Ein Hörbuch zum Thema Jazz wird natürlich auf ein sehr gemischtes Publikum treffen - einige Hörer werden ganz ohne Vorkenntnisse, andere mit sehr detailierten Vorkenntnissen daran gehen. Die Autoren werden es kaum beiden recht machen können. Insgesamt finde ich die Mischung im vorliegenden Fall sehr gut gelungen: Der Text wird nie weitschweifig, bleibt immer am Thema. Wenn der Anfänger tatsächlich mal einen Satz nicht versteht, weil er nicht weiß, was die 4. Stufe einer Tonleiter ist oder was eine Akkordbrechung ist, dann bleibt eben dieser eine Satz unverstanden und der Rest bleibt ein gutes Hörbuch. Wollte man alles das auch erklären, hätte man nicht mehr 99x Jazz sondern 999x Musiktheorie. Amüsant und unterhaltsam wäre das nicht mehr. Insgesamt wird so selten Wissen vorausgesetzt, dass ich überzeugt bin: Dieses Hörbuch ist ohne nennenswerte Vorkenntnisse hörbar.
Der Profi würde sich vielleicht mehr Details wünschen, müsste dann aber auch dazu sagen, was er weglassen würde oder wieviel mehr er für mehr CDs bezahlen wollte.
Roger Willemsen als Sprecher war eine exzellente Wahl. Es macht Freude ihm zuzuhören und man glaubt ihm, dass seine Begeisterung für den Jazz echt ist. (Auch Götz Alsman ist keine schlechte Wahl: Das Buch steht für unterhaltsame Darstellung des Jazz für ein großes Publikum - wer würde das in Deutschland glaubhafter verkörpern als er?)
Warum das Hörbuch nicht fünf Sterne bekommt? Zwei Gründe:
1. Es sind wirklich zu wenige Hörbeispiele. Zwar erwähnt Willemsen wie die jeweiligen Musiker heißen und welche Stücke wichtig sind, so dass man sie bei Youtube anhören könnte, aber beim Autofahren hilft das gar nicht. Mehr Hörbeispiele wären besser gewesen.
2. Die O-Töne der Musiker sind oft auf Englisch und sie werden nicht übersetzt. Wer nicht genügend Englisch versteht, erhält nicht einmal eine kurze deutsche Zusammenfassung des Gesagten. Und das ist wirklich schade.
Kurzum: Das Hörbuch ist eine Kaufempfehlung für den, der unterhaltsam nebenbei ein wenig über Jazz lernen will. Es will aber kein Handbuch der Jazzgeschichte und keine Harmonielehre ersetzen.