Keitel und Béart, das verspricht von vorneherein schon mal einen gewissen Reiz - aber war das wirklich eine stimmige Besetzung? Für schlappe sieben Millionen Dollar strickte Manuel Pradal vielleicht mit etwas zu heißer Nadel einen im Ansatz beachtlichen Thriller, der auf den Film-Festivals von Deauville und Toronto 2006 seine Premiere feierte.
Der reichlich verlebte Roger (Harvey Keitel, 67), ewiger Taxifahrer in New York mit einem Alkoholproblem, glaubt daran, dass sich Alice (Emmanuelle Béart, 43), wahr gewordener Traum eines jeden Mannes, ausgerechnet in ihn verliebt. Alice wiederum liebt den 5 jahre jüngeren Vincent (Norman Reedus, 37), Besitzer eines mäßig erfolgreichen Rennhunds. Vincent aber glaubt sein Herz erst dann wieder öffnen zu können, wenn der drei Jahre zuvor erfolgte Mord an seiner Frau gesühnt sein wird. Wir erfahren nicht, warum die Gattin ermordet worden war.
Nun geht es los: Alice sucht einen x-beliebigen Taxidriver aus, den sie Vincent als Mörder präsentieren möchte. Die in Vincent so verliebte Alice liefert dem alten, versoffenen Roger heiße Liebesnächte - Bezahlung für den folgenden Verrat? Sie präpariert Roger mit falschen Mord-Indizien. Sie bringt ihn zum Saufen. Schließlich führt sie ihn dem Witwer Vincent vor die Nase, damit dieser seine Rache ausführen kann. Der wiederum kommt überhaupt nicht auf die Idee, zu seinen Freunden bei der Polizei zu gehen...
Warum das alles? Zu guter Letzt soll Vincent zu ihr in Liebe entflammen! Ausgerechnet zu der Person, die ihn gerade in der wichtigsten Frage seines Lebens übelst betrogen hat und als angeblich heiß Liebende noch das Sperma des vorgeblichen Mörders im Leib trägt? Ein wahrlich aberwitziges Vorhaben. Familienplanung dieser Art kann ja wohl nicht aufgehen - nicht einmal im Film.
Man sollte nicht mehr über die Handlung verraten - nur soviel: es wird noch abstruser. "Überraschungen" basieren hauptsächlich darauf, dass sich niemand, der noch seine Sinne zusammen hat, jemals so verhalten würde. Spannung kann schon deswegen nicht entstehen, weil subjektiv für keinen Beteiligten jemals eine Bedrohung erkennbar wird. "Abrundend" kommen in einer Schlüsselsituation noch physikalisch-medizinische Unmöglichkeiten dazu, über die man nur den Kopf schütteln kann.
Allen sowohl Mord- wie Überlebenslustigen kann man nur raten: Versuchen Sie das nicht zu Hause! Es wird nicht gelingen!
Wer sich überzeugen möchte, dass die Béart nicht nur im Gesicht fantastisch aussieht, liegt bei "A Crime" nicht völlig falsch. Wer darüber hinaus bei einem durchaus atmosphärischen Kriminaldrama keinen übersteigerten Wert auf Glaubwürdigkeit der Figuren und Wahrscheinlichkeit der Handlung legt, kann sich ganz nett die Zeit mit dem Streifen vertreiben.
Im Original 103 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film, DD (IMDB)
film-jury 3* A0159 24.1.2011e 8A 1F Genre: Krimi | Thriller
Anmerkung: Wer genau hinhört, darf gelegentlich etwas Musik von Ennio Morricone bewundern.