"A Clockwork Orange": Kaum ein Buch hat mich so fasziniert und gepackt wie dieses!
Es fängt an mit einem typischen 'lustigen' Abend von dem Protagonisten Alex und seinen Freunden Dim, Georgie und Pete. Diese vier Jungs - Alex ist mit 15 Jahren zwar der jüngste, aber auch der Anführer - rauben, vergewaltigen, verprügeln, randalieren - und haben ihren prächtigsten Spaß dabei. Sie kümmern sich weder ums Gesetz noch um ihr Gewissen, das sie scheinbar nicht einmal besitzen. Bis sie dann eines Abends über die Stränge schlagen: Alex tötet, ohne es zu wollen, eine alte Dame, seine Freunde verraten ihn und er kommt ins Gefängnis. Bald will die Regierung ihn "bessern": Mit einer makabren Methode namens "Ludovico"-Therapie, die Alex quasi seinen freien Willen nimmt, denn er wird zwangsweise "Gut" gemacht. Mehr will ich an dieser Stelle jedoch nicht verraten.
Burgess vollbringt in diesem Buch ein wahrliches Wunder: Ja, Alex ist grausam. Ja, er ist brutal. Ja, er ist wirklich ein gewalttätiges Monster. Aber eben nicht nur das! Alex ist witzig, intelligent, klug, ironisch. Alex ist kulturell gebildet und verehrt Ludwig van Beethoven. Alex ist kein asozialer Gangster; er drückt sich fein und gebildet aus. Burgess schafft es, uns diesen brutalen Teenager äußerst sympathisch zu machen. Man liest und liest das Buch und irgendwann merkt man, dass man Alex mag, trotz seiner Bosheit.
Anthony Burgess hat dieses Buch auf eine wunderbare Art und Weise geschrieben. Es liest sich so wunderbar flüssig wie kaum ein anderes Buch, das ich je gelesen habe. Dazu gibt die Nadsat-Sprache dem Buch das gewisse Etwas. Nadsat ist ein erfundenr Jugendslang, dem viele slawische - insbesondere russische - Wörter beigemischt sind. Man braucht vielleicht drei, vier Seiten, um sich da einzulesen, aber ab dann liest sich auch das Nadsat flüssig. Eine slawische Sprache zu beherrschen, erleichtert das Verstehen des Nadsat zwar, aber die meisten Begriffe kann man sich auch so aus dem Zusammenhang erschließen. Und wenn nicht, gibt es auch Nadsat-Wörterbücher - einfach mal bei google suchen ;)
In einer anderen Rezension habe ich gelesen, dass Burgess' Jugendsprache viel zu überbewertet sei: Schließlich seien sehr viele Wörter einfach original aus dem Russischen übernommen worden.
Diese Meinung teile ich nicht. Burgess musste es nicht Tolkien gleichtun und direkt eine neue Sprache erfinden, um diesem Buch ein besonderes Flair, eine besondere Atmosphäre zu verleihen, die durch die Nadsat-Sprache übermittelt wird.
"A Clockwork Orange" ist nicht nur unterhaltend, sondern natürlich auch voller Philosophie: Ist das Gute noch gut, wenn es erzwungen ist? Ist Alex nun "gut", bloß weil er nichts Böses mehr tun kann?
Dieses Buch ist zeitlos: Obwohl es als 'Zukunftsvision' betitelt wird, wird doch keine Zeitangabe genannt, und es hat nichts von seiner Aktualität verloren. Man merkt beim Lesen garnicht, dass der Roman aus dem Jahre 1962 stammt: Weder Sprache noch Thema sind in irgendeiner Weise veraltet.
Alex ist eine faszinierende Person und leitet den Leser in seiner originellen Ausdrucksweise durch das Buch, sodass man es direkt nochmal lesen will, wenn man damit fertig ist. Dieses Buch ist sofort zu einem meiner Lieblingsbücher geworden und ich kann es wirklich jedem empfehlen, denn man verpasst etwas, wenn man "A Clockwork Orange" nicht erlebt hat.
Am Besten auch auf Englisch lesen: Ich habe in die deutsche ÜS reingeschaut und fand sie nicht besonders gut. Ich glaube, dass es einfach an der deutschen Sprache liegt, die nicht für Nadsat geeignet ist.