Die Anfänge von "Snow Patrol" reichen bis ins Jahr 1994 zurück. Damals noch von den beiden Studenten Gary Lightbody und Mark McClelland unter dem Namen "Shrug" gegründet und kurze Zeit später in "Polar Bear" umbenannt, bleiben die ersten Veröffentlichung vergleichsweise erfolglos. Doch es zeichnet sie gerade der Umstand aus den Erfolg nie erzwingen zu müssen und die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Nach dem 2. Album "When it's all over we still have to clear up" lässt ihr Label Jeepster Records, auf dem zu diesem Zeitpunkt auch "Belle & Sebastian" unter Vertrag stehen, sie fallen. Die kleine, aber umso beharrlichere Fangemeinde in Irland und Schottland bestärkt die Musiker in ihrem Schaffen und trägt sie bis zu ihrem Durchbruch "Final straw". Das Vereinigte Königreich bedankt sich mit der ersten Pole Position und auch in Amerika werden zunehmend Musikfreunde auf sie aufmerksam. 2006 dann die Single, die alles verändert. "Chasing cars" dominiert die Radio- und Fernsehstationen und zieht zahlreiche Superlative nach sich. Mit 85 Wochen in den UK Charts muß sich der Track nur Frank Sinatras "My way" geschlagen geben. Der dazugehörige Langspieler "Eyes open" wird zum erfolgreichsten, britischen Album 2006 und der internationale Erfolg fällt ähnlich üppig aus. Langsam und doch plötzlich manövrieren sich "Snow Patrol" in die erste Liga der britischen Musikexporte.
Mit einem völlig neuen Druck und Fokus auf das eigene Schaffen hat sich die Band nicht zurückgezogen, um den Erfolg möglichst lange auszureizen, sondern schnell an die Arbeiten für den Nachfolger gesetzt. Erneut steht ihnen Produzent Garret "Jacknife" Lee (U2, Weezer, Bloc Party, R.E.m.) zur Seite, der ihre kreative Odyssey an Schauplätzen im Westen Irlands bis zu den legendären Hansa Studios in Berlin (David Bowie "Heroes", U2 "Achtung Baby") begleitet. Sie haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen - allen voran der charismatische, aber ebenso bodenständige Frontmann Gary Lightbody, der für den größten Teil des Songwritings verantwortlich ist. Der potentielle Druck wurde ausgeblendet und nach zahlreichen Geschichten über zerbrochene Beziehungen und das Ende einer Liebe hat man sich der sonnigen, "funktionierenden" Seite des Lebens und einer gewissen Inspiration durch die Wissenschaft zugewandt. Selbst bezeichnen sie "A hundred million suns" als ihr komplettestes Album bisher und verweisen auf eine Kombination ihrer musikalischen Indie Rock Wurzeln und den neuen Popelemente - Vergangenheit und Zukunft zugleich. Vom euphorischen Opener "If There's a Rocket Tie Me to It" oder der melancholischen Ballade "Crack the shutters" über "The golden floor", auf dem Echoes im Stile eines Peter Gabriel eingebunden werden, bis zum anspruchsvoll angelegten Finale in 3 Akten "Lightning strike" - mehr Ecken und Kanten als manch einer erwartet haben dürfte. Experimentell, aber ebenso geerdet verlassen sie sich nicht allein auf den Glanz von "Eyes open". Vielmehr schicken sie den Hörer auf Entdeckungsreise, fordern ein wenig mehr Aufmerksamkeit und belohnen mit haltbaren, tiefgründigen Rocksongs, die sich immer wieder neu entfalten.
Anspieltipps: "If there's a rocket tie me to it", "Take back the city" und " Please just take these photos from my hands"