Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis über Rilkes Lyrik. Der Dichter hat mit seiner Sprache etwas veritabel Eigenes geschaffen, wie es in der deutschen Lyrik nur ganz Wenigen vergönnt war.
Hier kommt einiges zusammen: die Wahl der Reimform, die Art der Überleitung der Reime, der eigenartige Sprachrhythmus, die Wahl der Adjektive. Vor allem aber die grandiosen Allegorien und nie dagewesenen Metaphern. Der Mann ist der Meister der Metapher unter den deutschen Lyrikern.
Rilke hat seine eigene Sprache und seinen Stil gefunden. Das macht diese Sammlung sehr deutlich. Ein Beispiel für eine geglückte Zusammenstellung, jedes Werk vollständig und mit Namen versehen.
So tief hat außer Rilke sich keiner in die Sprache hineinsinken lassen, hat die Sätze und ihren scheinbaren Gehalt auseinandergenommen und neu verflochten.
Verschlungene, gleichsam ineinander gleitende Verse, wie tanzend, in einem manchmal regelrecht betörenden Sprachrhythmus. Rilkes Beherrschung der Sprache kann man getrost genial nennen.
Manche dieser Gedichte überwältigen einen oder machen einen - d. i. zumindest mich - schlicht glücklich und man könnte sagen, dass, wer so schreiben kann, Gott wirklich ein Stück näher gekommen sein muss.