Diese Liveaufnahme stammt aus der, zumindest kommerziell erfolgreichsten Phase der Band. Neben den beiden kreativen Köpfen Zawinul und Shorter steht hier ganz besonders Jaco Pastorius im Focus, dessen innovatives E-Bass Spiel für einige Highlights sorgt. Ungewöhnlich ist, dass neben dem druckvoll agierenden Schlagzeuger Peter Erskine kein weiterer Perkussionist im Team war. Einige wenige rytmische Einstreuungen wurden wohl von den drei Melodikern (als solchen kann man Pastorius aufgrund seines singenden Tones durchaus zählen) übernommen. So bleibt im Ergebnis ein zwiespältiges musikalisches Bild. Durch den zwar äußerst virtuosen, aber soundmäßig elektronisch-kühlen Bass und das Fehlen der perkussiven Elemente vermisst man in einigen Passagen die emotionale Tiefe. Zu sehr stehen oft Elektronik und Können im Vordergrund. Gerade die Paradenummer Black Market ist in diesem Kontext eher schwach. Zu diesen Höhenpunkten gehören die damaligen Hits Birdland und A remarke you made sowie das Pastorius-Vehikel Slang. Stark enttäucht das ziellose Saxophon-Solo Wayne Shorters, dass auch unter dem Hauptmanko der Veröffentlichung leidet. Dieses ist die Klangqualität, die bestenfalls miserabel zu benoten ist. Da ich die LP-Version der Aufnahme nicht besitze kann ich keinen Vergleich zur CD erstellen, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass die Perfektionisten Zawinul und Shorter die analoge Version in dieser bestenfalls für einen Bootleg akzeptablen Qualität zugelassen hätte. Noch schlechter vorstellbar, dass damals der Sound in den Hallen wirklich so mies war, auch wenn die akustischen und technischen Möglichkeiten noch nicht auf heitigem Niveau waren. Die tatsächliche Dauer der Live-Aufnahmen ist übrigends knapp eine Stunde. Die Studioaufnahmen der damaligen 4. LP-Seite sind nicht weiter relevant und bieten teilsweise gar nur mäßige Variationen der Live-Titel. Da rettet auch der etwas bessere Klang nichts.