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5000 Jahre Geometrie: Geschichte, Kulturen, Menschen (Vom Zählstein zum Computer)
 
 
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5000 Jahre Geometrie: Geschichte, Kulturen, Menschen (Vom Zählstein zum Computer) [Gebundene Ausgabe]

Christoph J. Scriba , Peter Schreiber
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Spektrum der Wissenschaft

Die Projektgruppe "Geschichte der Mathematik" an der Universität Hildesheim gibt eine Buchreihe heraus mit einem anspruchsvollen Ziel: "die Entwicklung der wichtigsten Teilgebiete der Mathematik von ihren Anfängen bis in unsere Tage [zu behandeln], eingebettet in die Kulturgeschichte der verschiedenen Epochen und Zonen unserer Erde und dargestellt in einer zum Selbststudium und als Material zum Fernstudium geeigneten Weise". Der erste Band der Reihe, "Vom Zählstein zum Computer" (Franzbecker, Hildesheim 1997), enthält eine sehr gedrängte Übersicht zur Geschichte der Mathematik von Hans Wußing (rund 60 Seiten) sowie 50 kurze Mathematikerbiografien, dazu Tafeln und Karten. Der nun vorliegende zweite Band zur Geschichte der Geometrie füllt eine Lücke in der deutschsprachigen Literatur; denn abgesehen von Spezialuntersuchungen wie Johannes Tropfkes unübertroffener, aber leider nicht neu bearbeiteter "Geschichte der Elementarmathematik" Band 4 (Berlin 1940) gibt es bislang nur die eher summarische "Geschichte der Geometrie" von Klaus Mainzer (Mannheim 1980). Das Werk enthält neun Kapitel, die im Wesentlichen chronologisch geordnet von den Anfängen in vorgriechischer Zeit (Babylon, Ägypten) über die klassische Geometrie der Griechen und das europäische Mittelalter bis in die Gegenwart fortschreiten. Der Hamburger Mathematikhistoriker Christoph Scriba hat die "alte" und die "außereuropäische" Geometrie bearbeitet, während der Greifswalder Mathematiker Peter Schreiber für die "neuere" Geometrie verantwortlich zeichnet. Ergänzt wird der Text durch zahlreiche Abbildungen, Übersichtstafeln, eine Sammlung von 11 Originaltexten (von Platons "Staat" bis Storms "Schimmelreiter"), ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein Personenverzeichnis; nur ein Sachverzeichnis fehlt. Für ein historisches Werk ungewöhnlich sind die zahlreichen Aufgaben am Ende jedes Kapitels, zur Ergänzung und Vertiefung des Stoffes. Sie sind oft anspruchsvoll und werden dem Leser manches Kopfzerbrechen bereiten, zumal nur selten Lösungshinweise gegeben werden. Bisweilen entsteht der Eindruck, es seien Probleme, für die im Text kein Platz mehr war, in den Aufgabenteil abgeschoben wurden. In den einzelnen Teilen machen sich die sehr unterschiedlichen Stile der beiden Autoren bemerkbar. Während die Ausführungen von Scriba durch umsichtige und zurückhaltende Formulierungen unter Auswertung der einschlägigen, auch neuesten Fachliteratur bestechen, lässt Schreiber des Öfteren seinen persönlichen Vorlieben und Interessen freien Lauf. Historische Werke interpretiert er vorzugsweise aus seiner modernen Sicht. Das ist stellenweise völlig verfehlt, etwa dort, wo er den Satz des Pythagoras in den "Elementen" des Euklid bespricht, an anderen Stellen ist es zwar legitim, wird allerdings nicht immer hinreichend deutlich gemacht. Forschungen von Mathematikhistorikern erwähnt Schreiber, wenn überhaupt, nur am Rande. Immerhin kommt dank der Sichtweise Schreibers ein Themenkreis ausführlich zur Geltung, den die Geometriehistoriker eher stiefmütterlich zu behandeln pflegen: Anwendungen der Geometrie in Architektur, Geodäsie, Kartografie, Kunst, Technik und Naturwissenschaft. Zur begrifflichen Beschreibung derselben prägt Schreiber den problematischen Begriff der "unbewussten