Drei Jahre nach ihrem letzten Studioalbum "Beaucoup Fish" (1999) und dem Livealbum "Everything, Everything" (2000) legen die Technopioniere Underworld nun zum Duo gschrumpft ihr fünftes Album vor. Nach dem Ausstieg des zehn Jahre jüngeren DJs Darren Emerson vor zwei Jahren stellt sich natürlich die Frage, wie sich das auf die Musik ausgewirkt hat. Nicht zum Schlechtesten, muss man sagen.
Die beiden Frühvierziger Rick Smith (Electronics) und Karl Hyde (Gesang, Gitarre) haben ihr neuestes Werk deutlich zurückhaltender produziert. Technohämmer wie "Dark Hard", "Moaner", "Kittens" und die "Trainspotting"-Hymne "Born Slippy" fehlen hier leider gänzlich. Dafür zeigen die beiden Engländer mehr Details, Nuancen und feine Untertöne unter ihren bewährten, tranceartigen Klangteppichen und Big-Beat-Grooves. Auch der Gesang ist weiterentwickelt, und Karl Hyde hat die Magie der Vokalharmonien für sich entdeckt. Und sein Gitarrenspiel wird nicht nur als Klangeffekt angedeutet, sondern bekommt mehr Raum eingeräumt. Die erste Singleauskopplung "Two Months Off" ist ein gutes Beispiel dafür.
Insgesamt haben Underworld mit dem Ausstieg von Darren Emerson zwar an musikalischen Schauwerten verloren (obwohl sie live immer noch wahre Klangorgien zelebrieren), dafür aber die Tiefen und Feinheiten der elektronischen Musik (wieder-)entdeckt. Und in manchen Momenten sind sie gar nicht mal allzu weit entfernt von ihren schöngeistigen Synthiepop-Vergangenheit als "Freur" (remember "Doot Doot"?), was ja nicht das Schlechteste ist.
Underworld bleiben auch mit ihrem ersten Alterwerk "Two Months Off" eine spannende Band, die den Begriff "Techno" auch außerhalb der Neunziger noch mit viel Innovation und Eigenständigkeit verbinden lässt. Hut ab dafür!