileren, komplexeren psychologischen Komponenten, die den Plot zusammen schmieden, bereit hält, hat Deardon in der Gänze dieser Inszenierung kurzweilig, z.T. komprimiert, dabei prägnant und nachvollziehbar verarbeitet - das macht sie so gut. Wer die Stadt New York liebt, darf sich an der Inszenierung noch einmal erfreuen, in verschiedensten Augenblicken trägt die Stadtkulisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder angenehm zur atmosphärischen Bildgestaltung bei.
Ich kenne bislang noch nicht die Originalversion aus 1956, weiß aber, daß manche das Original dieser Version vorziehen. Mir ging es allerdings schon in den Mitt90ern, als ich diesen Film erstmalig im TV sah, so, daß mir Story und Inszenierung sehr gut gefallen haben und ich freue mich darüber, die DVD jetzt zu besitzen. Meine Meinung hat sich nämlich bis heute nicht geändert: Ich finde den Film immer noch spannend und erteile daher die vollen 5 Sterne, er kann gar nicht enttäuschen.
Wem's ähnlich geht, wie mir oder wer "A Kiss Before Dying" (1991) jetzt erst kennen lernen möchte, dem wird's nicht ganz leicht gemacht, eine deutsche (und deutschsprachige) DVD-Version ist mir nicht bekannt, scheint es hierzulande nicht zu geben. Diese DVD ist eine amerikanische, d.h., sie ist mit Regionalcode: 1 (und keinen Extras) ausgestattet. Es gibt den Film aber wohl auch noch in einer anderen Auslandsversion (Hersteller, sowie RC ist mir nicht bekannt) und ebenfalls auf VHS.
Ich empfehle "A Kiss Before Dying" besten Gewissens jedem, der sich gern amerikanische Krimis/Thriller ansieht, wünsche viel Erfolg bei der Jagd nach einer adäquaten Ausgabe und noch viel mehr Spaß beim Ansehen. Er ist es wert!
-- theSilentNoirFreak