Sie ist jung, sie ist unglaublich begabt, sie ist neugierig und sie will lernen! Wär ich ihr Mentor, was könnte ich mehr verlangen?! Bin ich aber nicht. Die Frage ob mir das, was dabei herauskommt gefällt, ob's in meinen Hirnwindungen ankommt, ist eine gänzlich andere.
Fatalerweise startet das Ganze mit einem Versehen - "The Muse" - einem fast swingenden, aber doch spröden Track, der, kaum hat man begonnen sich auf ihre neue, weniger einschmeichelnde Gangart einzustellen, einen fast schon wieder mit Widerwillen entlässt. Und das nächste "I was just a card", mit seiner zunächst extrem reduzierten Stimme-Akustische-Gitarre-Kargheit, machts einem auch nicht leichter - bis dann die Band doch noch - erlösend! - einsetzt.
Spätesens hier wird klar, wurde sie mit ihrer zweiten Aufnahme " I speak...." z.T. zu recht noch in Richtung Dylan assoziiert ("Rambling Man"), und war darüberhinaus noch das niedliche Mädchen, ist dies nun beides bereits der Schnee von gestern. Zuordnungen, Relationen hauen nun so einfach nicht mehr hin - sie wird zunehmend sie selbst. Und das, was da wird, ist zum einen hochkomplex und verschachtelt, manchmal. Und damit eben auch unangenehm gegen alle Hörgewohnheiten gebürstet. Dann aber ist es auch wieder simpler Folk, nur von ihr selbst auf der akustischen Gitarre begleitet ("Dont'ask me why"). Es sind in direkter Folge und Wechsel sanft einschmeichelnde Töne, und es ist brutaler krachender Rock. Und ausgerechnet im letztgenannten Genre gelingt ihr das vordergründige (? ich bin mir da noch nicht sicher!) Highlight der Gesamtaufnahme: "The Beast".
Das kann durchaus alles so gewollt sein, dieses Widerborstige, zunächst im Ganzen Nicht-Eingängige von geringem Merkwert. Dann hätte Ethan Johns (DER Ethan Johns! siehe: Ryan Adams, die hörenswerten Aufnahmen) hier ganze Arbeit als Produzent geleistet. Zusammen haben sie etwas hinbekommen, an dem man sich echt abarbeiten kann. Eine Entdeckungsreise in eine Gefühlswelt, von der man niemals weiß, wo man am Ende angekommen sein wird - und vor allem nicht in welcher Gemütsverfassung.
Das kann aber auch, ganz simpel, ein Produzenten"problem" sein. Er hätte es ihr leichter machen können mit einer anderen Trackfolge und ein paar Ecken und Kanten weniger. Wollten sie beide wohl nicht so haben.....