"Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen." Mit dieser persönlich erfahrenen Weisheit hat die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjkam Pressler ihren Beitrag in dem von Ute Karen Seggelke herausgegebenen Band 60 Jahre und ein bisschen weiser" überschrieben. Es war der erste von insgesamt 21 Beiträgen von mehr oder weniger bekannten Frauen, den der Rezensent gelesen hat, ist doch Mirjam Pressler durch ihre Bücher und ihre Übersetzungen aus dem Holländischen, Flämischen und vor allem Hebräischen eine liebe Zeitgenossin geworden, der er oft wöchentlich in ihre Büchern begegnet. Hier in diesem mit ganzseitigen Schwarz-Weiß-Porträts der jeweiligen Frauen und zahlreichen anderen Bildern aus ihrem Leben ausgestatteten Buch hatte ich die wunderbare Gelegenheit, mehr von ihr und ihrem Leben zu erfahren. Denn unter der Frragestellung, was sich durch das Älterwerden und Überschreiten der Altersgrenze von 60 Jahren für sie verändert hat, die die Herausgeberin allen Autorinnen des Bandes gab, haben alle 21 Frauen auf ihre Weise erzählt von ihrem Leben, ihren Lebenskrisen und ihrer Lebensphilosophie, und wie sie sich mit dem reifen Alter gewandelt hat.
So wie es für den Rezensenten der Text von Mirjam Pressler war, so wird es für andere Leserinnen und Leser etwa der Text der Künstlerin Annegret Soltau sein, oder der von Christine Kaufmann, vielleicht auch der der ungewöhnlichen Jazzpianistin Irene Schweizer oder der exzentrischen Künstlerin und Cafetiere Susanne Widl.
Wie schon in anderen Büchern über Frauen, ihr Verhältnis zueinander und zu ihren Vätern und Müttern, gelingt es Ute Karen Seggelke auch hier wieder meisterhaft, Frauen zum Sprechen und Schreiben über das zu bringen, was nicht an der Oberfläche erkennbar ist, was somit nicht in den Medien steht, was bisher unbekannt war von ihnen.
Das Buch ist in seiner Vielfalt von Erfahrungen ein Quell der Ermutigung und Bereicherung dafür, sein Leben mit all seinen Krisen und Chancen anzunehmen, das Alter bei allen Einschränkungen als Chance zu begreifen und, "wenn das Glück kommt, ihm einen Stuhl hinzustellen."