So ist das mit den Filmen von Labels wie "Störkanal" oder "Kino Kontrovers".
Immer wieder sehr lobenswert, daß hier wirklich unbekannte Independent Filme ein cineastisch interessiertes Publikum finden, und daß es sich hier wirklich um Filme handelt, die es dem Rezensenten nicht einfach machen.
Gerade zu diesem Werk habe ich ein äusserst zwiespältiges Verhältnis.
Fand ich den Film beim ersten Schauen noch ganz ansprechend, fallen doch bei genauem Hinsehen gravierende Mängel auf, die mehr als zwei Sterne nicht rechtfertigen.
Der Film hat seine Momente, besonders in der ersten halben Stunde, verliert aber dann erdrutschartig an Qualität und Spannung.
Er hat einfach ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, was mir obwohl ich kein Logik- Pedant bin doch zunehmend massiv auf den Magen schlug.
Ein unbedarfter Student hat einen alltäglichen Fahrradunfall.
Da er sich doch einige blutige Schrammen zugezogen hat, klingelt er am Haus einer unbedarften Vorstadtfamilie.
Das aseptisch, bieder und gepflegte Gebäude mit blühendem Vorgarten ist die Idealkulisse hinter der sich, wie der geübte Zuschauer weiß, verdeckt unter der Fassade der bürgerlichen, gut betuchten Bravheit, finstere dunkle Abgründe auftun können.
Tatsächlich wird der Student unfreiwilliger und unbequem, lästiger Zeuge einer blutigen Straftat.
Damit scheint sein Schicksal besiegelt. Er wird überwältigt und in der Dachkammer eingesperrt. Nicht wissend wie lange er noch am Leben gelassen wird.
Das Familienoberhaupt, psychopathisch bis in die Haarwurzeln ist ein sich zur Selbstjustiz berufen fühlender Familienvater mit pervertiertem Gerechtigkeitssinn, der mit grausigen Mitteln allen moralischen Übeltätern der Umgebung den Garaus machen will.
Seine ihm zur Seite stehende Tochter ist sein Handlanger.
Seine Ehefrau, eine gedemütigte, seelisch zerstörte, willenlose Mittäterin.
Doch ist er auch begeisterter Schachspieler und eröffnet dem gefangengesetzten Opfer eine Überlebensmöglichkeit.
Sollte er ihn beim Schachspielen schlagen winkt die Freiheit.
Der Student willigt widerwillig ein, wird jedoch sogartig selbst in die Faszination des Schachspiels hineingezogen, sodaß er sogar die Riesenmöglichkeit zur Flucht verstreichen läßt.
Er ahnt dabei nicht, daß im Dunkel des Kellers eine monströs arrangierte ,noch ganz anders geartete Schachpartie auf ihn wartet.
Die ersten dreißig Minuten, die vergeblichen Fluchtversuche des Jungen, seine Idee eine Kassette mit einem gefilmten Hilferuf, (er ist Filmstudent und hatte zufällig eine Handkamera dabei) nach draußen auf den Gehsteig zu werfen, ist hochspannend.
Auch die Darstellung der Familie, die in ihrer vollkommen wirkenden Normalheit sich am Mittagstisch über Banalitäten unterhält, während sie gleichzeitig unbehelligt furchtbare Morde begeht, ist sehr gut.
Doch danach lahmt der Film zusehends. Ein erstes Kopfschütteln kam bei mir auf bei dem Charakter der Tochter.
Sehr bald wird uns vermittelt, daß diese in die Fußstapfen des Vaters treten soll, quasi seine moralische Säuberungsarbeit in der sogenannten Vorstadtidylle fortführend.
Die "Reifeprüfung", bestehend aus dem Überfall und der geplanten Hinrichtung eines in der Nachbarschaft lebenden Pädophilen mißlingt jedoch gründlich.
Hier stellt sich also wirklich die Frage warum niemals in irgendeiner Form Polizei, Umgebung, bei der Anzahl von Morden und Vermißtmeldungen wenigstens zumindest einmal Nachforschungen anstellt, oder Verdacht schöpft.
Unbehelligt von außen agiert diese verschworene Gemeinschaft.
Endgültig verloren hat der Film durch die wahnsinnige Unglaubwürdigkeit in bezug auf die geglückte Flucht des Jungen. Obwohl er auf der offenen Straße steht, das Taxi, das ihn sofort zur nächsten Polizeistation bringen könnte vor sich, macht er auf dem Absatz kehrt, nur um am Abend das Schachspiel mit seinem Peiniger für sich entscheiden zu können.
Als möglicher Erklärungsversuch wird uns hier noch ein versteckter Vaterkomplex untergejubelt.
Das ist in der plötzlichen Entwicklung des Charakters, und der so nicht verständlichen Handlungsweise ein absoluter dramaturgischer Fehlgriff, der den Zuschauer verärgert und das weitere Mitfiebern unmöglich macht.
Das ist äusserst bedauerlich ist doch der Einfall mit dem Schachspiel des absoluten Grauens, näher möchte ich nicht darauf eingehen, das schon im Keller aufgebaut ist, ein grossartige, groteske Pointe.
Sie verpufft ins Leere durch vorherige eklatante Handlungsdefizite.
Unglaubwürdig am Ende der Verbleib der Tochter. Nach einem weiteren Mord wird ihr Schicksal nicht weiter aufgeklärt.
Viele, viele Regiefehler verderben das Vergnügen und sorgen für Langeweile.
Dieses Filmchen bleibt in seiner unbeholfenen Machart nicht im Gedächtnis.
Sofort fielen mir zwei in ihrer Thematik um den gerechtigkeitsversessenen Pschopathen, mit der nach außen lupenreinen Weste wirkliche Klassiker der letzten Jahre ein. Zum ersten "Dämonisch" und dann den unter die Haut gehenden, beinharten und genialen "The Woman" nach einem Buch von Jack Ketchum.
"5150 Elms Way" scheitert dagegen letztendlich an Unlogik, Mängeln in Story- und Charakterführung und kommt somit über unteres Mittelmaß nicht hinaus.