Man muss es den Rolling Stones einfach lassen: jedesmal in den letzten Jahren (Jahrzehnten), wenn die Stones eine neue Scheibe ankündigten, hat man ihnen - vor allem aus Altersgründen - nicht mehr viel zugetraut. Bei dieser - letzten - Scheibe der Altrocker wohl am wenigsten! - War man hier doch bereits jenseits der 60!
Tatsächlich ist man dann aber jedes Mal - positiv! - überrascht worden! So auch gerade bei dieser - letzten - Scheibe der Stones.
Bei aller Kritik an den Stones (in Richtung "Geldgeil", "unglaubwürdig", usw.), sollte man dann aber auch nicht vergessen, sich die Frage zu stellen, wofür die Stones überhaupt noch ins Studio gehen! Etwa wirklich nur noch für's Geld? Das klingt wiederum unglaubwürdig, denn weshalb sollte die Band bei ihrem Reichtum und ihrem Alter sich noch die Mühe machen, ins Studio (nur noch) für 's Geld zu gehen! - Das hätten die Jungs längst nicht mehr nötig!
Ich wage daher, diese Frage damit zu antworten, dass die Stones vor allem noch hauptsächlich FÜR UNS, die Fans, ins Studio, gehen!
Und für diese Absicht dürfen die Stones auf jeden Fall noch geliebt werden. Denn viel schlechter als die beiden Vorgänger- Alben "Voodoo Lounge" und "Bridges to Babylon" ist diese Scheibe auf jeden Fall nicht!
Klar muss sich die Band nichts mehr beweisen, mit dieser Scheibe. Etliche Hit- Scheiben später ist sie längst über jede Kritik erhaben. Sie sind längst lebende Denkmäler geworden, haben ihre feste Fan- Base.
Dennoch setzen sich die Jungs immer wieder auf's neue ins Studio - just for fun - und überzeugen - zumindest teilweise - mit überraschend guten Songs!
Bei diesem Album hat sich die Band wieder stärker auf ihre Wurzeln besonnen, und gibt so eine Art "Kompilation" aller ihrer bisherigen Sounds. Für mich ist es eine Art Soundtrack durch das musikalische Leben der Band. Auf ganz neue Musik wird weitgehend verzichtet.
Herausgekommen sind 16 durchaus hörbare Songs, die Spaß machen, und in sich abwechslungsreich wirken, und vor allem eines sind: sie klingen original nach Rolling Stones!
Ich höre die CD - als jüngerer Fan - jedenfalls gerne, wenn auch nicht so sehr und so oft wie z.B. Scheiben der Band aus ihren früheren Phasen.
Der Opener "Rough Justice" ist ein geradliniger Rock and Roller, wie wir ihn bei der Band kennen.
"Let me down slow", wieder ein Rock and Roller; vllt. der beste Song der Scheibe!
"It won't take long", schöne, harte Bluesrock- Riffs!
"Rain fall down" ist eher funkig- modern. Nicht ganz überzeugend.
"Streets of love" war die hymnenhafte (Erfolgs-) Single der CD, mit dem bewährten Stones- Harmoniegesang im Refrain. Durchaus einer der besten Songs der CD.
"Back of my hand" ist ein Blues- Song im älteren Stil der Band, als ob sie gerade erst ihre Karriere begonnen hätten. Wirkt aber nicht mehr besonders "echt". Auch den Text will man der Band nciht mehr ganz abkaufen.
"She saw me coming" ist an den 80er- Jahre- Rock angelehnt. Wirkt irgendwie etwas lächerlich; zumindest aber blutleer.
"Biggest mistake", Rock and Roller im klassischeren Stil. Geht so.
Die ballade "This place is empty" hört sich gar nicht schlecht an, mit Keith Richards' "Sprechgesang"! Ich hätte es nicht schlecht gefunden, wenn diese CD mehr in diese Richtung geprägt gewesen wäre (statt so viel Rock and Roller); passt irgendwie mehr zum Alter der Stones.
"Oh no, not you again", sehr schneller Rock and Roller, wie aus den 80er- Jahren der Band.
"Dangerous Beauty" versucht mal wieder mit harten Riffs zu überzeugen.
"Laugh, I nearly died", eine Ballade, die sich an ältere Songs anlehnt. Naja!
"Sweet Neo Con": nicht besonders innovativ; klingt nach typischem 80er- Sitl der Band.
"Look what the cat dragged in", sehr schneller und harter Rock and Roller. Nicht besonders innovativ; aber wirklich gewagt für das Alter der Band, das man beim Hören von diesem Song der Band wirklich nicht ansieht (bzw. anhört)!
"Driving too fast", noch mal Rock and Roll. Wenig innovativ.
"Infamy", schnellere Blues- Rockballade, von Keith Richards, die an schon bekannte, neuere Stones- Song- Ideen anknüpft (z.B. "Like a rolling stone"). Auf die Bluesharp, wie man sie bei den Stones als Stilmittel schon lange schätzt, soll hier nicht verzichtet werden. Einer der besseren Songs hier.
FAZIT: die Rolling Stones, wie man sie kennt! Allerdings auch sehr überraschend!
WEr hätte gedacht, dass die band mit über 60 Jahren ein vor allem Rock and Roll- geprägtes Album herausbringt?
Ich bin mir aber nicht sicher, ob diese Entscheidung besonders gut war! Insbesondere auf einige Hardrock- Songs nach altem Muster hätte man vllt. ruhig zu Gunsten einiger neuer Balladen verzichten können, die auch die Glaubwürdigkeit der Band in punkto Alter besser berücksichtigen würde, oder? So bleibt EInem beim Hören nämlich ständig ein wenig das Gefühl, dass die Band "nicht älter werden" will, sich vor allem als gefeierte Rocker vor der Jugend gefallen will?! - Das wäre nämlich inwzischen immer unglaubwürdiger.
Neue Ideen, Innovatives, findet man auf diesem Album eher weniger. Dennoch einige gute Songs auch hier!
Stellenweise hat man den Eindruck, dass die Stones durch ihre starke Hinwendung auf schon bekanntes Song- Material aber sehr Gefahr laufen, hiermit allmählich eine Karikatur ihrer selbst zu werden. Man hat ein wenig das Gefühl, dass hier alte Männer (z.B. vor jungen Damen) durch Schminke und übertrieben affektiertes Verhalten ihr wahres Alter vertuschen wollen (auf das sie nicht besonders stolz sind)!
Bestätigt wird dieses Gefühl auch durch die (wieder einmal ziemlich) schwachen Texte der Songs.
Mit langsameren Blues- Balladen à la Keith Richards wirken die Stones aber noch sehr glaubwürdig (allerdings überwiegen hier die schnellen Rock and Roller!).
Sicher eines der schwächsten Alben der Stones. Neues wird hier nicht überzeugend dargeboten. Dennoch überraschend vital, vor allem rockig.
Man hat allerings ein wenig den Eindruck, dass hier auch mit den 16 Songs die Quantität der Songs ein wenig die insgesamt schwächere Qualität der Songs vertuschen soll.
Dennoch: auch wenn ich den Versuch, hier vor allem noch mal ein schnelles Rockalbum vorlegen zu wollen, nicht für besonders gut, weil unglaubwürdig halte, so würde man auf einer Rock and Roll- Party hier in Verbindung mit (den typischen Rock and Roll- Tanz) mittanzenden Gästen ein großes Erlebnis haben können!
Daher: Für Rolling- Stones- (und Rock and Roll-) Fans durchaus hörbar, wenn auch nicht mehr ganz passend für die nachlassende Gesundheit und Kraft dieser Band!