Kürzlich ist im renommierten Gambit -Verlag die zweite Auflage des Killer Chess Opening Repertoire" erschienen. Hinter dem beinahe furchteinflößenden Titel verbirgt sich nichts anderes als ein Repertoirebuch, welches auf 1.d4 basiert und ursprünglich von Aaron Summerscale im Jahre 1998 veröffentlicht wurde.
In der neuen und überarbeiteten Ausgabe, für die Sverre Johnson verantwortlich zeichnet, wurden gemäß Johnson zwar jede Menge Änderungen bzw. Ergänzungen vorgenommen, aber der Geist" des Buches soll angeblich erhalten geblieben sein. Im Klartext heißt das, dass es der Leser mit einem Buch zu tun hat, welches ihm ermöglicht nach 1.d4 gegen beinahe jede Antwort des Schwarzen ein gesundes, aber meist etwas abseits gängiger Eröffnungstheorie liegendes Spezialsystem zur Verfügung zu haben.
Die drei ausführlich behandelten Eckpfeiler, welche - wenn es nach den Autoren geht - dem ambitionierten Klubspieler bis ELO 2200" eine zeitintensive Beschäftigung mit der Eröffnungstheorie ersparen sollen, bilden der Berry- bzw. der 150-Angriff gegen königs- und grünfeldindische, sowie Pirc- Strukturen und das Colle Zukertort System gegen 1.d4 d5.
Im Einzelnen werden auf den knapp 200 Seiten folgende Varianten in acht Kapiteln behandelt
- Berry Angriff (1.d4 Sf6, 2.Sf3 g6, 3.Sc3 d5, 4.Lf4)
- 150 Angriff (1.d4 Sf6, 2. Sf3 g6, 3.Sc3 Lg7, 4.e4 d6, 5.Le3 bzw. 1.d4 g6, 2.e4 Lg7, 3.Sc3 d6, 4.Le3 c6 5.Dd2)
- Colle - Zukertort System (1.d4 d5, 2.Sf3 Sf6, 3.e3 e6, 4.Ld3 c5, 5.b3)
- Gewinnen gegen das Anti Colle System (andere Antworten als 3. ...e6 )
- Klassisches Damenindisch (1.d4 Sf6, 2.Sf3 e6, 3.e3 c5, 4.Ld3 b6, 5.0-0 Lb7, 6.c4)
- Anti Benoni (1.d4 Sf6, 2.Sf3 c5, 3.d5)
- Anti Holländisch (1.d4 f5 2.Lg5)
- Ergänzungen (gegen andere Antworten auf 1.d4)
Anhand von 68 meist ausführlich kommentierten Partien gelingt es Summerscale und Johnsen ihr Killer-Repertoire" auf kurzweilige und lehrreiche Art vorzustellen. Dabei reicht die gelungene Auswahl von Steinitz - Tschigorin (Weltmeisterschaft 1889) oder gar Zukertort - Blackburne (London 1883) bis zu Begegnungen unbekannter Spieler aus der jüngsten Vergangenheit.
Neben der Partienauslese wirkt auch die Auswahl der Varianten sehr überzeugend; ebenso wie die Darstellung der Ideen und Pläne der jeweiligen Systeme. Außerdem bleibt das Buch trotz der beträchtlichen Masse an Material stets übersichtlich.
Insgesamt stellen die Autoren also dem interessierten Schachfreund ein wunderbares Handbuch zum Erstellen oder Ergänzen eines Eröffnungsrepertoires basierend auf 1.d4 zur Verfügung!
Zusätzlich machen die im Gambit Verlag übliche hervorragende optische Gestaltung und das handliche Format die Arbeit am eigenen Eröffnungsrepertoire zu einem Vergnügen.
Abgerundet wird das rundherum gelungene Werk durch ein übersichtliches Variantenverzeichnis.
Wenn man eventuell auch manche Vokabel nachschlagen muss, so ist für das Verständnis des Buches durchschnittliches Schulenglisch insgesamt völlig ausreichend.
Ein Buch, das vielleicht das Zeug zum Kultbuch hat - zumindest aber jedem Schachfreund nur wärmstens empfohlen werden kann!
Wenn sich an dem Werk überhaupt noch was verbessern ließe, so wäre ein Partienverzeichnis zu nennen.