Mathematik", die sich "im intuitiven Benutzen von Begriffen, Formen und Verfahren, im Wissen und Können äußert, welches nicht in Worte gekleidet ist, sondern als materielles Produkt von Technik, Handwerk und Kunst existiert". Die Fülle des Stoffs ist beeindruckend. Mehrere Abschnitte des vierten Kapitels gehen der Geometrie in Kulturbereichen wie Japan, China und Indien nach, Themen, welche die Mathematikhistoriker wegen ihrer großen Schwierigkeit gerne übergangen und sich damit dem Vorwurf des Eurozentrismus ausgesetzt haben. Ne-ben den klassischen Werken der griechischen Geometrie wird auch auf weniger bekannte Themen eingegangen, wie etwa die römischen "Agrimensoren" (Landvermesser) oder die Trigonometrie in der Renaissance. Ausführliche Abschnitte über die Übersetzungstätigkeit des späten Mittelalters (aus dem Arabischen und Griechischen ins Lateinische), die Geometrie im Bauhüttenwesen, Geometrie an Schulen und Universitäten, Euklid in der Renaissance und anderes ordnen die Geometrie der jeweiligen Zeit in den kulturhistorischen Kontext ein, allerdings umso weniger, je näher man der Jetztzeit kommt – da wird die Kulturgeschichte dann durch die Computer und Algorithmengeschichte verdrängt. Relativ wenig Beachtung – obwohl im Vorwort ausdrücklich angesprochen – finden im zweiten Teil philosophische Fragen. Insgesamt handelt es um eine sehr aufschlussreiche und reichhaltige Neuerscheinung zur Geschichte der Geometrie, wenn auch die historische Aufarbeitung im zweiten Teil des Werkes noch manches zu wünschen übrig lässt. Aber das reichhaltige Material, das hier versammelt wurde, wird die Aufarbeitung dieses Defizits erleichtern. Rezensent: Dr. Klaus Volkert -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Aus den Rezensionen zur 2. Auflage: ‘‘Das vorliegende Buch gibt einen Überblick über die geometrischen Vorstellungen und Erkenntnisse der Menschen von der Urgesellschaft bis hin zu den komplexen mathematischen wie auch künstlerischen Ideen des 20. Jahrhunderts. ... Aufgaben am Ende jeden Kapitels laden den Leser ein, sich an den Problemen der alten Meister selber zu versuchen. Für die 2. Auflage wurden … neueste Forschungsergebnisse eingearbeitet und … geometrische Vorstellungen in amerikanischen Frühkulturen erweitert." (in: MATHDI, 2006)   Aus den Rezensionen zur 2. Auflage: ‘‘Die Projektgruppe ‘Geschichte der Mathematik‘ … legt … einen überaus lebendigen Überblick über eines der zentralen Teilgebiete der Mathematik vor. … Als besonders instruktiv erweisen sich die jedem Abschnitt beigegebenen Aufgaben. Die Beispiele … lassen in vielen Fällen eindrucksvoll die Entwicklung der geometrischen Denkweise erkennen. … Weiters ist in der Neuauflage ein Sachverzeichnis angefügt. Das … Buch ist eine Fundgrube an geometrischen ‘Geschichten‘ im besten Wortsinn. Es kann jedem an Geometrie Interessierten … wärmstens empfohlen werden. Darüber hinaus ist es auch kulturwissenschaftlich und historisch hoch einzuschätzen." (F. Manhart, in: IMN - Internationale Mathematische Nachrichten, 2006, Issue 203, S. 38 f.) Aus den Rezensionen zur 3. Auflage: “... ein exzellentes Buch, das nicht nur die Geschichte der Geometrie, sondern auch ihre Anwendungen mit zahlreichen Beispielen und über 240 Abbildungen durchleuchtet. ... Die Autoren beschreiben den oft als zu trocken verunglimpften Stoff sehr lebendig und mit voller Hingabe an die Thematik. Sehr einnehmend ist auch die grafische Gestaltung des Buchs, das es zu einem regelrechten Schmuckstück macht: Es passt also nicht nur der Inhalt, sondern auch das Design, und die farbigen Abbildungen runden den Lesergenuss ab ...“ (http://www.spektrumdirekt.de/sixcms/detail.php?id=1024535&_z=859070&_druckve...)


