Dieser Film fordert unterschiedliche Meinungen geradezu heraus. Hier gibt es (nachgestellte) Live-Musik, die nicht jedermanns Geschmack entspricht. Die 9 (oder besser 8 Songs) sind unspektakulär. Dennoch könnten Konzertbesucher einen schönen Abend in dieser Atmosphäre genießen.
Die Story des Films ist sehr dürftig: Lisa, eine egoistische 21jähirige US-Amerikanerin lebt eine initime Beziehung mit Matt aus. Dieser scheint mehr als eine kurze erotische Liebelei zu wollen, findet sich aber mit Lisas Abreise ab. Die Zwischensequenzen in der Antarktis sind eher belanglos als erhellend.
Neben Konzerten, Liebesgeschichten und Antarktis zeigt dieser Film explizite Sexszenen. Ohne pornografisch zu wirken - allerdings liegt das sicherlich im Auge des Betrachters. Ein typischer konservativer republikanischer US-Amerikaner steht Nacktheit bekanntlich öffentlich sehr negativ gegenüber. Die Begründung ist die Jugendgefährdung. Diese Aussage würde ein lieberaler Mitteleuropäer nicht mit Nacktheit alleine begründen wollen.
Und hier zeigen sich eben die unterschiedlichen Perspektiven, die wohl zur Hauptdiskussion bei den Zuschauern und Kritikern geführt haben. Ist es gewünscht, dass ungeschminkte Schauspieler Sexszenen authentisch und deutlich sichtbar darstellen? Ist es anrüchig, wenn ein Höhepunkt beider Hauptdarsteller nicht nur gespielt wird, sondern erkenntlich wirklich stattfindet?
Meiner Meinung nach ist das beste am diesem Film der unverkrampfte Umgang mit einem menschlichen Grundbedürfnis - Sexualität. Was soll heute noch negativ für einen Jugendlichen ab 16 sein, wenn er oder sie Genitalien oder Sex bis zum Ende sieht?
Ein Porno ist dieser Film jedoch nicht, wenn Pornographie so definiert wird, dass eine sexuelle Handlung angeregt werden soll. Hier werden keine blondierten, vom Schönheitschirurgen aufgeblasene Silikondummchen und keine sexbesessenen, immer wollende und könnende, hirnlose Supermachos dargestellt.
Die Interviews mit Michael Winterbottom und Margot Stilley sind sehr aufschlussreich.
Alles in allem könnte 9 Songs ein Meilenstein in der Neubewertung des Jugendschutzes werden. Mit dem Ergebnis, dass Gewalt- und Horrorfilme strengere Auflagen erhalten, als die natürliche Darstellung von nackten Körpern. Allerdings wird aufgrund der mageren Handlung und mittelmäßigen Charaktere sowie der belanglosen Musik dieser Film in Vergessenheit geraten, sobald es bei Blockbustern erlaubt wird Szenen freizügiger zu zeigen, wenn es dem Inhalt eines Filmes dient.