Ein absoluter Erotik-Klassiker. Sagt man. Immer wieder. Auch hier überwiegen die positiven Rezensionen. Und wo alles liebt, kann ich allein nicht hassen...
Ähm - doch, kann ich. Außerdem bin ich da ja auch nicht GANZ allein hier.
Die Hörigkeits-Beziehung zwischen Basinger und Rourke empfand ich nicht eine Sekunde lang als glaubhaft, schon gar nicht als erotisch, prickelnd, Tabu-brechend oder sonstwie aufregend. Sicher, manche Sexspiel-Szene (Eiswürfel, Augenbinde, Blind-Füttern) wäre ja ganz ansprechend gewesen, wenn nicht dieses absolut konstruierte Drumrum gewesen wäre. So, wie Basinger und Rourke miteinander agieren, erklären sich weder diese verspielten Liebesmomente noch die eher peinliche als faszinierend-schockierende SM-Behauptung.
Basinger ist - selbstverständlich - eine emanzipierte Intellektuelle, die gar freche Sprüche über die Männerwelt auf Lager hat, die allesamt artig auswendig gelernt klingen. (Standen wohl so im Drehbuch). Kaum biegt Herr Rourke um die Ecke, kann Frau Basinger keinen klaren Satz mehr sprechen, guckt nur noch ganz doll verwirrt, nestelt sich durchs Blondhaar und übers Kleidchen und schaut krampfhaft weg. Stand wohl entweder auch so im Drehbuch und sie hats auswendig gelernt, oder dem Regisseur fiel nichts mehr ein, als seiner Schauspielerin diese Mittel aus dem Grundkurs Schauspiel ("Wie spiele ich "Irritation"") zu empfehlen. Denn an Mickey Rourke kanns nicht gelegen haben - der schien nämlich keine Lust auf den Film zu haben, oder er hat die Basinger nicht gemocht. Und irgendwo habe ich es auch mal gelesen, daß sich die beiden Hollywood-Größen am Set absolut nicht verstanden haben, und DAS glaube ich sofort.
Rourke hat den ganzen Film über nur einen Gesichtsausdruck drauf, und am Ende des Filmes dann doch noch mal einen anderen, aber da wars auch schon egal. ER spielte einfach nur: Ich grinse und bin unwiderstehlich, denn so stehts im Drehbuch.
Seine "suptilen Grausamkeiten", die die Hörigkeit der schönen Widerspenstigen anheizen sollen, wirken auf mich so wie plumpe Rüpeleien. So überredet er einmal seine Kim, in ein leeres Riesenrad zu steigen, weil sie doch mal über sich hinauswachsen und was ganz verrücktes machen solle. Kimi spielt nein-ach-nein-ich-will-nicht-aber-ich-muß-irgendie-und-ach-ich-weiß-nicht-was-soll-es-bedeuten, wie fremdgesteuert sitzt sie dann wirklich in dem Teil (vermutlich erinnerte sie sich daran, das es so im Drehbuch stand...), und Rourke animiert den Schausteller, das Rad laufen zu lassen. Man ahnt, was kommt - Mickey läßt das Rad anhalten, als Kimi oben ist, sie zetert (Drehbuch, nehme ich mal an), er lacht und geht mit dem Schausteller einen trinken. Und Kimi muß ganz allein runterklettern. - Natürlich geht sie danach, wie Frauen es in solchen Filmen dann machen, beim nächsten Treffen hysterisch auf diesen Unhold zu und schmeißt - glaub ich - irgendwas, Rourke kontert mit seinem einen Gesichtsausdruck, und sie schmilzt dahin.
Beim Blindfüttern (also, Sex mit vorher Augen verbinden, und er steckt ihr irgendwas Essbares in den Mund) ist es der SM-Höhepunkt, daß er ihr auch mal was mit Senf verabreicht. Und die Basinger muß ständig die Mittel vom Treffen 1 nutzen - Irritation und Nein und Ich-kann-nicht-anders hoch und runter.
In einer "Schlüsselszene" geht Herr Rourke man kurz aus der Wohnung und verfügt, Madame habe zu warten. Allerdings bleibt er Stunden weg, und jede halbwegs klare Frau wäre irgendwann auch mal losmarschiert. Basinger entscheidet sich für Plan B, langweilt sich und inspiziert denn mal Rourkes Schubladen. Böse böse böse. Prompt ruft Rourke an, Madame geht auch wirklich ans fremde Telefon - und der Herr erklärt, er sitze irgendwo so vor sich hin und überlege, ob sein Hasi denn ein artiges Mädchen sei. Ein artiges Mädchen ginge ja nicht an fremde Schubladen... Schluck, zitter, achachach... unter urkomischen Überwindungsqualen wispert die Basinger in den Hörer, sie habe DOCH... Schnitt, Rourke steht wie ein schwerst enttäuschter Racheengel im Raume und keucht was von unbedingtem Vertrauen, und daß er das nun nicht mehr habe...
Statt den Kerl zu fragen, ob er einen an der Klatsche hat, stundenlang zu verschwinden und dann Testanrufe zu machen, bleibt Frau B. stoisch bei "Ich bin ja so verwirrt..."
Zum Schluß, als sie denn doch mal auf die Idee kommt, sie könne ihn ja auch verlassen, wird Rourke plötzlich zum Typen mit schwerer Kindheit, der ja auch nur Liebe sucht. Und kaum fleht er um ihr Bleiben, tut sie das, was seelisch mißhandelte, emanzipierte, intellektuelle Frauen in Filmen dann immer tun: Sie geht hocherhobenen Hauptes.
Ich bin immer wieder erschüttert über dieses Männer- und Frauenbild: Frauen wollen eigentlich doch den Mistkerl, und Männer können nichts Dümmeres machen, als sich mal ehrlich und verletzlich zu zeigen - dann sind sie nämlich Flaschen und erbärmlich und werden verlassen.
Nein, dieser äußerst merkwürdige Totalerfolg des erotischen Films kann in seiner Verkrampftheit nicht mit den 80igern entschuldigt werden, denn schon Jahre vorher (1946!) spielten Jennifer Jones und Gregory Peck in "Duell in der Sonne" mal überzeugend Hörigkeit, SM, Leidenschaft und Gegenwehr vor. Da hats geklappt. Hier nicht.
Den Film kann man sich gerne an einem DVD-Abend mit Freunden antun, wenn man sich mal über unfreiwillige SitCom bei Bier und Chips amüsieren will. Erotik ist anders.