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
In "5000 Jahre Geometrie" wird die Entwicklung der Geometrie von den Anfängen in der Steinzeit über Mesopotamien, die Hochblüte in Griechenland, die Überlieferung und Weiterentwicklung im Orient und den arabischen Ländern, die Entdeckungen im europäischen Mittelalter und der Renaissance bis hin zu den Erkenntnissen und Anwendungen der Geometrie im 19. und 20. Jahrhundert dargestellt.

Dabei wird nicht nur die reine Geschichte der Geometrie dargestellt, sondern auch Bezug auf die kulturellen und sozialen Geschehnisse der jeweiligen Zeit genommen. Außerdem ist von den Wechselwirkungen der Geometrie mit anderen Wissenschaften wie Architektur, Kunst, Musik und Religion zu lesen (wobei die offensichtlichen Verbindungen mit Naturwissenschaften und Technik natürlich nicht übersehen werden).

Das Buch ist sehr leicht zu lesen, im Gegensatz zu vielen anderen Büchern zum Thema Mathematik wird im Text auf übertriebene Formeldarstellung verzichtet. Durch diese Art der Darstellung ist das Buch auch für Nichtmathematiker sehr lesenswert. Das heißt aber nicht, daß keine Formeln vorkommen, in den Aufgabenteilen zu den Kapiteln finden sich alle Formeln, die das Mathematikerherz begehrt :-)

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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Dass die Pyramiden, Zikkurate und anderen Monumentalbauten der frühen Hochkulturen ohne vertiefte Geometriekenntnisse nicht möglich gewesen wären, ist ein Gemeinplatz des Mathematikunterrichts: Wie diese Geometrie betrieben wurde, welche Themen behandelt wurden, welche Lösungen gefunden wurden und von wem, warum, in welchem Zusammenhang - das bleibt meist im Dunkeln. Hier setzen Scriba und Schreiber ein, deren Standardwerk zur Geschichte der Geometrie inzwischen in überarbeiteter Auflage vorliegt.

Die "Wahrheit" oder auch nur Folgerichtigkeit, logische Geschlossenheit der Mathematik gilt den meisten als zeit- und kulturunabhängig. Um so spannender ist es zu sehen, wie die verschiedensten Kulturen jeweils Mathematik betrieben, welche konkreten Probleme die Mathematiker alter Zeiten angingen und welche Lösungen sie fanden. Die Entwicklung der Geometrie als eine gewachsene Wissenschaft wird aufgezeigt, die Brücke zu Nachbargebieten der Mathematik immer wieder geschlagen. Besonders der enorme Fortschritt, den der Übergang von der "klassischen" zur heutigen analytischen Geometrie bedeutet, wird deutlich - neben vielen anderen Fortschritten.

Nicht nur die westliche Geschichte von Ägypten über die klassische Antike und das islamische Mittelalter bis heute wird betrachtet, sondern auch die Geometrie anderer Kulturkreise gleichberechtigt dargestellt. Die griechischen Vorstellungen von Mathematik und insbesondere Geometrie, die unsere Vorstellungen bis heute dominieren, erscheinen damit nicht mehr als alternativlos und können fruchtbar diskutiert werden.

Wer Mathematik in Schule oder Uni zu vermitteln hat, wird sich über die Fülle des Materials aus allen Kulturkreisen freuen: Mathematik auch einmal anhand von konkreten Fragen, Originalquellen und ungewöhnlichen, eben historischen Formulierungen zu präsentieren, hat viel didaktischen Nutzen: Viele Aufgaben, die seit Jahrtausenden immer wieder präsentiert werden, kann man hier in ursprünglicher Form sehen.

Die Autoren decken die Geschichte der Geometrie kompetent in einer umfassenden Übersicht ab - für einzelne Fragen und Epochen bieten sie damit einen guten Startpunkt. Der Text ist verständlich formuliert, trotzdem bleiben die verhandelten Themen komplex und anspruchsvoll. Das jeweils Grundlegende sollte auch für interessierte Oberstufenschüler verständlich sein. Die zahlreichen Übungsaufgaben (!) werden aber spätestens in der 2. Hälfte des Buches nur mit einiger universitärer Vorbildung zu lösen sein. Ein guter Index und zahlreiche Literaturverweise machen das Buch auch zu einem idealen Nachschlagewerk; als Alternative fiele mir nur das sechsbändige "Lexikon der Mathematik" aus dem Spektrum-Verlag ein.

Als Ergänzung lohnt sich der Band "4000 Jahre Algebra" aus der gleichen Reihe.

Kurz: Wer sein didaktisches Handwerkszeug erweitern will, oder sich für die Geschichte der Mathematik und speziell der Geometrie interessiert (und sei es auch nur in Teilen), ist hier bestens bedient. Einfach ist die Lektüre nicht - aber lohnenswert, da hier eben nicht nur an der Oberfläche gekratzt wird.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mögen Sie Mathemaik? 2. Februar 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Auch wenn Ihre Antwort negativ ausfällt - lesen Sie dieses Buch und Ihre Einstellung wird sich ändern! Unsere Kultur ist geprägt von den Entwicklungen der Mathematik und auch, und gerade, von der klassischen Geometrie. Dieser Band richtet sich speziell an "Laien" im besten Sinne des Wortes und ist von Spezialisten auf ihrem Gebiet verfaßt worden. Entstanden ist ein äußerst lesbarer Streifzug durch die Welt der Geometrie. Es macht einfach Spaß, in diesem Buch zu stöbern und ganz nebenbei zu lernen.
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