Nach einer nicht allzu langen aber dafür umso erwartungsvolleren Wartezeit ist es nun endlich da: Das fünfte Album der dänischen Pop Metaler: "A Discord Electric".
Einmal mehr ist die Spannung groß, wohin die Reise wohl gehen wird, nachdem die letzte Scheibe "Wasteland Discotheque" den Party Vibe des Zweitlings "Confusion Bay" erfolgreich mit einer rau staubigen Note mischte und damit zeigte, dass Raunchy durchaus Willen zur Entwicklung haben.
Die Band befeuerte das nicht zuletzt selbst mit der Ankündigung, "A Discord Electric" sei ihr experimentellstes Album geworden.
Was erwartet den geneigten Hörer also? Genau genommen einfach ein Album, wie man es von dieser Band eben gewöhnt ist, jedoch mit zwei Gesichtern, die deutlicher hervortreten, als noch zuvor: Dem des sanften Fortschrittes aber auch dem der Stagnation.
Die Basis bleibt dabei solide. Christensen und Tilsted zocken rockende Riffs zwischen Melodeath und Neo Thrash, Kvist folgt am Bass, Hansen treibt das Klampfensegment mit pumpenden Beats zwischen Rock und Blastbeat vor sich her, Thomsen schreit und röhrt dazu in peitschender Stimmlage, Christensen durchwebt all dies mit fröhlichen bis melancholischen Keyboardmelodien und sorgt mit seinen eingängigen wie durchaus einfallsreichen klaren Gesangslinien in den Refrains für die gebührende Kelle ernsthaft produzierten Pops.
Von diesem bekannten Fundament aus gibt es diesmal aber durchaus einige Experimente zu vernehmen. Bereits der dominant klar gesungene Opener "Dim The Lights And Run" gibt hierbei die Richtung vor. Die Synths sind mehrschichtiger und dadurch dominanter geworden, die klaren Refrains werden ausgiebiger eingesetzt. Christensens Gesang ist kantiger aber auch klarer produziert, experimentiert auch unverblümt mit extrem cheesy Vokalstreckungen, die fast ein wenig nach Boyband klingen und damit (wohlwollend betrachtet) ein angenehmes Maß an Selbstironie transportieren.
Durch die Massierung der Schichten und Techniken der Synths und Vocals wird der Gesamtklang dichter und elektronischer, der Pop-Part durch die lediglich zwei Songs ohne klaren Refrain dominanter, als auf den letzten zwei Alben und wirkt damit streckenweise wie ein opulenteres "Confusion Bay". Es bauen sich wahre melancholische Melodiewände auf, die in den besten Momenten einfach nur mitreißend sind. Das ganze Album durchzieht eine dichte Atmosphäre irgendwo zwischen Disco-Kugel und Friedhof im fahlen Mondlicht.
Im Metal-Part gibt es dagegen wenig Experimente. Die Gitarren geben etwas öfter als gewohnt den Blick auf Gesang und Elektronik frei, die Tiefen haben an einigen Stellen fast schon Meshuggah-Substanz und ein wenig trockenes Stakkato hat ebenso wieder Einzug gehalten, wie z.B. im grandios inszenierten Breakdown von "Nght Prty".
Thomsen faucht, schreit und growlt dazu routiniert und engagiert seine Zeilen in verschiedenen Tonlagen, so dass auch dem extremen Gesang nie die Dynamik verloren geht.
Es ist ob all der Routine aber auch gerade außerhalb der Refrains, wo einem auffällt, wie viel doch auch stagniert ist, im Hause Raunchy. Die Songstrukturen variieren keinen Takt weit. Der vorwiegend poppige Opener, der reine Popsong im hinteren Mittelteil ("Big Truth", in Zusammenarbeit mit Duné), der episch angelegte Closer, das ist zudem 1:1 der Aufbau von "Wasteland Discotheque". Viele Riffs kommen bekannt vor und tatsächlich, wer genau hinhört, entdeckt in "Street Emperor" das Mainriff des Titelsongs des letzten Albums, in "The Yeah Thing" die leicht modifizierte Synthmelodie von "Bleeding #2" und "Ire Vampire" ziert als Hauptmelodie die in ein Riff übersetzte Synthspur von "To The Lighthouse". Und das sind lediglich die offensichtlichsten Beispiele.
Nun kann man hier natürlich auch von Anspielungen und Zitaten sprechen, die ja bereits auf "Wasteland Discotheque" zu finden waren. Die Menge an bekannt vorkommenden Riffs und Melodien lässt aber doch die Frage aufkommen, ob das noch Selbstzitat oder schon Recycling ist.
In diesem Feld zwischen (allzu) Altbekanntem und Experimenten im Pop-Bereich zimmern Raunchy allerdings wie gewohnt so routiniert, dass einen die schlichte Qualität des Materials durchaus versöhnlich zu stimmen weiß.
Die Riffs treiben simpel und effektiv nach vorn, die Melodien sind allesamt ohrwurmtauglich. Vom frenetisch tanzbaren "Nght Prty" über das tief melancholische "Blueprints For Lost Sounds", über das genial kontrastige "Tiger Crown" bis hin zum (freuden-) tränentreibend süßlich düsteren "The Yeah Thing" aufgelockert durch die pumpenden reinen Metaltracks "The Great Depression" und "Ire Vampire" ist einfach alles da, was man eben von Raunchy erwartet.
Durch die massiv aufgeschichteten Synthwände und den extrem klar produzierten Gesang sind viele der Melodien allerdings auch weniger offenliegend angelegt und brauchen teilweise ihre Zeit, um zu zünden. Das ist eher ungewohnt aer durchaus willkommen, verspricht dies schließlich eine längere Halbwertzeit als beispielsweise beim etwas schnell abnutzenden "Wasteland Discotheque".
Die Produktion ist dabei erdig, kalt und differenziert wie eh und je.
Raunchy legen mit "A Discord Electric" ein Album vor, das elektronischer und poppiger ist, als die letzten Werke, das mit seinen melancholisch beschwingten Melodien, seinem dichten opulenten Sound und seinen routiniert vorgetragenen straighten Songs zu überzeugen weiß.
Aber auch eines mit dem Potential, durch den dominanten Pop/Electronica-Part und das ausgiebige Selbstzitieren bei dem ein oder anderen einen unkomfortablen Beigeschmack zu hinterlassen.