Als Matt Scudder (Jeff Bridges) von der Drogenfahndung und sein Kollege in einem Hubschrauber hoch über den Dächern von Los Angeles mit ruhigen Stimmen über die 8 Millionen Möglichkeiten zu sterben sinnieren, die die unter ihnen liegende Großstadt für ihre Bewohner bereit hält, ahnen wir noch nichts von der verhängnisvollen Entscheidung, die Scudder in wenigen Minuten treffen wird. Ganz im Gegenteil, wir sehen die Stadt unter uns und hören die vernunftgetragenen Stimmen und fragen uns, welcher Arbeit diese Männer wohl nachgehen.
Als die Cops dann in einer sehr bescheidenen Wohngegend landen, warnt Scudder seine Mitarbeiter, sich nicht in einer der über die Hinterhöfe gespannten Wäscheleinen zu verfangen - was ein wenig ironisch ist, denn in gewisser Weise geschieht ihm genau das, als er wenige Augenblicke später einen Verdächtigen vor den Augen seiner Familie in deren Küche erschießt. Er hat seinem Kollegen helfen wollen, auf den der Verdächtige mit einem Baseball-Schläger einprügelte, doch dummerweise hat er vor dem Einsatz ein, zwei Schluck Whiskey getrunken, denn ganz ohne Droge kann er leider keine Drogenfahndung betreiben. Und dies kostet ihn die Marke.
"8 Million Ways to Die" (1986) war der letzte Kinofilm des Regisseurs Hal Ashby, der selbst mit Drogenproblemen zu kämpfen hatte. Da Ashby in der Post-Produktion der romantischen Komödie "The Slugger's Wife" (1985) aus dem leichten, kommerzorientierten Film einen schwer verdaulichen avantgardistischen Stoff gemacht hatte, feuerte man ihn kurzerhand am letzten Tag der Dreharbeiten von "8 Million Ways to Die", um die Verdaulichkeit dieses Actionfilms nicht zu gefährden. Dennoch merkt man diesem Film immer noch die Handschrift eines außergewöhnlichen Regisseurs an.
Nach seiner Entfernung aus dem Polizeidienst versinkt Scudder im Alkoholsumpf, und die Darstellung dieses Abstieges - hier tauchen einfach ein paar verschwommene Lichter aus einer unbestimmten Dunkelheit auf, in die sich verschiedene Dialogfetzen mischen, die im Zuge der Suspendierung Scudders fielen - verrät, daß hier nicht ein Irgendwer Regie führte. Über die Anonymen Alkoholiker - auch hier ein bezeichnender Kameraschwenk über eine Auswahl der verschiedensten Menschen aus allen Alters- und Gesellschaftsgruppen, die in Kaugummi, Zigaretten oder Zigarren Zuflucht vor ihrer alles beherrschenden Alkoholsucht zu finden trachten - lernt Scudder dann das Callgirl Sunny (Alexandra Paul) kennen, das mit seiner Hilfe aus Prostitution und Drogengeschäften aussteigen will. Hierdurch zieht sie sich den Zorn des schmierigen Dealerbosses Angel Moldonado (Andy Garcia) zu, der sie als unbequeme Zeugin aus dem Wege räumt. Scudder ist fest entschlossen, den Tod der jungen Frau, in die er sich verliebt hatte, zu rächen, und so schließt er sich mit dem zwielichtigen Chance (Randy Brooks) und dem Callgirl Sarah (Rosanna Arquette) zusammen, um Angel das Handwerk zu legen.
"8 Million Ways to Die" ist ein solider Krimi, der auf einem Drehbuch von Oliver Stone basiert und in einem furiosen Finale endet, das die Abhängigkeit des Dealers von dem Stoff, auf dem sein Reichtum basiert, auf sehr ironische Weise ins Licht setzt. Bis auf Alexandra Paul, die wie so oft blaß und farblos herüberkommt, wissen die Darsteller zu überzeugen. Andy Garcia brilliert in seinem ersten großen Kinofilm als launisch-psychopathischer Dealer mit lächerlich mickrigem Pferdeschwänzchen, und wer Jeff Bridges vor allem aus seinen späteren Rollen kennt, wird von seiner Darstellung des desillusionierten Alkoholikers, der langsam wieder ins Leben zurückfindet, überrascht sein.
"8 Million Ways to Die" ist aber nicht nur Action und Geschwindigkeit, sondern der Film hat auch einen ziemlich zu Herzen gehenden Moment - wenn sich Scudder und Sarah am Morgen nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht näher kennenlernen und hinter dem Alkoholiker und der Hure mit einem Male die Menschen hervortreten.
Sicher kein sehr bekannter, aber ein ziemlich guter Film. Die DVD-Version bietet neben der deutschen auch die originale sowie die italienische Tonspur. Nennenswerte Extras gibt es indes nicht.