Aus der Amazon.de-Redaktion
Was auch immer der Titel bedeuten mag, mit
9866 haben Alex Gunia & Peace einen Fortschritt gemacht. Fort von der inhaltlich auch falschen Plakativität des letzten Albums, die sich schon im dümmlichen Titel
Jazz Is Dead Since 69 ankündigte: Ganz ohne ihn -- den Jazz -- geht es bei solcher Musike gar nicht. Bandleader und Gitarrist Gunia, der in den 90er-Jahren mit der kantigen Fusion-Band
Matalex zu einer gewissen internationalen Bekanntheit gekommen ist und mit Künstlern wie Billy Cobham, Mike Stern, Thomas D., Albert Mangelsdorf, Danny Gottlieb u. a. gearbeitet hat, ist eine sorgfältige Produktion gelungen, die irgendwie altmodisch ist, aber -- oder gerade weil sie -- mit modernen Mitteln gemacht ist.
Auf knapp acht Minuten schweren Space-Rock und dunkle Gitarrenflächen folgt ein flockiger Housebeat mit spaciger Gitarre, sachte tropfendem E-Piano und suggestiv-komischem Rockriff-Einschub, dann wird Nils-Petter Molvaers Trompete in einer klangatmsophärisch King Crimson zugewandten Rocknummer eingebaut. Modern ist das nicht und muss es auch nicht sein; europäisch ist es zweifellos -- nicht in der Art allerdings, wie man sie von Bugge Wesseltoft und Nils Petter Molvaer kennt, beide mit von der Partie. Und so "cheesy" und wenig elastisch diese Art Fusion von Elektronik, Rock und Ambient-Jazz auch ist, irgendwie erreicht sie doch den Bauch des Hörers. So gesehen ist 9866 zwar kein innovatives Album -- dafür gibt es in der nordwesteuropäischen Vergangenheit zu viele klare Bezüge wie Kraut und Progressive Rock --, aber ein eigenständiges. Und merke: Play Loud! --Rolf Jäger