Wer sich heutzutage dem Neukauf-Wahn der Freaks verweigert und sein älteres, durchaus ausreichendes System durch Aufrüsten erhalten will, steht bei AGP-Grafikkarten längst vor einem auf ein paar Notnägel ausgedünnten Angebot. Die nVidia Geforce 7600GT ist hier ein echtes Ausnahmeprodukt.
Die Karte arbeitet mit einem Grafikprozessor, dem in einschlägigen Testforen durchwegs starke Leistungen attestiert werden. Im Verbund mit 512 MB schnellem Grafikspeicher reicht er für durchschnittliche AnwenderInnen allemal, auch für anspruchsvollere Grafikanwendungen und Spiele. Sogar DirectX 10 wird unterstützt. Letzteres wirkt sich allerdings nur dann aus, wenn das Betriebssystem Windows Vista oder höher ist. Windows XP unterstützt DirectX nur bis zur Version 9.
Auch Röhrenmonitore gehören zu einer aussterbenden Spezies, selbst wenn Grafiker und Fotografen immer noch von deren einzigartiger Darstellungsqualität schwärmen. Die meisten aktuellen Grafikkarten haben daher keinen VGA-Ausgang mehr, oder nur noch einen qualitativ schwachen "Notausgang" für die Röhre. Auch hier besticht die 7600GT mit Vollausstattung: Sie bietet einen hochwertigen VGA-Ausgang, einen weiteren gemäß DVI-Norm moderner LCD-Flundern, und einen S-Video Ausgang.
Die hier angebotene Retail-Version der Karte kommt spartanisch aber zweckmäßig ausgestattet in einer schwachwandigen Kartonschachtel. Darin findet man die Karte selbst, Treiber-CD, ein Adapterkabel für S-Video, ein Molex-Y-Kabel (falls das Netzteil keinen freien Anschluss mehr hat; die Karte braucht ihre eigene Spannungsversorgung), und ein Folder mit der Einbauanleitung. Falls, wie bei alten Rechnern öfter der Fall, Slotblech-Schrauben fehlen: Der Karte ist keine beigepackt.
Die Anleitung führt auch weniger geübte Computer-Schrauber sicher Punkt für Punkt zum gelungenen Einbau, der auf meinem Rechner problemlos verlief.
Die Treiberinstallation geht ebenso einfach vonstatten, so man sich penibel an die Installationsanleitung hält. In meinem Fall hatte die Treiber-CD leider einen brutalen Pressfehler und war unlesbar. Ein Fauxpas der Qualitätskontrolle, der dem Hersteller bei aktuellen PCI-e Karten wohl kaum passieren wird... Aber es empfiehlt sich sowieso, das aktuellere Treiberpaket von Nvidia.com herunterzuladen und damit von vornherein die neueste Software zu installieren. Insofern war die defekte CD zu verschmerzen und schon gar kein Grund die Karte wieder auszubauen und das Paket zu reklamieren...
Der Leistungssprung nach erfolgreichem Einbau war durchaus beeindruckend: Die brave ELSA Gladiac durfte nach fast zehn Jahren in den Ruhestand treten, die einstige Referenzkarte hatte eine würdige Nachfolgerin bekommen. Da war kein Ruckeln mehr bei halbwegs aktuellen Rollen- und Strategiespielen, Videos wurden flüssig, mit brillanten Farben und gestochen scharf dargestellt. Der Lüfter läuft flüsterleise. Die Karte arbeitet seit einem Monat absolut zufriedenstellend und stabil, gibt sich sogar mit dem mickrigen 250W-Netzteil zufrieden. Erstaunlicherweise läuft der Rechner insgesamt flotter, auch bei nicht anzeigelastigen Anwendungen. Ein Bluescreen unmittelbar nach Installation hatte seine Ursache im deaktivierten Video-Shadowing des Uralt-Bios. Diese Kleinigkeit war rasch korrigiert.
Test-System: Pentium IV 2,4GHz, 2 GB RAM; IDE-Platte 5.400 U/min 80GB, Windows XP SP3